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Die erneuerbaren Energien müssen weg von Subventionen

Interview mit Gunnar Groebler im Handelsblatt über Kostensenkungspotenziale, Effizienzfortschritte und die Netzanbindung von Offshore-Parks, von Klaus Stratmann

Die Projektierer von Offshore-Windparks müssen sich mit sinkenden Vergütungen begnügen. Macht das Geschäft noch Spaß?

Wir sagen schon seit langem, dass die erneuerbaren Energien von Subventionen weg müssen, wenn sie langfristig ihre gesellschaftliche Akzeptanz behalten wollen. Ein Geschäftsmodell, das auf staatlich garantierten Vergütungen beruht, hat auf Dauer keine Zukunft. Auch wir haben jetzt beim niederländischen Projekt „Hollandse Kust“ zu null Cent geboten.

Wo sehen Sie die größten Kostendegressionspotenziale bei der Offshore-Windkraft?

Die Windturbinen werden immer effizienter. Leistung und Windausbeute steigen stetig. Vor ein paar Jahren war noch ein Turbinentyp mit 3,6 Megawatt (MW) Leistung das Maß der Dinge. Für unsere Windprojekte in Dänemark, die wir bis 2022 fertigstellen wollen, haben wir jetzt Turbinen von Siemens-Gamesa mit 8,4 MW geordert. Auf dem Papier gibt es bereits Turbinen mit 12 MW und mehr. Das sind Riesensprünge. Die Anlagen werden heute in vierstelliger Stückzahl gefertigt. Auch das sorgt für sinkende Kosten.

Sie lagern das Thema Kostendegression also an die Anlagenbauer aus.

Nein, das ist eine sehr verengte Perspektive. Wir arbeiten als Projektentwickler hart an Effizienzsteigerungen – mit messbarem Erfolg. Wir haben bei der Entwicklung unserer Projekte in Deutschland, Großbritannien, Schweden, Dänemark und den Niederlanden viel gelernt. Das setzen wir in unseren aktuellen Projekten bereits um.

Sind die Gebote zu null Cent nicht oft rein strategisch? Zur Not zahlt man als Projektentwickler eine Strafe und bläst die Realisierung ab.

Ich will nicht ausschließen, dass einzelne Bieter diese Strategie verfolgen. Wir tun das nicht. Der Wert unserer Marke ist viel zu groß. Die Marke würde Schaden nehmen, wenn wir ein Projekt einfach abblasen würden. Wir nehmen das sehr ernst.

In Deutschland definiert das BSH, welche Standorte für Offshore-Windparks ausgeschrieben werden. Wissen die Projektierer nicht viel besser, wo die besten Standorte sind?

Das zentralisierte Modell wie es künftig in Deutschland praktiziert wird hat den Vorteil, dass es transparenter ist und bessere Einstiegsmöglichkeiten bietet, weil die Bedingungen im Prinzip für alle Bieter komplett gleich sind. Bei einem dezentralen Modell dagegen können die Projektierer eigene Effizienzpotenziale besser ausreizen, etwa wenn sie ein Projekt in direkter Nachbarschaft zu einem eigenen, bereits bestehenden Park realisieren. Da lassen sich Synergien heben. Es ist eine rein politische Entscheidung, welches Modell man haben will. Beide Modelle haben Vor- und Nachteile.

 Gunnar Groebler, Chef der Windsparte im Interview


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Die Offshore-Wind-Branche macht sich für einen Systemwechsel beim Netzanschluss stark. Die Netzbetreiber wie Tennet und 50Hertz sollen nicht mehr automatisch für die Anbindung der Windparks zuständig sein.

Kostensenkungspotenziale könnten auch noch in der Netzanbindung der Parks stecken. Bislang übernimmt die Netzanbindung ja der Übertragungsnetzbetreiber.

Wir könnten uns damit anfreunden, auch die Netzanbindung zu übernehmen. Da stecken nach meiner Überzeugung noch Kostensenkungspotenziale drin. Die Netzanbindung ist ja in anderen Ländern, etwa in Großbritannien, sowieso Bestandteil unserer Arbeit.

Welche Rolle spielt für Sie die Windkraft an Land?

Das ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Wir haben gerade die Investitionsentscheidung für einen Onshore-Windpark mit 180 MW installierter Leistung in Holland getroffen. Den Strom, den wir dort produzieren, liefern wir übrigens im Rahmen eines langfristigen Vertrags komplett an ein Rechenzentrum von Microsoft.

Und in Deutschland?

In Deutschland schauen wir uns ebenfalls um. Es wird in Deutschland sehr aggressiv geboten. Unser Eindruck ist, dass der regulatorische Rahmen mitunter gebeugt wird.

Das ist sehr vornehm ausgedrückt. Sie spielen auf die vielen Gebote von Bürgerwindgesellschaften an. Dahinter stecken oftmals Projektentwickler, die sich die Privilegien für Bürgerwindgesellschaften sichern wollen.

Richtig. Wir haben uns da nicht beteiligt. Es kann durchaus sein, dass es da noch zu einem bösen Erwachen kommt. Ich bin nicht davon überzeugt, dass die bezuschlagten Kapazitäten am Ende auch wirklich alle kommen. Aber grundsätzlich sehen wir in Deutschland bei der Windkraft an Land durchaus noch Potenzial. Es bietet sich an, mit regionalen Partner zusammenzuarbeiten.

Welche Rolle spielt die Photovoltaik in Ihren Plänen?

Wir haben im Sommer eine eigene Geschäftseinheit „Photovoltaik und Batterien“ gegründet; sie ist unter dem Dach der Wind-Division verankert. Wir haben festgestellt, dass Wind und Sonne bestens zusammenpassen. Wir haben in Großbritannien gerade Photovoltaik-Panels in einem Windpark installiert und können so die Netzinfrastruktur doppelt nutzen. Der Sonnenstrom fällt meist dann an, wenn gerade die Windausbeute gering ist – und umgekehrt. Das ergänzt sich hervorragend und wir werden dieses Geschäft weiter ausbauen.

Herr Groebler, vielen Dank für das Interview.

Handelsblatt Online, 29.12.2017, Klaus Stratmann. © Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


Experte: Klaus Stratmann

Ich bin stellvertretender Leiter der Handelsblatt-Parlamentsredaktion. Zu meinen inhaltlichen Schwerpunkten zählt das Thema Energiepolitik. Beim  Handelsblatt begann ich im Jahr 2000, zunächst als Seite-1-Redakteur in der Düsseldorfer Handelsblatt-Zentrale. Seit 2005 arbeite ich in der Parlamentsredaktion. Ich bin studierter Jurist und gelernter Bankkaufmann. Das journalistische Handwerk erlernte ich im Rahmen eines Volontariates bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) in Essen, wo ich anschließend einige Jahre als Politikredakteur arbeitete.

 

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