
Wachstumsschub im Batteriemarkt: der Durchbruch, auf den wir gewartet haben?
- Die Nachfrage nach Batteriespeichern steigt mit dem Ausbau von Wind- und Solarenergie rapide an.
- Sinkende Kosten und die Notwendigkeit einer stabilen Netzversorgung treiben die schnelle Einführung voran.
- Hybridparks, die erneuerbare Energien und Batterien kombinieren, werden zum Standard.
- Neue Leasingmodelle beschleunigen den Zugang zu groß angelegten Speichersystemen.
Der Batterieboom in Europa gewinnt stark an Tempo und schafft die dringend benötigte Flexibilität für erneuerbare Energien. Mit dem Aufschwung von Wind- und Solarenergie kommt der großskaligen Energiespeicherung endlich eine entscheidende Rolle zu.
Bis vor kurzem haben Batteriespeicherlösungen ein stetiges, aber bescheidenes Wachstum erfahren. Mit dem rasanten Ausbau der Wind- und Solarenergie ist der Bedarf an effizienter Energiespeicherung unabdingbar geworden. Infolgedessen steigen sowohl die Anzahl als auch die Kapazität von Großbatterien in ganz Europa stark an.
SolarPower Europe prognostiziert für den europäischen Batteriemarkt zwischen 2024 und 2029 ein Wachstum von fast 500 Prozent – ein klares Signal dafür, dass diese Technologie endlich durchstarten könnte.
Vorteile für das gesamte Energiesystem
Die Vorteile der Batteriespeicherung sind zahlreich und erstrecken sich auf das gesamte Energie-Ökosystem.
Netzstabilität: Batterien tragen zur Aufrechterhaltung von Frequenz und Spannung bei und gewährleisten so eine zuverlässige Stromversorgung auch bei Schwankungen.
Integration der erneuerbaren Energien: Überschüssige Wind- und Solarenergie kann gespeichert und später bei sinkender Produktion genutzt werden.
Peak Shaving: Senkung des Stromverbrauchs in Zeiten höchster Nachfrage, um eine Überlastung des Netzes zu vermeiden.
Notstromversorgung: Reservestrom kann bei Stromausfällen für kritische Ausfallsicherheit sorgen und sowohl betriebliche Abläufe als auch die Bevölkerung schützen.
Dekarbonisierung: Mit Batterien kann mehr erneuerbare Energie eingebunden werden, wodurch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert wird.
Ein Energiesystem im Wandel
Batterien liefern flexible Energie mit der für die Stabilisierung des Netzes erforderlichen Präzision und machen es selbst in Zeiten überschüssiger Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien widerstandsfähig und ausgeglichen. Intelligente Algorithmen spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle bei der Optimierung der Energieerzeugung und deren Anpassung an kurzfristige Marktsignale von Angebot und Nachfrage.
In Regionen, in denen es keine alternativen Flexibilitätsquellen wie Wasserkraft gibt, sind Batterien unerlässlich, um die Überproduktion zu managen und die Abregelung der erneuerbaren Energien zu verhindern – eine Herausforderung, die besonders in Deutschland und den Niederlanden zu beobachten ist, wo negative Strompreise aufgetreten sind.
Industriekunden können ihren Verbrauch flexibler steuern, indem sie Spitzenlasten mit dem sogenannten Peak Shaving (Lastspitzenkappung) ausgleichen. Diese Technik senkt die Stromlast in Zeiten hoher Nachfrage und trägt so zur Kostensenkung bei.
Wichtige Treiber
Die Hauptursache für diesen Trend ist der wachsende Anteil intermittierender Energiequellen. Mit dem Ausbau von Wind- und Solarparks übersteigt die Überschussproduktion zunehmend die Nachfrage, was zu Preisschwankungen und sogar zu Tarifen, die unter dem Marktniveau liegen, sowie zur Abregelung der erneuerbaren Energieerzeugung führt. Die Fähigkeit von Batterien, überschüssige Energie zu speichern und sie bei steigendem Bedarf wieder abzugeben, sichert den Wert der erneuerbaren Energien.
Eine weitere Triebkraft sind veränderte Verbrauchsmuster wie die Installation von Solaranlagen in den Haushalten und die zunehmende Nutzung von Elektrofahrzeugen. Dies führt zu einer weiteren Belastung des Netzes und macht Stabilisierungstechnologien erforderlich.
Ein dritter Grund sind die stark gesunkenen Batteriekosten, die Investitionen in Speicher deutlich attraktiver machen. Nach Angaben der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) sind die Preise für Batteriespeicher zwischen 2010 und 2024 um bis zu 93 Prozent gefallen.
