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Paulina Asbeck über effiziente Hybridkraftwerke

Paulina Asbeck ist bei Vattenfall zuständig für die Produkt- und Marktentwicklung im Bereich Batterien. In einem internationalen Team plant und realisiert sie gemeinsam mit ihren Kollegen unter anderem erneuerbare Hybridkraftwerke, die nicht nur Strom erzeugen sondern auch speichern und damit bei der effizienten Nutzung der Stromnetze helfen. Im Interview spricht sie darüber, welche Perspektiven sie für Hybridkraftwerke sieht und welche Erfahrungen Vattenfall bereits mit Ihnen gesammelt hat.

Paulina Asbeck, zuständig für die Produkt- und Marktentwicklung im Bereich Batterien bei Vattenfall

1. Frau Asbeck, was versteht man unter einem Hybridkraftwerk?

Paulina Asbeck: Als Hybridkraftwerke beschreibt man im Bereich der erneuerbaren Energien solche Anlagen, die verschiedene Arten der regenerativen Stromerzeugung – wie zum Beispiel Wind und Solar – technisch miteinander kombinieren oder diese Erzeugung um Anlagen zur Speicherung von grünem Strom ergänzen. Das sind beispielsweise Batterien oder Wasserstoffspeicher. Werden Wind, Solar und Speicher in einem System integriert, spricht man von Voll-Hybridkraftwerken. Mit dem weiter steigenden Anteil der erneuerbaren Energien helfen Hybridkraftwerke, das Stromsystem der Zukunft effizient, stabil und wirtschaftlich zu betreiben. Die integrierte Planung und Errichtung solcher Anlagen führt im Vergleich zu einer separaten Bauweise zu Kosteneinsparungen. Hybridkraftwerke können zudem Netzkosten senken helfen und schonen damit letztlich die Geldbeutel der Kunden. In den Niederlanden baut Vattenfall sein erstes Vollhybridkraftwerk „Haringvliet“.

2. Warum baut Vattenfall Hybridkraftwerke? Was zeichnet diese Anlagen aus? 

Für uns sind Hybridkraftwerke der nächste, logische Schritt in Richtung 100 Prozent fossilfreier Energieerzeugung. Durch die sich gut ergänzenden Erzeugungsprofile von Wind und Solar wird die Belastung des Netzes gegenüber Anlagen mit separaten Netzanschlüssen verringert. Hybrid-Anlagen sorgen für weniger ausgeprägte Peaks in der Erzeugung und wir beobachten zugleich kürzere Zeiten ohne Erzeugung. So wird die Auslastung am Einspeisepunkt erheblich erhöht. Das führt insgesamt zu einer effizienteren Nutzung der Netzinfrastruktur und senkt letztlich die Kosten für erneuerbaren Strom. Davon profitieren am Ende vor allem unsere Kunden.

3. Vattenfall betreibt bereits Hybridkraftwerke in den Kombinationen „Wind und Solar“ sowie „Wind und Batterie“. Gibt es Erkenntnisse, die Sie für das erste Vollhybridkraftwerk Haringvliet in den Niederlanden nutzen konnten? 

Eine wesentliche Erkenntnis ist, dass die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur, insbesondere elektrischer, zu erheblichen Kostensenkungen gegenüber Stand-alone-Anlagen führt. So nutzen wir beispielsweise auch bei unserem Wind-Solar-Hybridkraftwerk Parc Cynog in Wales einen gemeinsamen Netzanschlusspunkt – wie jetzt in Haringvliet. Dieser kann dank einer negativen Korrelation zwischen Wind- und Solarproduktion kleiner und damit deutlich kostengünstiger ausgelegt werden als zwei separate Anschlusspunkte für die jeweilige Technologie. Im Projekt Haringvliet nutzen wir zudem einen gemeinsamen Transformator. Dadurch ließen sich zusätzliche Kosteneinsparungen realisieren. 

Anders als bei vorangegangenen Projekten haben wir beim Hybridkraftwerk Haringvliet bereits in der Entwicklungsphase alle drei Technologien gemeinsam betrachtet. So konnten sowohl interne Entwicklungskosten gesenkt, als auch externe Prozesse deutlich vereinfacht werden, zum Beispiel bei der Genehmigung des Projekts. 

Aber natürlich mussten wir bei den bisher realisierten Hybrid-Parks auch dazulernen. So erhöht die Kombination mehrerer Technologien die Komplexität eines Projektes deutlich. Vor allem die Integration einer Speicheranlage stellt sowohl Entwickler als auch Netzbetreiber vor regulatorische Herausforderungen. Auch die optimierte Auslegung der einzelnen Technologien war ein Thema, mit dem wir uns intensiv befasst haben. Hier sehen wir auch künftig weiteres Optimierungspotenzial. 

Trotz dieser Hürden wurde die regenerative Erzeugung aus Wind und Sonne im Hybridkraftwerk Haringvliet zusätzlich um einen Batteriespeicher erweitert. Der Ausschlag dafür war, dass durch den Zusatz eines Batteriespeichers die Anlage deutlich flexibler wird. So können wir neben der Energieerzeugung auch Netzdienstleistungen, wie beispielsweise Regelleistung bereitstellen. Auch kann die Batterie dazu beitragen, Vorhersageungenauigkeiten bei der Wind- und Solarproduktion auszugleichen. Dabei gilt grundsätzlich: Die Dimensionierung und Nutzung von Hybridkraftwerken hängt stark vom Standort und den Bedingungen vor Ort ab, wie beispielsweise der mittleren Windgeschwindigkeit und der Solareinstrahlung.


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