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Arne Jacobsen zum Potenzial von Wasserstoff

Wasserstoff wurde bereits im 18. Jahrhundert entdeckt, wird seither in chemischen Prozessen eingesetzt und im Verkehrs- und Stromsektor immer wieder diskutiert und getestet. Zum Durchbruch kam es bisher nicht. Unser Wasserstoff-Experte Arne Jacobsen berichtet, dass sich das nun ändert.

Arne Jacobsen entwickelt neue Anwendungen für Wasserstoff und Sektorenkopplung im Business Development Team der Vattenfall Business Area Wind und begleitet den Betrieb der Wasserstoffstation in der Hamburger HafenCity.

1. Herr Jacobsen, was macht Wasserstoff so wertvoll?

Arne Jacobsen: Wasserstoff ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg in die fossilfreie Zukunft. Perspektivisch haben wir die Möglichkeit, mit Wasserstoff auch andere Sektoren sauberer zu machen. So ermöglichen wir es, im Verkehrssektor, in der Stahlindustrie und in Raffinerien Prozesse umzustellen und große Mengen CO2 einzusparen. Zudem können wir die Nutzung von grünem Strom diversifizieren. Das führt zu einem steigenden Bedarf, der perspektivisch neue wirtschaftliche Einsatzmöglichkeiten eröffnet. Bevor Windturbinen bei zu hoher Produktion abgeschaltet werden, sollten wir den Strom nutzen, um grünen Wasserstoff zu produzieren. Damit werden wir unabhängiger vom Angebot-Nachfrage-Mechanismus des konventionellen Strommarkts und können uns zeitlich und räumlich entkoppeln.

2. Was bedeutet „grüner“ Wasserstoff?

Wir unterscheiden drei Wasserstoff-Arten: Grüner Wasserstoff wird über Elektrolyse mit Wasser und Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt. Das Ergebnis ist CO2-freier Wasserstoff. Blauer Wasserstoff wird durch die Dampfreformierung von Erdgas erzeugt. Dabei entsteht CO2, das eingefangen und in Gasfeldern oder Grundwasserleitern gelagert, oder in anderen chemischen Prozessen eingesetzt wird. Bei grauem Wasserstoff wird das CO2 aus der Dampfreformierung in die Luft abgegeben. Für uns steht der Einsatz von grünem Wasserstoff für die Elektrifizierung und Dekarbonisierung der Gesellschaft im Fokus. In Hamburg sind wir bereits seit deutlich über zehn Jahren an der Erprobung von Wasserstoff hauptsächlich für Busse der Hochbahn beteiligt und haben im Zuge dessen 2012 auch eine der weltweit größten Wasserstofftankstellen in Betrieb genommen. In der Anlage wurde grüner Wasserstoff dem Profil der Windlast folgend produziert.

3. Und welche Zukunft hat Wasserstoff?

Aus unserer Sicht hat Wasserstoff eine große Zukunft im Verkehrssektor. Wasserstoff als Treibstoff ist eine Ergänzung zur Batterie-Elektromobilität. Insbesondere gilt dies für Großfahrzeuge wie Busse, Züge oder Lastkraftwagen. Wasserstoff hat hier aufgrund der schnellen Betankung und der größeren Energiedichte klare Vorteile.

Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Industrie. Die Stahlindustrie ist zum Beispiel sehr CO2-intensiv, man kann aber Hochöfen elektrifizieren und Eisenerz nicht mit Koks, sondern mit Wasserstoff reduzieren. Wenn man das mit grünem Strom und grünem Wasserstoff macht, ist das komplett emissionsfrei. Natürlich sind sowohl die Modernisierung eines Stahlwerks als auch die Produktion des Stahls teuer und wir benötigen eine starke politische Unterstützung, um solche Projekte ökonomisch sinnvoll zu betreiben – schließlich befinden wir uns mit Stahl auf einem Weltmarkt. Wir arbeiten gemeinsam mit Partnern an solchen Projekten und weihen dieses Jahr mit den schwedischen Unternehmen SSAB und LKAB die Pilotanlage HYBRIT in Luleå in Schweden ein. Dort wird jeden Tag eine Tonne fossilfreier

Stahl aus Eisenerzrohware produziert. Anstelle der 1,6 Tonnen Kohlendioxid, die bei der Erzeugung von einer Tonne Stahl entstehen, wird in Zukunft Wasserdampf emittiert.

Im kommenden Jahr müssen die EU-Mitgliedstaaten die zweite Erneuerbare-Energien-Richtlinie implementieren. Raffinerien nutzen Wasserstoff, um Öl aufzuspalten und zu entschwefeln – wenn sie künftig grauen durch grünen Wasserstoff ersetzen, werden sie das mit der neuen Richtlinie hoffentlich auf ihre Emissionsquoten anrechnen können. Raffinerien und die gesamte Treibstoffindustrie haben strenge CO2-Ziele. Letztere müssten zur Erfüllung der Ziele keine umstrittenen Biokraftstoffe mehr beimischen, sondern könnten ihre CO2-Reduktionsquote mit grünem Wasserstoff erreichen.

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