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Viertausendste Anbohrung einer Fernwärmeleitung

Bei der Anbohrung werden Abzweige hergestellt, ohne dass die jeweilige Hauptleitung außer Betrieb genommen werden muss. Die Bohrungen vermeiden also Versorgungsunterbrechungen für die angeschlossenen Wärmekunden. Das hierbei genutzte Rohrbohr-Verfahren ist 1979 von Mitarbeitern des Vorgängerunternehmens Bewag entwickelt und später deutschlandweit zertifiziert worden.

Eine Fernwärmeleitung anzubohren, durch die bis zu 130 Grad heißes Wasser fließt, klingt zunächst nach keiner so guten Idee. Das ist es auch nicht – es sei denn, man gehört zum Spezialteam von Maintenance bei der Berliner Fernwärme. Das Team konnte am Morgen des 27. März 2018 in Köpenick bereits die viertausendste erfolgreiche Fernwärme-Anbohrung in der Unternehmensgeschichte vermelden.

Worum geht es beim Anbohren?

Mit Hilfe unseres TÜV-geprüften Anbohrverfahrens können wir das Fernwärmenetz durch Abzweige regelmäßig erweitern. Dafür wird die jeweilige Hauptleitung angebohrt und der Abzweig anmontiert. Neue Kunden können im laufenden Betrieb angeschlossen werden. Die Versorgung der anderen Kunden bleibt davon unbeeindruckt.

Was bringt das Anbohren der Fernwärmeleitungen?

Dank des Anbohrverfahrens brauchen die Anlagen bei Neuanschlüssen nicht abgefahren werden. Auch das Entleeren, das Wasseraufbereiten und die Wiederinbetriebnahme fallen weg. Es gibt weniger statische Belastung. Das steigert unsere Effizienz bei der Fahrweise der Netze erheblich. Unterm Strich spart das Verfahren sowohl unsere Kunden als auch der Wärme Berlin eine Menge Zeit, Aufwand und Kosten.

Wer hat’s erfunden?

Nein, nicht die Schweizer. Es waren Fernwärme-Kollegen aus Ostberlin, die das Verfahren 1979 entwickelten und in Marzahn erstmals einsetzten. Die Methode wurde über die Jahre immer weiter verbessert und wird heute von vielen großen deutschen Fernwärmeanbietern eingesetzt. Das größte Know-how zu diesem Verfahren gibt es aber nach wie vor bei Vattenfall. Wenn Probleme eintreten, klingelt bei uns das Telefon.

Anbohrung der Fernwärmeleitung Marzahn zur Netzerweiterung bei laufendem Betrieb, 1979. Quelle Vattenfall

Anbohrung der Fernwärmeleitung Marzahn zur Netzerweiterung bei laufendem Betrieb, 1979. Quelle Vattenfall

Klingt einfach. Ist es aber nicht.

Heute ist das Verfahren mit Anbohrsperre am Gebräuchlichsten. Dabei wird zunächst eine Anbohrsperre am Rohr angeschweißt und die Schweißnaht mit Druckluft oder Wasser auf Dichte geprüft. Wenn die Statik es verlangt, wird das Gebiet um die Sperre mit einem Metallkragen verstärkt. Danach bohrt sich das Anbohrgerät – eine Bohrmaschine mit speziellem Getriebe, Lochkreissägeaufsatz und Zentrierbohrer – langsam durch das Rohr. Als nächstes wird ein Anschlussrohr angeschweißt. Fertig.

Anschweißen der Anbohrsperre am Rohr. Foto: Vattenfall

Anschweißen der Anbohrsperre am Rohr. Foto: Vattenfalll

Sicherheit geht vor

Die Entscheidung, ob ein Anschluss durch Anbohrung möglich ist, hängt in erster Linie mit dem Arbeitsschutz zusammen. Die Platzverhältnisse müssen optimal gegeben sein. Das ist im Keller anders, als in der Baugrube oder an der Freitrasse. Torsten Reimann, verantwortlicher Netzmeister Maintenance, prüft vorab die jeweiligen Parameter und gibt dann im besten Fall grünes Licht. Die Fernwärme-Warte ist bei jeder Anbohrung involviert. Sie bekommt eine sogenannte Schaltanforderung vom Netzbetrieb und weiß somit, dass in dem entsprechenden Bereich angebohrt wird. Generell dürfen die Abgänge, die wir erstellen, nicht größer als Nennweite DN 200 sein. 

Innovationen in Köpenick

Bei der Anbohrung in der Wendenschlossstraße wurden diesmal nicht nur Abgänge, sondern auch Stutzen gesetzt, um Messsonden einzusetzen. Bei dem Objekt handelt es sich um keinen gewöhnlichen Abnehmer, sondern um eine der größten innerstädtische Solarthermieanlagen in Deutschland.

Bohren fürs Schloss

Zur ohnehin schon illustren Liste der Berliner Gebäude, die auf diese Weise ihren Fernwärmeanschluss erhielten, kommt Anfang April ein weiteres hinzu: das Humboldtforum Berliner Schloss in Mitte. Unser Bohrtrupp rückt gleich nach Ostern an.

 


 

 

Experte Nico Frodl

Mein Einstieg in unser Unternehmen erfolgte 2001 mit einer Ausbildung zum Anlagenmechaniker Versorgungstechnik. 2004 begann ich als Rohrnetzmonteur im Netzbetrieb West/Ost. Durch ein berufsbegleitendes Maschinenbau und Elektrotechnik Studium qualifizierte ich mich 2009 zum Ingenieur im Netzbetrieb und 2010 zum Head of Network Maintenance Berlin. Seit 2016 bin ich Head of Maintenance und Leiter der Operativen Geschäftssteuerung bei der Wärme Berlin.

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