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Tanja Wielgoß zu Frauen in Führungspositionen

Die AllBright Stiftung setzt sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft ein. Unsere Chefin der Wärme Berlin, Tanja Wielgoß, engagiert sich im Stiftungsrat der Stiftung. Wir haben mit Tanja Wielgoß über Diversität als Voraussetzung für Unternehmenserfolg gesprochen und haben sie um einen Rat für Frauen gebeten, die heute in der Wirtschaft Führungsverantwortung übernehmen wollen.

Dr. Tanja Wielgoß, Vorsitzende des Vorstands der Vattenfall Wärme Berlin AG.

1. Frau Wielgoß, kürzlich hat die AllBright Stiftung die Anzahl von Frauen in Unternehmensvorständen in verschiedenen europäischen Ländern analysiert. Deutschland landete dabei auf dem vorletzten Platz. Was muss geschehen, damit sich dies ändert? 

Tanja Wielgoß: Diversität ist eine Voraussetzung für den Erfolg eines Unternehmens. Deshalb ist sie auch eine der vier strategischen Säulen von Vattenfall. Allerdings merken wir auch bei uns, dass wir zwar in Schweden schon vergleichsweise gut vorangekommen sind in punkto Diversität. Das zeigt sich zum Beispiel sehr deutlich in unserer Unternehmensführung: dem Executive Group Management. In Deutschland haben allerdings auch wir noch starken Nachholbedarf. Unter den knapp 30 Top-Führungskräften sind wir lediglich 2 Frauen.  

Gleichzeitig merken wir bei der AllBright-Stiftung, die auch immer den Unterschied zwischen Schweden und Deutschland stark vor Augen hat, dass es gut erkennbar Bewegung gibt. Diese ist nun zwar nicht besonders schnell, doch vielleicht der Anfang zu einer immer schnelleren Gangart. So muss man Ende 2019 die Vornamen Thomas und Michael um einen dritten – Stefan – ergänzen, damit die Summe der Vorstände mit diesem Namen größer ist als die der Vorständinnen in börsennotierten deutschen Unternehmen.  

Der Vattenfall Konzern hat sich generell und natürlich auch in Deutschland für die Neubesetzung von Führungspositionen einen Anteil von 35 Prozent Managerinnen zum Ziel gesetzt. Ich denke, jedes Unternehmen arbeitet in Bereichen, in denen es etwas erreichen will, mit klar definierten Kennziffern. Wenn also bei Diversität und Gleichstellung etwas erreicht werden soll, brauchen wir solch ambitionierte Ziele, auf die wir hinarbeiten können.  

Bezogen auf den Bereich der Wärme Berlin bei Vattenfall denke ich, wir sind auf gutem Weg. So habe ich viele tolle Kolleginnen mit und ohne Führungsverantwortung, die unser Geschäft wesentlich gestalten und unsere Kultur prägen. Und natürlich gebe ich mein Bestes, um auch die eine oder andere zu motivieren, selbst (mehr) Führungsverantwortung zu übernehmen.  
 
2. Als Vorstandsvorsitzende der Vattenfall Wärme AG gehören Sie zur kleinen Minderheit der Managerinnen, die es bis in eine Vorstandsetage geschafft haben. Was raten Sie Frauen, die heute in der Wirtschaft Führungsverantwortung übernehmen wollen?  

Der Schlüssel ist aus meiner Sicht der Wunsch, gestalten zu wollen. Denn eine Führungsposition ist aus meiner Sicht kein Selbstzweck. Und dann ist es wichtig, sich nicht abschrecken zu lassen von Anforderungen in Stellenbeschreibungen – diese sind in der Regel Wunschprofile, die nahezu niemand vollständig abdecken kann. Schließlich bin ich davon überzeugt, dass keine – auch noch so gute – Führungskraft alleine erfolgreich sein kann. Um Hilfe zu bitten, selbst zu unterstützten und für sich selbst und andere neben der Kompetenz auch ein Netzwerk aufzubauen, ist nicht nur hilfreich, sondern macht auch Spaß.  

3. Der Anteil weiblicher Führungskräfte bei Vattenfall liegt bei derzeit 32 Prozent, in der Vattenfall Wärme Berlin bei 11 Prozent. Das Unternehmen fördert bei Neubesetzungen einen höheren Frauen-Anteil. Was ist realistisch, wann könnten es Ihrer Meinung nach 50 Prozent sein, und was müsste das Unternehmen dafür tun? 

Unser Ziel ist es, keine Quoten (mehr) zu brauchen. Wenn wir auch bei uns die 35 Prozent erreicht haben, werden die Strukturen und die Kultur in unserem Unternehmen aus meiner Sicht so offen sein, dass wir nicht mehr nachzählen müssen.  

In der Wärme Berlin setzen wir darauf, Frauen in die reguläre Talentförderung aufzunehmen statt Sonderprogramme zu machen. Die Sonderprogramme wirken manchmal so, als seien Frauen eine geschützte Spezies. Wir denken, die Kolleginnen kommen sehr gut „in der freien Wildbahn“ zurecht. Es geht ja gerade darum, mit Männern zusammen das Unternehmen voran zu bringen. Wir setzen also darauf, dass in unseren Regelprogrammen der Talentförderung, aber auch bei der Übernahme wichtiger Verantwortung oder der Durchführung von Projekten mit hoher Visibilität immer auch Frauen gut vertreten sind.  

Darüber hinaus gibt es ein sehr aktives Diversity-Netzwerk mit regelmäßigen Veranstaltungen für alle, das vom Top-Management aktiv unterstützt wird. Und was ich für ein tolles Signal halte: bei uns ist Diversity eine Herzensangelegenheit für die besonders starken Männer: das gilt für den CEO Magnus Hall genauso wie für den Deutschland-Chef Tuomo Hatakka, der auch Vattenfalls europäisches Wärmegeschäft leitet, sowie den Chef unseres größten operativen Bereichs Thorbjörn Wahlborg. Tuomo Hatakka und Torbjörn Wahlborg waren bzw. sind für jeweils zwei Jahre die Diversity-Beauftragten des Vattenfall Konzerns. 


AllBright Stiftung

Die AllBright Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Stockholm und Berlin. Sie setzt sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft ein. Gleiche Karrierechancen für Männer und Frauen und bessere Unternehmensresultate durch gemischte, moderne Führungsteams sind das Ziel. AllBright richtet sich an Management und Personalverantwortliche in den Unternehmen sowie an Meinungsbildner und Medien und will insbesondere auf gelungene Lösungsansätze aufmerksam machen. Einmal jährlich veröffentlicht die Stiftung einen Lagebericht zur aktuellen Anzahl von Frauen in den Vorständen (bzw. die den Vorständen analogen Führungsgremien) und Aufsichtsräten der im DAX30, MDAX und SDAX notierten Unternehmen.


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