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Gunnar Groebler – unser Mann für die Windkraft

Gunnar Groebler ist als Senior Vice President und Chef der Business Area Wind im Vorstand von Vattenfall zuständig für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Schon als Schüler interessierte er sich für die Windenergie.

Heute kümmern sich rund 800 Menschen in seinem Ressort um den Bau von Windparks an Land und auf See, die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen, sowohl in der Fläche als auch auf den Dächern der Kunden, und sie errichten große und kleine Batterien zur Speicherung und effektiven Nutzung von erneuerbarem Strom. Groebler sagt: „Wir arbeiten am Systemumbau. Die Energiewelt muss auf 100 Prozent erneuerbaren Energien basieren.“  

Jens Tartler von „Der Tagesspiegel“ hat Gunnar Groebler für den Tagesspiegel Background Energie & Klima porträtiert. Das Porträt erschien zuerst beim Tagesspiegel: 

Schwedisch statt Mandarin

Dass sich Gunnar Groebler hohe Ziele setzt, hat er noch nie verborgen. Als der junge Maschinenbau-Ingenieur von der RWTH Aachen 1999 beim Energieversorger Veag als Trainee anfängt, fragt ihn der damalige Leiter der Unternehmensentwicklung, Helmar Rendez, wo er mal hinwolle. Auf ihren Stuhl, antwortet Gunnar Groebler. Wie hat Helmar Rendez das aufgenommen? Sportlich, sagt Gunnar Groebler im Gespräch mit Tagesspiegel Background Energie & Klima. Für beide war der Stuhl nur eine Durchgangsstation: Helmar Rendez ist heute Chef des Lausitzer Braunkohle-Unternehmens Leag, Gunnar Groebler im Vorstand der schwedischen Vattenfall Group für Windkraft und andere Energiewende-Themen zuständig.

Auch beim Schritt nach Schweden – Vattenfall hatte drei Jahre zuvor die Veag gekauft – erlegt sich der Mann aus dem Ruhrgebiet keine falsche Zurückhaltung auf. „Auf dem Flug nach Stockholm saß ich zufällig neben dem damaligen CEO von Vattenfall Lars G. Josefsson. Da habe ich ihn einfach angesprochen“, erzählt Gunnar Groebler. Das ist 2002, der junge Manager arbeitet in der deutschen Strategieabteilung gerade daran, nach der Fusion das „neue“ Vattenfall zusammenzubauen. Im Machtzentrum der Gruppe in Schweden kümmert sich Gunnar Groebler dann darum, in Ländern wie Deutschland, Polen oder Dänemark schneller zu wachsen und Synergieeffekte zu nutzen. Es ist eine anstrengende Zeit. „Schwedisch zu lernen war ein Kraftakt“, sagt Gunnar Groebler. „Aber ich will nicht so tun, als hätte ich Mandarin gelernt.“ Erst durch die Sprache habe er wirklich den Zugang zu den einheimischen Kollegen bekommen. Manche schwedische Worte ließen sich einfach nicht auf Englisch oder Deutsch übersetzen, sagt er. 

„Brutal viel gelernt“ in Stockholm

„Brutal viel gelernt“ habe er in der Vattenfall Zentrale. Der Konzern ist in einer Phase des Umbruchs, die erneuerbaren Energien werden immer wichtiger. 2005 schicken ihn die Schweden wieder in sein Heimatland. Gunnar Groebler arbeitet an der geschäftlichen und juristischen Umstrukturierung von Vattenfall mit. So wird der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz ein eigenständiges Unternehmen. Etwas später übernimmt Gunnar Groebler das defizitäre Geschäft mit Pumpspeicherkraftwerken und führt es zumindest vorübergehend in die schwarzen Zahlen.

Hauptverantwortlich für die Windkraft

Dann wird Gunnar Groebler der Hauptverantwortliche für das Geschäft mit Windkraft an Land und auf See in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden. Als der heutige Vattenfall Chef Magnus Hall die regionalen Strukturen auflöst und nach operativem Geschäft ordnet, zieht Groebler 2016 als Vorstand für Windenergie in das höchste Führungsgremium in Stockholm ein und übernimmt ein Jahr später auch noch das Geschäft mit Solarenergie und Batterien. In Großbritannien und den Niederlanden beispielsweise kombiniert Vattenfall Solaranlagen und Batterien mit Windparks.

