Wie der Schnee gemessen wird, der die Frühjahrshochwasser bestimmt

Wenn der Winter in den schwedischen Bergen am heftigsten ist, beginnt eine entscheidende Aufgabe – eine, die den jährlichen Zyklus der Wasserkraft prägt. Mithilfe von Schneemessungen am Boden, Radartechnologie aus Hubschraubern und den eigenen Wetterstationen von Vattenfall ermitteln Expertinnen und Experten, wie viel Wasser zu erwarten ist, wenn der Schnee zu schmelzen beginnt.

So funktioniert die Schneemessung – in Kürze

  • Manuelle Schneemessungen
    Werden Ende März durchgeführt. Schneehöhe und -gewicht werden entlang festgelegter Linien gemessen, die durch zehn Pfosten markiert sind, um zu berechnen, wie viel Wasser der Schnee enthält.

  • Radarmessungen aus einem Hubschrauber
    Die Messungen werden Ende März bis April entlang festgelegter Routen von insgesamt etwa 400 km Länge durchgeführt. Das Radar misst, wie schnell die Radiowelle durch den Schnee läuft, was von der Schneehöhe und -dichte abhängt.

  • Wetterstationen
    Etwa zehn Stationen messen und melden täglich Wetterdaten über Satellitenkommunikation. Die Stationen ergänzen das Stationsnetz des Schwedischen Meteorologischen und Hydrologischen Instituts (SMHI).

  • Wie die Schneedaten genutzt werden
    Die Ergebnisse sind eine wichtige Ergänzung zu Vattenfalls hydrologischem Modell zur Einschätzung der möglichen Höhe des Frühjahrshochwassers.

Die schwedische Bergregion ist riesig: 165.000 Quadratkilometer, was 40 Prozent der Gesamtfläche des Landes ausmacht. Hier fallen im Winter auch die stärksten Schneefälle; Schnee, der im Frühjahr schmilzt und in die Flüsse in den Tälern fließt, wo ein großer Teil der schwedischen Wasserkraft erzeugt wird.

Der Fluss mit der größten Stromerzeugungskapazität ist der Lule. Ende März, wenn die Schneedecke stabil ist und oft ihren höchsten Stand erreicht hat, begeben sich die Hydrologen zu Messpunkten entlang festgelegter Linien in der Landschaft, die durch zehn Pfeiler markiert sind. Dort überprüfen sie die Schneehöhe mit einem Schneerohr und entnehmen Proben, um das Gewicht des Schnees zu bestimmen, woraus sich der Wassergehalt ableiten lässt.

„Etwa die Hälfte aller Niederschläge in unserem Vorhersagegebiet fällt als Schnee. Wir verwenden immer noch dieselbe Methode wie in den 1940er Jahren. So können wir Jahr für Jahr vergleichen und Trends im Laufe der Zeit verfolgen“, sagt Susanne Nyström, Hydrologin bei Vattenfall.

Die Methode ist einfach, aber zuverlässig – und dank der langen Zeitreihen ist sie ein sehr wertvoller Indikator dafür, wie sich die Quellwasserströme entwickeln könnten.

Hubschraubermessungen liefern das Gesamtbild

Zur Ergänzung der manuellen Messungen werden auch Radarmessungen aus einem Hubschrauber genutzt. Unter dem Hubschrauber ist eine Antenne angebracht, und innerhalb des Vorhersagegebiets werden rund 400 Kilometer festgelegte Routen vermessen. Die Laufzeit der Radiowellen durch den Schnee wird davon beeinflusst, wie tief und dicht der Schnee ist.

„Die Messungen aus dem Hubschrauber ergänzen die manuellen Messungen. Zusammen liefern die beiden Methoden ein aussagekräftiges Bild der Schneeverhältnisse in den Bergen“, sagt Susanne Nyström.

Ein dichtes Datennetz in den Bergen

Um ein umfassendes Bild der Wetter- und Schneeverhältnisse zu erhalten, betreibt Vattenfall rund zehn eigene Hydmet-Stationen in den Bergregionen. Die Stationen messen Temperatur, Niederschlag, Wind und Wasserstände und melden täglich stündliche Werte per Satellitenkommunikation.

„Die Stationen liefern Daten aus Gebieten, in denen derzeit niemand sonst Messungen durchführt. Das macht einen großen Unterschied, wenn wir versuchen, das Gesamtbild zu verstehen“, sagt Susanne Nyström.

Die Daten fließen in das hydrologische Modell von Vattenfall für den Fluss Lule ein.

Von den Bergen zur Vorhersage – wie die Daten genutzt werden

Sobald die Schneemessdaten erfasst sind, werden sie mit dem hydrologischen Modell von Vattenfall abgeglichen, das täglich mit Niederschlags- und Temperaturdaten aktualisiert wird. Anhand des Modells wird abgeschätzt, wie sich das Frühjahrshochwasser entwickeln könnte.

„Die Schneemessungen helfen uns zu erkennen, wie viel Wasser im Schnee gespeichert ist. Das ist eine wichtige Überprüfung der Modellberechnungen“, sagt Susanne Nyström.

Langfristig soll das Modell der nächsten Generation in der Lage sein, die Daten aus den Schneemessungen direkt einzubeziehen – was zu genaueren Vorhersagen führen könnte.

Die Unterschiede zwischen den Wintern zeigen sich in den kleinen Details

Formelle Schneemessungen bilden die Grundlage – doch manchmal sind die Unterschiede zwischen den Wintern nur mit bloßem Auge erkennbar. Susanne erzählt uns von einer Hütte an der norwegischen Grenze, an der sie im Winter oft vorbeikommt.

„In manchen Jahren ist sie fast vollständig mit Schnee bedeckt, in anderen Jahren steht sie fast kahl da. Das sagt viel darüber aus, wie unterschiedlich Winter sein können und wie der Wind die Schneedecke beeinflusst“, sagt Susanne Nyström.

Eine solide Grundlage für den Frühling

Wenn die Frühjahrshochwasser näher rücken, sind die Messungen bereits zusammengestellt, analysiert und in die Planung einbezogen worden. Dann wird die Arbeit am greifbarsten – in den Entscheidungen darüber, wie die Stauseen reguliert, Risiken gemanagt und die Wasserkraftproduktion während der intensiven Frühjahrsperiode gestaltet werden soll.

„Die Einschätzung der Schneemenge und damit der möglichen Ausmaße der Frühjahrshochwasser ist ein zentraler Bestandteil der hydrologischen Arbeit. Hier beginnt oft die Jahresplanung“, sagt Susanne Nyström.

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