Rückbau Kernkraftwerk Brunsbüttel – Dampftrockner erfolgreich zerlegt

Die ersten Rückbauarbeiten an den Einbauten des Reaktordruckbehälters im Kernkraftwerk Brunsbüttel sind erfolgreich verlaufen. Der ehemals 5 Meter hohe und 33 Tonnen schwere Dampftrockner ist in Einzelteile zerlegt und endlagergerecht in Container verpackt.

Blick von oben auf den Dampftrockner vor Zerlegung

Blick von oben auf den Dampftrockner vor Zerlegung

AZURo hat seine Bewährungsprobe bestanden: Mit Hilfe dieses Roboters haben Spezialisten der Firmen Orano und EWN (Entsorgungswerk für Nuklearanlagen) in monatelanger, präziser Arbeit das erste Einbauteil des Reaktordruckbehälters (RDB) im Kernkraftwerk Brunsbüttel (KKB) zerlegt. In einem weltweit einzigartigen Einsatz des Roboters für derartige Schneidearbeiten unter Wasser wurde der Dampftrockner, der ehemals an oberster Stelle im RDB eingebaut war, in genau berechnete Einzelteile geschnitten. Seit dem ersten Schnitt von AZURo – der Name steht für „Automatisierte Zerlegung von RDB-Einbauten mittels Unterwasser-Robotertechnik“ – Ende August 2019 sind aus dem Dampftrockner rund 380 einzelne Stücke entstanden.

Roboter AZURo bei Zerlegearbeiten am Dampftrockner

So automatisch wie der Name des Roboters erwarten lässt, wurden die Arbeiten nicht durchgeführt. „AZURo wurde weitestgehend von Hand gesteuert. Eine Freigabe jeder einzelnen Roboterbewegung durch einen Mitarbeiter war zwar immer vorgesehen, wir hatten aber ursprünglich damit gerechnet, eine teilweise Automatisierung nutzen zu können. Das hat sich als nicht praktikabel erwiesen“, sagt Kraftwerksleiter Markus Willicks.

Das war nur eine von vielen Erkenntnissen, die im Laufe der Monate bei den Zerlegearbeiten gewonnen wurden. „Eine weitere wichtige Erfahrung betrifft die Sicht bei Arbeiten unter Wasser. Nach früheren Erfahrungen hatten wir erwartet, dass Filter mit einer bestimmten Maschenweite ausreichen, um die von AZURos Bewegungen verursachte Trübung im Wasser ausreichend zu verringern. Das war nicht der Fall. Wir haben also die Maschenweite der Filter deutlich reduziert. Zusätzlich geholfen hat das Einbringen von Luft. Die Sicht wurde durch diese Maßnahmen erheblich verbessert“, erläutert Willicks.

In regelmäßigen Workshops haben die Spezialisten ihre Erfahrungen ausgetauscht und festgehalten. Profitieren davon werden auch andere Anlagen, die zukünftig abgebaut werden und in denen AZURo zum Einsatz kommt. Dazu gehört auch das Kernkraftwerk Krümmel.

Die Dampftrocknerteile wurden in zwei verschiedene endlagergerechte Behälter verpackt, die sog. Konrad-Container Typ II mit Einstellmagazinen und Typ III, in die Einzelstücke so passgenau wie möglich eingefügt wurden. Da der Platz im zukünftigen Endlager Schacht Konrad begrenzt ist, muss der vorhandene Stauraum so optimal wie möglich genutzt werden. Genaue Planung und präzise Schnitte sorgten dafür, dass für den 33 Tonnen schweren Dampftrockner jeweils 10 von beiden Behältertypen ausgereicht haben.  

Blick von oben in einen beladenen Konrad-Container

„Die Arbeiten mit AZURo sind sehr gut gelaufen. Dieser flexible Roboter hat sich wirklich bewährt. Auch die Zusammenarbeit zwischen unserem Personal und den Fachleuten von Orano und EWN war hervorragend. Covid-19 und die damit einhergehenden Hygienevorschriften und Abstandregeln haben die Arbeiten nicht wesentlich behindert. Sie sind gut einzuhalten. Eine kurze Pause macht jetzt nur AZURo. Die nächsten Zerlegearbeiten erfolgen mit anderen Werkzeugen. Erneut zum Einsatz kommt AZURo bei der Zerlegung der Speisewasserstutzen und anschließend des Oberen Kerngitters  im RDB“, erklärt Markus Willicks. 

Konrad-Container: links in Trocknungsposition, rechts in Transportrahmen

Ohne AZURo erfolgen die Schnitte am Dampfwasserabscheider. Zunächst wird er aus dem RDB herausgehoben und – wie vorher der Dampftrockner – im mit Wasser gefüllten Flutraum oberhalb des Reaktors gelagert und dort mit Unterwasser-Stichsägen, Bandsägen, Hydraulikscheren und dem Kontakt-Lichtbogen-Metall-Schneidverfahren zerlegt. Erste Abbauarbeiten am Dampfwasserabscheider sind bereits parallel zur Zerlegung des Dampftrockners erfolgt. Hier kommt ein zweiter Roboter zum Einsatz. Er wird nicht für Schneidearbeiten, sondern für das Verpacken der Schnittstücke eingesetzt und bleibt im Einsatz. 

Das Entfernen des Dampfwasserabscheiders aus dem RDB ist die Voraussetzung für den Ausbau der Zwangsumwälzpumpen. Wegen ihrer radiologischen Eigenschaften können sie ohne Wasserabschirmung, also quasi „an Land“, mit einer Bandsäge zerlegt werden. 

Links:

„AZURo“ in Aktion: Erste Rückbauarbeiten im Kernkraftwerk Brunsbüttel

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