Im walisischen Pen y Cymoedd betreibt das Unternehmen einen Onshore-Park mit einer Leistung von 228 Megawatt mit einem 22-MW-Speicher, dessen Batterietyp auch im BMW i3 zum Einsatz kommt.

Der heute 46-jährige Gunnar Groebler ist wie die meisten Manager eindeutig sach- und zahlenorientiert – und vielleicht gerade deshalb ein überzeugter Anhänger der Energiewende. Als er in der zehnten Klasse ein Referat über die Windenergieanlage Growian hielt, fand er das zwar „total spannend“, ahnte aber noch nicht, in welchen Dimensionen er das Geschäft mal betreiben würde. Heute sagt er: „Wir arbeiten am Systemumbau. Die Energiewelt muss auf 100 Prozent erneuerbaren Energien basieren.“Deshalb würde er sich wünschen, dass die Politik einen CO2-Preis von 25 oder 30 Euro pro Tonne festlegen würde. Auch dass die Bundesregierung den Ausbau von Wind- und Solarenergie an neue Stromtrassen knüpft, missfällt Gunnar Groebler: „Ohne Netzausbau wird die Energiewende nicht funktionieren“, sagt er. „Aber wir sollten den weiteren Erneuerbaren-Ausbau nicht davon abhängig machen, das geht auch parallel. Eine Konditionierung bringt Unsicherheit ins System.“ Ein Beispiel, wie man es aus seiner Sicht besser machen kann: Das Land Schleswig-Holstein schreibt neue Züge aus, die mit Wasserstoff aus Windkraft betrieben werden. Dafür ist kein Netzausbau notwendig.  

„Klaren Fahrplan“ von der Berliner Politik

Von der Berliner Politik hätte Gunnar Groebler gerne „einen klaren Fahrplan“, sagt er. „Das würde auch unseren Zulieferern Planungssicherheit verschaffen.“ Siemens habe gerade in Cuxhaven ein Werk für Offshore-Windenergieanlagen für 200 Millionen Euro gebaut. In Taiwan oder den USA werde Offshore aktuell stark vorangetrieben. „Auch in den Niederlanden, Dänemark und Großbritannien gibt es ein sehr eindeutiges Bekenntnis zum Ausbau der Erneuerbaren.“

Obwohl die Vattenfall Group in Stockholm sitzt, kann Gunnar Groebler seinen Job von seinem Wohnort Hamburg aus machen. Schließlich sei das die Wind-Hauptstadt Europas. Seine Freizeit wird von den vier Kindern gut ausgefüllt. Außerdem jagt er gern und kocht. Das Kochen kam zwangsweise dazu: Als Gunnar Groebler mit 18 seinen ersten Fasan schoss, weigerte sich seine Mutter, den Vogel zuzubereiten.

Passend dazu:

Tagesspiegel Backround

Tagesspiegel Porträt Gunnar Groebler

Thilo Boss: Fossilfrei in die Zukunft

Daniel Wetzel: vattenfall will der erste klimaneutrale Energiekonzern werden

Klaus Stratmann: Die erneuerbaren Energien müssen weg von den Subventionen

Björn Hartmann: Vattenfall will geregelten Kohleausstieg und mehr Windkraft

Inge Kloepfer: Über den Umbruch am Energiemarkt


Experte Jens Tartler

Ich bin stellvertretender Leiter vom Tagesspiegel Background und bringe 20 Jahre Erfahrung als Politik-Redakteur und Hauptstadtkorrespondent für „Handelsblatt“ und „Financial Times Deutschland“ mit. Seit dieser Zeit befasse ich mich auch mit Energie- und Verkehrspolitik. Später wechselte ich die Seiten und wurde Pressesprecher des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) sowie des Bundesverbandes Erneuerbare Energie. Das Thema Energie interessierte mich schon im Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität zu Köln: Als Wahlpflichtfach wählte ich Energiewirtschaft bei Carl Christian von Weizsäcker.

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