
Vattenfall vermarktet in Deutschland erstmals Regelenergie aus Offshore-Windpark
Aufgrund schwankender Erzeugung galten Erneuerbare bislang oft als Risiko für die Netzstabilität. Insbesondere auf hoher See weht der Wind jedoch meist sehr konstant und vorhersehbar. Vattenfall bringt deshalb nun erstmals Regelenergie aus einem Offshore-Windpark in den Strommarkt – und stellt somit erneuerbare Energie zur Stabilisierung des Netzes zur Verfügung.
Fakten
Bei der Stabilisierung des Stromnetzes gleichen Übertragungsnetzbetreiber unvorhersehbare Abweichungen aus, indem sie in Sekundenschnelle Regelenergie abrufen. Sie nutzen hierfür den sogenannten Regelenergiemarkt in Deutschland – und beschaffen die notwendigen Kapazitäten, sodass genügend Energie bereitsteht, um Erzeugung und Verbrauch sehr kurzfristig anzupassen.
Primärregelleistung:
Muss innerhalb von 30 Sekunden vollständig verfügbar sein. Aktivierung erfolgt automatisch über die Netzfrequenz. In Deutschland übernehmen das inzwischen überwiegend Batterie-Speicher.
Sekundärregelleistung:
Startet nach 30 Sekunden und muss binnen 5 Minuten voll wirksam sein. Dient der Stabilisierung des Netzes. Sie ist asymmetrisch: Es kann positive (Stromeinspeisung), negative (Stromentnahme) oder beides angeboten werden.
Tertiärregelleistung:
Auch Minutenreserve genannt. Sie wird manuell durch den Übertragungsnetzbetreiber aktiviert und muss innerhalb von 12,5 Minuten vollständig bereitstehen.
„Strom aus erneuerbaren Quellen ist nicht nur unverzichtbar, wenn es darum geht, den Klimawandel zu bekämpfen und die Energiewende zum Erfolg zu bringen“, betont Christian Sdralek, verantwortlich für das Erneuerbare Energien Portfolio bei Vattenfall. „Er kann auch einen wichtigen Beitrag zur Stabilität des Stromsystems liefern. Die Vermarktung von Regelenergie aus Offshore-Wind ist dafür ein starkes Signal.“
Der Strom zur Netzstabilisierung stammt aus dem Offshore-Windpark Veja Mate. Er liegt rund 95 km nordwestlich der Insel Borkum in der Nordsee und hat eine Gesamtleistung von 416 Megawatt. Insgesamt 67 Windenergieanlagen erzeugen Strom für umgerechnet 450.000 Haushalte. Der Windpark gehört einem Konsortium aus Commerz Real, Ingka Group, KGAL Group und wpd invest. Als Direktvermarkter platziert und optimiert Vattenfall die erzeugte Energie im Strommarkt.
Trotz wetterbedingter Schwankungen in der Erzeugung muss das Stromnetz jederzeit stabil bei einer Netzfrequenz von 50 Hertz gehalten werden. Bei Abweichungen von der prognostizierten Stromerzeugung greifen Übertragungsnetzbetreiber deshalb auf sogenannte Regelenergie zurück, die sie bei Bedarf abrufen und so das Netz stabil halten.
Mit dem Strom aus dem Offshore-Windpark vermarktet Vattenfall nun erstmals Regelenergie, die auf hoher See erzeugt wurde und stellt dabei mit 200 Megawatt die bislang größte Leistung an Regelenergie aus Offshore-Wind bereit. Der Offshore-Windpark Veja Mate wurde dafür entsprechend in der Regelzone des Übertragungsnetzbetreibers TenneT TSO präqualifiziert. „Bislang kam diese Regelenergie meist aus flexiblen Pumpspeichern oder Gaskraftwerken“, erklärt Sdralek. „Diese Präqualifikation beweist nun: Erneuerbare Energien erzeugen nicht nur fossilfrei Strom, sondern können auch darüber hinaus netzsichernde Aufgaben übernehmen.“
Vattenfall stellt schon länger einen Teil seiner Kraftwerkskapazitäten zur Stabilisierung des Netzes zur Verfügung. In der Vergangenheit kamen hierbei auch konventionelle Anlagen zum Einsatz. Heute sind vor allem die flexiblen Pumpspeicherkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 2,7 Gigawatt aktiv an der Regelreserve beteiligt.
„Als flexible Puffer leisten unsere Pumpspeicher schon heute einen zentralen Beitrag zur Netzsicherheit und Stabilität“, betont Sdralek. „Gleichzeitig arbeiten wir mit Hochdruck an der Umsetzung von weiteren Präqualifikationen, um zusätzlichen fossilfreien Anlagen die Teilnahme am Regelenergiemarkt zu eröffnen – seien es Offshore-Windparks, PV-Parks in Kombination mit Großbatterien oder auch externe Batteriespeicher, die Vattenfall zu einem Fixpreis mietet und am Strommarkt optimiert.“
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