Erik Suichies, Head of Wholesale Customers, kommentiert:
„In den letzten zehn Jahren haben wir einen enormen Rückgang der Kosten für Batterietechnologie beobachtet. In Kombination mit dem wachsenden Wert der Lastverlagerung zwischen den Tageszeiten stellen Batterien heute eine finanziell sinnvolle Lösung für die Flexibilität des Stromnetzes dar. Mindestens für die nächsten 10 Jahre wird es sehr wirtschaftlich sein, Batterien zu bauen und zu optimieren.“
Hybridparks: Das Beste aus jeder Energiequelle herausholen
Große Batteriespeichersysteme in Verbindung mit Wind- und Solarparks werden in ganz Europa immer häufiger eingesetzt. Diese integrierten Anlagen, auch Hybridparks genannt, gleichen die Einspeisung aus, um eine höhere Stabilität des Stromnetzes zu erzielen. Hybridparks kombinieren verschiedene Energiequellen, um ihre Stärken zu maximieren. Ein Hybridpark, der Windkraft mit Batteriespeichern verbindet, sorgt beispielsweise für eine kontinuierliche Produktion und eine zuverlässige Energieversorgung – auch wenn kein Wind weht. Dies macht ihn zu einem unschätzbaren Vorteil für die Bereitstellung kritischer Systemdienste.
Vattenfall besitzt oder betreibt mehrere Hybridparks in ganz Europa. Ein Beispiel dafür ist Schwedens erster kommerzieller Hybridenergiepark in Hjuleberg, der in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Rentenversicherer Skandia entwickelt wurde. Der im Sommer 2024 in Betrieb genommene Park ist einer der modernsten seiner Art in Europa. Er kombiniert zwölf Windturbinen mit einer Gesamtleistung von 36 MW und ein 30-MW-Batteriespeichersystem, die alle von fortschrittlichen, speziell entwickelten Algorithmen gesteuert werden.
Weitere Projekte von Vattenfall sind die Hybridparks Höge Väg in Halland und Bruzaholm in Småland, Schweden, sowie Ray in Nordengland, Pen y Cymoedd in Wales und der Haringvliet Energy Park in den Niederlanden.
„Hybride Projekte sind für uns die neue Normalität. Es geht nicht mehr darum, ob ein Batteriespeicher zu einem erneuerbaren Park hinzugefügt werden soll, sondern wie groß dieser Speicher sein soll“, sagt Nicola Kleihues, Director Portfolio & Asset Management, BA Wind.

Vattenfalls neu errichteter Energiepark Haringvliet in den Niederlanden ist der derzeit größte Hybridpark Europas.
Neue Geschäftsmodelle entwickeln sich
Da der Bedarf an Flexibilität wächst, entstehen neue Geschäftsmodelle. Im Jahr 2025 unterzeichnete Vattenfall drei Verträge, die mehr als 200 MW an Batteriespeicherkapazität zur Vermietung und Optimierung sichern. Das Leasen von Batteriekapazitäten anstelle des Besitzes der eigentlichen Batterien spiegelt einen Wandel in der Herangehensweise wider. Es verkürzt die Projektlaufzeiten und beschleunigt den Zugang zu Flexibilität, ohne Kapital in Baumaßnahmen zu binden.
Der jüngste Vertrag betrifft die niederländische Leopard-Batterie, mit der Vattenfall bis zu 400 MWh speichern und mit einer maximalen Leistung von 100 MW laden oder entladen kann. Im Mai wurde mit dem Schweizer Unternehmen terralayr ein Vertrag zur Kapazitätsoptimierung für ein verteiltes Netz von Batteriespeichern unterzeichnet. Der über eine Flexibilitätsplattform entwickelte und gebündelte Vertrag mit einer Laufzeit von sieben Jahren umfasst 55 MW an acht Standorten in Deutschland. Im selben Monat schloss Vattenfall mit dem Energiespeicherunternehmen Return einen Achtjahresvertrag über den Betrieb eines groß angelegten Batterieparks im Süden der Niederlande mit einer Leistung von 50 MW und einer Kapazität von 100 MWh, der an das Hochspannungsnetz des Übertragungsnetzbetreibers TenneT angeschlossen ist.
„Die Projekte werden in den Jahren 2026 und 2027 in Betrieb genommen. Wenn wir die Kapazität dieser Batterien mieten, können wir sie bald nutzen und lange Entwicklungszeiten vermeiden“, erläutert Erik Suichies.
In Reichweite
Nach Jahren des stetigen Fortschritts ist die Batteriespeicherung in großem Maßstab endlich auf dem Weg, die Flexibilität zu bieten, die Europas Energiesystem seit langem benötigt. Diese Entwicklung ermöglicht, das Potenzial der erneuerbaren Energien vollständig auszuschöpfen, und ebnet den Weg für eine Zukunft, in der Strom ohne fossile Brennstoffe nicht nur möglich, sondern auch verlässlich ist. Wenn dieser Schwung anhält, ist der lang erwartete Durchbruch endlich in greifbare Nähe gerückt.
„Wir sind fest entschlossen, das Energiesystem fossilfrei zu machen. Batterien sind für die Stabilität dieses Systems von entscheidender Bedeutung, und wir gehen davon aus, dass dies zumindest in den nächsten 10 Jahren der Fall sein wird. Die Batteriespeicherung ist nicht nur eine technische Lösung, sondern ein strategischer Wegbereiter für die Energiewende in Europa, der auf dem Weg nach vorn Zuverlässigkeit, Erschwinglichkeit und Nachhaltigkeit gewährleisten wird“, sagt Erik Suichies.

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