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Kälte mit Zukunft für die City Nord

Die City Nord wandelt sich. Die Bürostadt aus den 1960er Jahren, einst Vorzeigemodell für modernen Städtebau, entwickelt sich zu einem Stadtquartier mit modernen Büros, Wohnungen und Geschäften. Aber nicht nur im heißen Sommer 2018 benötigen Menschen, Räume und Rechenzentren eine verlässliche Kühlung. Die Kälte kommt seit 50 Jahren aus dem Fernkältewerk. Die Anlage wird nun in den nächsten drei Jahren umfassend modernisiert.

In Zahlen

Halbwerk 1:
Vier Kältemaschinen mit insgesamt 16.600 kW, Baujahre 1997 - 2014

Halbwerk 2:
Drei Kältemaschinen mit insgesamt 21.900 kW, Baujahre 1974 – 1982, neu in Planung: 2018 

Beide Halbwerke zusammen haben etwa eine Leistung von etwa 400.000 Kühlschränken. 

Transportierte Wassermenge: bis zu 3.500.000 Liter Wasser.

Das neue Holiday Inn am südlichen Ende der City Nord eröffnete im Herbst 2017. Daneben hat die Telekom das neue Hauptquartier in Hamburg. Weitere Firmenzentralen entstehen: Ein großes Versicherungsunternehmen baut eine neue Firmenzentrale und im Überseering 30 entsteht das Projekt Ipanema mit Büros, Gewerbeeinheiten und 523 Wohnungen. Ein Novum, denn die City Nord galt trotz einiger Wohngebäude nicht als Ort zum Wohnen. Auch eine neue U-Bahnhaltestelle ist in Planung. 
Luftbild City Nord, vorne Fernkältewerk, Fotofrizz

Luftbild City Nord; im Vordergrund das Fernkältewerk, © Fotofrizz

Damals ein Novum und heute auch noch einzigartig in Hamburg ist die zentrale Versorgung der Gebäude mit Fernkälte. Die Gebäude werden über die drei Hauptstränge des Fernkältenetzes seit 1968 aus dem Fernkältewerk versorgt. Kühlung ist heute nicht nur an warmen Sommertagen wichtig. Mindestens genauso wichtig wie ein angenehmes Arbeitsklima im Büro ist es, die sensiblen Rechenzentren sicher mit Kälte zu versorgen. 

Auch wenn technische Gebäudeausrüstung heute meist bedeutet, dass Gebäude maßgeschneiderte Klimaanlagen bekommen, ist das Konzept Fernkälte immer noch umweltschonend und zukunftstauglich. „Seit den 1970er Jahren ist die Anlage stetig mit der Entwicklung der City Nord mitgewachsen. Dabei haben wir die Anlage auch von Anfang an immer technisch in Schuss gehalten“, sagt Nils Petersen, der im Fernkältewerk das Modernisierungsprogramm umsetzt, zur Geschichte der Anlage. „Allerdings stammen die Kältemaschinen ursprünglich aus den USA. Auch heute noch muss jedes Ersatzteil vom dort ansässigen Hersteller geliefert werden. Bei der Modernisierung geht es nicht nur um die zukünftige Instandhaltung der Anlage, sondern auch um die Verbesserung der Effizienz.“ 

Fernkältewerk mit geplanter Erweiterung rechts im Bild, Grafik: Vattenfall Fernkältewerk mit geplanter Erweiterung rechts im Bild, Grafik: Vattenfall

Das Halbwerk 2 erhält zunächst zwei neue Kältemaschinen mit modernster Kühltechnik. Hierfür wird das Kältewerk auch baulich erweitert. Zwei weitere Kältemaschinen im Austausch gegen die über 40 Jahre alten Kältemaschinen und eine neue Kaltwasserpumpe sind ebenfalls Teil des Pakets. Die drei neuen Kältemaschinen haben zusammen eine Leistung von 14 Megawatt. 

„Nachdem die beiden neuen Kältemaschinen an ihrem Platz sind – inklusive Wärmeplattentauscher, hydraulischer Weiche, Rückkühler sowie Kalt- und Kühlwasserpumpen, werden wir die Kältemaschinen 5 und 6 durch neue ersetzen. Das wird noch spannend, denn diese müssen Stück für Stück mit dem Schneidbrenner demontiert und entsorgt werden.“ 

Rückkühlwerke des Fernkältewerks HamburgRückkühlwerke des Fernkältewerks in der Hamburger City Nord

Natürlich wollen Gebäudeeigentümer die Betriebskosten für ihre Gebäude optimieren und Wartung und Instandhaltung der Hausanlage möglichst einfach halten. „Die neuen Kältemaschinen steigern aber auch die Energieeffizienz - ohne Abstriche bei der Versorgungssicherheit. So machen wir die Anlage fit für die Zukunft“, fasst Nils Petersen das Konzept zusammen. 

Nils PetersenNils Petersen ist für die Umsetzung des Modernisierungsprogramms im Fernkältewerk zuständig

„Manchmal bekommen wir einen Anruf, ob wir überhaupt Kälte liefern – wenn in einem der Gebäude in der City Nord die Klimaanlage nicht mehr kühlt. Das Problem liegt dann fast immer hinter dem Hausanschluss – wir jedenfalls liefern die Kälte zuverlässig,“ schmunzelt Nils Petersen. 

Die Entwicklung in der City Nord bleibt für ihn spannend: „Für das Projekt Ipanema am Überseering 30 mussten wir auch die Vor- und Rücklaufleitungen verlegen. Es wird noch spannend, wenn die Hamburger Hochbahn in einigen Jahren die neue U5 durch die City Nord verlegen will.“

Die Fernkälte-Gesellschaft

Die Fernkälte Geschäftsstadt Nord GbR hat gegenwärtig 16 Gesellschaft mit insgesamt 18 Gebäuden. Fast alle Gebäude der City Nord werden mit Fernkälte versorgt. Die Vattenfall Wärme Hamburg GmbH ist seit Beginn des Fernkältewerks mit der Betriebsführung beauftragt. Die Betriebskosten werden auf alle Gesellschafter aufgeteilt. Das ist für alle Gesellschafter insgesamt günstiger, als wenn jedes einzelne Unternehmen eine eigene Kälteanlage in ihrem Gebäude betreiben würde.  

Themenschwerpunkt Kälte

Seit 1968 produzieren wir Kälte. Sie wird mit unterschiedlichen Methoden gewonnen, zum Teil aus Fernwärme, zum Teil aus Strom – aber immer smart gesteuert. Der Kältebedarf, vor allem in Berlin, wächst stetig. 

 

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Experte Nils Petersen

Nach meiner Ausbildung zum Zentralheizungs- und Lüftungsmonteur habe ich zunächst im Kraftwerk Hafen gearbeitet. Anschließend habe ich eine Weiterbildung zum Kraftwerker durchlaufen. Im Fernkältewerk arbeite ich seit 1999. Ich freue mich, dass mein Team und ich mit dem Programm zur Modernisierung des Werks mit dafür verantwortlich sein können, die Weichen für die Zukunft zu stellen.

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