News

Tanja Wielgoß zur Inbetriebnahme des Heizkraftwerks Marzahn

Im Berliner Ortsteil Marzahn wurde am 3. Juni 2020 das Heizkraftwerk Marzahn offiziell in Betrieb genommen. Im Verbund mit dem Heizkraftwerk Klingenberg bildet die neue Anlage das Rückgrat der Wärmeversorgung im Osten Berlins mit insgesamt 450.000 Haushalten. Die Chefin der Vattenfall Wärme Berlin, Tanja Wielgoß, erläutert im Gespräch, was das Einzigartige an diesem Heizkraftwerk ist, wie es auf die Unternehmensstrategie einzahlt und was sie persönlich jeden Tag antreibt.

IBNM_Tanja Wielgoß_Buehne_topNR.jpg

Tanja Wielgoß, Vorsitzende des Vorstands der Vattenfall Wärme Berlin AG bei der symbolischen Inbetriebnahme des Heizkraftwerkes Marzahn.

1.    Frau Wielgoß, am 3. Juni haben wir die offizielle Inbetriebnahme der neuen Gas- und Dampfturbinen-Anlage in Berlin-Marzahn gefeiert. Was bedeutet diese Anlage für Sie beziehungsweise für Vattenfall?

Tanja Wielgoß: Marzahn ist für uns ein sehr starkes Symbol – gerade in der jetzigen Zeit. Denn der Klimawandel macht keine Corona-Pause. Und wir auch nicht. Wir haben die ganze Zeit intensiv durchgearbeitet. Das HKW Marzahn und der Netzknoten am gleichen Standort sind eine starke Gemeinschaftsleistung. Ich bin stolz und dankbar, dass die Teams der Vattenfall Wärme, der Stromnetz und natürlich auch von Siemens die ganze Zeit und vor allem jetzt auch im Endspurt in diesen außergewöhnlichen Zeiten so gut zusammengearbeitet haben – mit einem Ergebnis, das sich wirklich sehen lassen kann.

Marzahn heißt für mich auch, dass wir als Vattenfall zu unseren Versprechen stehen. Vattenfall ist Vorreiter beim Klimaschutz. Auf unserem langen Weg zur Klimaneutralität ist jetzt in Berlin wieder ein wichtiger Meilenstein erreicht. Im Jahr 2009 haben wir dem Land Berlin versprochen, den CO2-Ausstoß in der Hauptstadt bis 2020 im Vergleich zu 1990 zu halbieren: von den 13,4 Millionen Tonnen CO2 sind heute weniger als 6 Millionen Tonnen p.a. übrig. Wir haben unser Versprechen also übererfüllt.

2.    Vattenfall verfolgt das Ziel ein fossilfreies Leben innerhalb einer Generation zu ermöglichen. Wie zahlt das neue Heizkraftwerk auf das Unternehmensziel ein?

Zunächst einmal steckt im Wort Heizkraftwerk ein Schlagwort, das in fast allen Diskussionen zur Energiewende eine Rolle spielt: Sektorkopplung. Heizkraftwerk steht für das gleichzeitige Produzieren von Wärme und Strom. Diese Technologie nennt sich Kraft-Wärme-Kopplung – kurz KWK. Das Besondere ist der enorme Brennstoffnutzungsgrad von über 90 Prozent. Außerdem kann die Anlage sehr schnell hoch- und herunterfahren. Sie ist also extrem flexibel. Diese Flexibilität brauchen wir für die Energiewende, in der die regenerativen Energien immer bedeutender werden, die Volatilität der Versorgung damit aber auch. Gleichzeitig möchte niemand in Deutschland und Berlin auf Strom, warmes Duschen oder ein geheiztes Wohnzimmer im Winter verzichten.

Deshalb setzt auch die Bundesregierung auf KWK. Wir zählen darauf, dass sie für ein Gelingen des Kohleausstiegs beim Thema KWK noch nachbessern wird. Denn grob überschlagen braucht Deutschland rund 60 weitere Anlagen in Art und Größe von Marzahn, um den Kohleausstieg und eine sichere Versorgung auch in Dunkelflauten hinzukriegen. Und die gute Nachricht: KWK heißt immer auch die Förderung von zukunftssicheren Arbeitsplätzen vor Ort. Im Fall von Marzahn ist das sehr deutlich: wir selbst haben unsere ganze Wertschöpfungskette hier in Berlin – von der Erzeugung über die Energieverteilung bis hin zur Kundenbetreuung. Gleichzeitig stellte Siemens die Gasturbine in Berlin-Moabit, die Leittechnik in der Siemensstadt hier vor Ort her. Und auch die Dampfturbine kommt nicht von weit weg: sie wurde in Görlitz produziert.

3.    Das sind große Themen. Was treibt Sie persönlich an, so viel Energie in Ihr Arbeitsleben zu stecken?

Ich bin nicht nur Chefin der Vattenfall Wärme Berlin, sondern gleichzeitig auch Mutter von zwei wunderbar wilden Kindern. Gerade jetzt sind wir es den zukünftigen Generationen schuldig, an einer lebenswerten Zukunft zu arbeiten. Der CO2-Fußabdruck unserer Kinder wird schon viel geringer sein als meiner. Und die Kinder unserer Kinder sollen – wenn es nach uns geht – gar keinen Fußabdruck mehr hinterlassen. Das ist eine Aufgabe, die uns als Vattenfall antreibt. Und die mich persönlich jeden Tag wieder motiviert.

IBN_Marzahn_Gäste_3_NR.jpg

Sie alle kamen zu Ehren des neuen Heizkraftwerkes Marzahn- in Corona-konformem Abstand.
V. l.: Petra Pau, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages
Thomas Schäfer, Vorsitzender der Geschäftsführung Stromnetz Berlin GmbH 
Dagmar Pohle, Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf 
Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin 
Ulrich Nußbaum, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Tanja Wielgoß, Vorstandsvorsitzende Vattenfall Wärme Berlin AG 
Jochen Eickholt, Vorstandsmitglied Siemens Energy AG

Podcast zur IBN Marzahn

E&M ENERGIEFUNK - Vattenfall eröffnet neues GuD-Kraftwerk in Berlin - Podcast für die Energiewirtschaft

Mehr Informationen

Wie läuft es bei der neuen Gas- und Dampfturbinenanlage Marzahn nach drei Monate Betrieb?

News
Blog
23.07.2020

Rückbau Kernkraftwerk Brunsbüttel – Dampftrockner erfolgreich zerlegt

Fortschritt bei Rückbau an Einbauten des Reaktordruckbehälters im KKW Brunsbüttel.

Blog
DanTysk Offshore Windpark - Luftaufnahme

Mediathek

Besuchen Sie unsere Mediathek zum Auffinden von Bildern.