Studentisches Praktikum in der Coronakrise – ein Erfahrungsbericht

Maximilian Fremery studiert Logistik an der Universität Duisburg-Essen. Aufgrund der Coronakrise hat die Partneruniversität in Norwegen sein Auslandssemester abgesagt. Nun hieß es, das Pflichtpraktikum, welches eigentlich für das Frühjahr 2021 geplant war, vorzuziehen und sich kurzfristig bei verschiedenen Unternehmen zu bewerben. Schließlich absolvierte er sein Praktikum im Bereich Ver- und Entsorgung bei der Berliner Wärme. 

Wir stellten Maximilian Fremery 3 Fragen zu seinen Erfahrungen:   

Maximilian Fremery, Logistik-Student an der Universität Duisburg-Essen absolvierte sein Praktikum im Bereich Ver- und Entsorgung bei der Vattenfall Wärme Berlin

1.   Wie liefen der Bewerbungsprozess und der Arbeitsbeginn unter den Corona-Bedingungen ab?  

Maximilian Fremery: Von Vattenfall bekam ich sehr schnell eine Rückmeldung und konnte mir bei einem Videointerview einen ersten Eindruck vom Bereich der Ver- und Entsorgung machen. Neben den fachlichen Themen haben mich aber vor allem die freundliche und offene Art während des Interviews überzeugt. Für meine Situation wurde viel Verständnis entgegenbracht und mir wurde fachlich als auch zeitlich eine gewisse Flexibilität eingeräumt. Trotz der Coronakrise erfolgte eine umfangreiche Einarbeitung. Ich konnte teilweise von Zuhause und teilweise im Büro arbeiten.

2.   Was waren die Aufgaben im Praktikum? 

Meine Hauptaufgabe bestand darin, eine Prognose für den zukünftigen Kohleverbrauch am Standort des Berliner Heizkraftwerks Reuter West zu berechnen. Diese sollte eine gezieltere und verbrauchsorientierte Bestandsplanung der Kohlehalde bezwecken. Im Bereich der Ver- und Entsorgung sah man Optimierungsbedarf bei der Bestandsplanung und wollte Auswirkungen einer reduzierten Haldengröße bewerten. Das Prognosemodell, welches ich losgelöst von dem bestehenden entwickelt habe, beschreibt ein realistisches Szenario mit schlankerem Kohlebestand und gewährleistet zugleich die notwendige Versorgungssicherheit durch den Brennstoff. Besonders spannend für mich war zu sehen, wie ich die theoretischen Ansätze aus meinem Logistikstudium nun auf ein praktisches Problem anwenden konnte.  

Außerdem beschäftigten wir uns mit der Optimierung von bestimmten Arbeitsprozessen und hinterfragten etablierte Tätigkeiten. Hierbei fokussierten wir uns vor allem auf Möglichkeiten der Digitalisierung und wie diese unsere Arbeit sicherer und einfacher machen kann. Ein Ergebnis davon, bei dem ich maßgeblich mitwirken konnte, war die Erfassung von etwa 15 verschiedenen Betriebs- und Reststoffen. Diese Stoffe befinden sich üblicherweise in Behältern (also Tanks oder Silos) und wir können nun die Füllstände der Behälter automatisiert auslesen, zentral erfassen und automatisiert an unsere Vertragspartner versenden um damit eine Nachlieferung oder Abholung der Stoffe anzustoßen. Diese Lösung ersetzt nun das manuelle Ablesen während eines Rundgangs.

3.   Und wie ist das Fazit des Praktikums?  

Das Praktikum bot mir einen spannenden Einblick weit über die Ver- und Entsorgung hinaus. Ich hatte vor dem Praktikum keine Vorstellung über das weite Feld der Energiewirtschaft und war beeindruckt von der Komplexität und den Zusammenhängen zwischen Weltwirtschaft, Politik und Kundenbedürfnissen. Interessant fand ich auch die verschiedenen Standorte in Berlin und wie damit die Fernwärmeversorgung sichergestellt wird.  
Den technologischen Wandel, den das Unternehmen vollzieht, konnte ich aus nächster Nähe miterleben und durch meine Aufgabe aktiv begleiten. Besonders dankbar bin ich für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde. Ich habe bei Gestaltung und Zeiteinteilung meiner Arbeit volle Freiheit genossen, konnte jederzeit eigene Ideen einbringen und selbst Schwerpunkte setzen. Für mich waren das tolle Voraussetzungen und ich hatte großen Spaß am Projekt.

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