Gut für Elektrofahrzeugbesitzer und gut fürs Stromnetz: Flexibles Laden senkt Stromrechnung und schafft Netzstabilität

Gesteuertes Laden von Elektrofahrzeugen kann dem Stromnetz dringend benötigte Flexibilität zur Verfügung stellen. In Berlin und Amsterdam testet Vattenfall flexibles Laden in zwei interessanten neuen Projekten.

Die zunehmende Elektrifizierung unserer Gesellschaften erhöht den Bedarf an Strom aus erneuerbaren Energien. Da deren Einspeisung schwankt, wird der Ausgleich von Angebot und Nachfrage immer schwieriger. Wo finden wir also die notwendige Flexibilität in der Nachfrage, um die Netzstabilität zu gewährleisten?

Eine Möglichkeit ist die Bündelung von Einzelanlagen, um diese dem Netzbetreiber zur Verfügung zu stellen, also eine zentrale Steuerung von Anlagen und Verbrauchern mit potenziell flexiblem Bedarf zu ermöglichen. Eine zweite Möglichkeit ist die sogenannte dezentrale Steuerung solcher Anlagen über die Zurverfügungstellung von Preisinformationen, um damit dem Stromkunden Anreize zu bieten, Schwankungen auszugleichen.

Mit zunehmender Zahl von Elektrofahrzeugen bietet sich dafür auch der Verkehrssektor an. Über die Chancen, die die Elektromobilität für den Strommarkt bietet, sprechen wir mit Thorsten Möller, Vattenfall Energy Trading.

Herr Möller, was hat Vattenfalls Geschäftsbereich Energiehandel mit Elektromobilität zu tun?

Thorsten Möller, Vattenfall Energy Trading

Thorsten Möller, Vattenfall Energy Trading

Unser Geschäftsbereich Energiehandel hat die Aufgabe, eigene und Kundenanlagen zu optimieren und den Marktzugang für die Beschaffung und den Verkauf von Strom herzustellen.

Die sich je nach Wetterlage ändernde Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien stellt nicht nur die Netzbetreiber vor Herausforderungen, sondern führt am so genannten Kurzfrist-Strommarkt auch zu starken Preisschwankungen, die wir allerdings für unsere Anlagenoptimierung nutzen können.

 

Wir unterstützen einerseits die Netzbetreiber, indem wir Flexibilität für das Stromnetz bereitstellen, so genannte Systemdienstleistungen; andererseits können wir diese Flexibilität an der Strombörse vermarkten und zusätzliche Erlöse erzielen. Das geschieht zum Beispiel im kurzfristigen Intradayhandel, also dem Handel mit Viertelstundenprodukten für den jeweiligen Tag.

Vattenfall-Mitarbeiter vor Monitoren sitzend

Hier kann auch Elektromobilität eine Rolle spielen. Voraussetzung dafür ist, dass eine möglichst große Zahl von Elektrofahrzeugen gebündelt und die Ladevorgänge von einer gemeinsamen Plattform aus gesteuert werden. Das ist eine Aufgabe für unsere IT. Ist eine solche Verbindung vorhanden, können Ladevorgänge für Elektrofahrzeuge optimiert oder auch Systemdienstleistungen erbracht werden.

Gibt es Beispiele für die Nutzung der Flexibilität von Elektromobilität am Strommarkt?

Wir stecken hier noch in den Anfängen. Es gibt zwei Pilotanwendungen. In den Niederlanden mit öffentlichen Ladesäulen und in Deutschland mit der Elektrofahrzeugflotte der Berliner Stadtreinigung (BSR).

Wenn der niederländische Übertragungsnetzbetreiber TenneT mehr Strom im Netz benötigt, wird über die so genannte Flexibiliy Services-Plattform unseres Energiehandelsbereichs bei einer Reihe von öffentlichen Ladestationen die Ladeleistung heruntergeregelt. Dies geschieht nur für wenige Minuten und bedeutet für den Kunden keine große Einschränkung.

Im Gegenteil, der Kunde unterstützt damit aktiv die Integration von fluktuierenden erneuerbaren Energien. Wir ermöglichen das, indem wir InCharge, unser länderübergreifendes Ladenetzwerk, mit der Flexibility Services-Plattform verbinden. Dieses System kann jederzeit weitere Ladestationen bis hin zu privaten Ladesäulen einbeziehen.

In Deutschland optimiert die BSR die Ladevorgänge ihrer Elektrofahrzeugflotte. Die Grundlage hierfür liefert Vattenfalls Energiehandelsbereich mit einem Ladeplan, der mittels unserer Preisprognose für den jeweils folgenden Tag erstellt wird. Die BSR erhält so einen optimalen Ladeplan und kann von niedrigen Preisen in der Nacht oder zu Zeiten profitieren, in denen die Einspeisung erneuerbarer Energien hoch und Preise demzufolge niedrig sind.

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Was haben die Verbraucher davon, wenn sie die Flexibilität ihrer Elektrofahrzeuge zur Verfügung stellen?

Bei der Beteiligung an einem solchen zusammengeschalteten System können Unternehmen ihre Fahrzeugflotten in Zeiten mit niedrigen Großhandelspreisen laden lassen und dadurch ihre Stromrechnung senken. Im B2C-Bereich bieten sich vor allem flexible Stromtarife oder stündliche Tarife an, die sich an der Entwicklung der Großhandelspreise orientieren.

Es ist vorstellbar, einen Stromtarif anzubieten, der sich mit den Großhandelspreisen verändert, also stündlich variiert und besonders günstig ist, wenn die Preise am Großhandelsmarkt wegen hoher Stromeinspeisung und geringer Nachfrage besonders niedrig sind.

Vattenfall-Ladesäule InCharge

Das wäre ein Anreiz für Verbraucher, ihre Fahrzeuge zu diesen Zeiten zu laden und dadurch Kosten zu sparen. Gleichzeitig trüge ein solches Ladeverhalten zur Netzstabilität bei. Hier lassen sich viele interessante Geschäftsmodelle entwickeln. Noch interessanter wird dies, wenn auch die Netzentgelte einer solchen Dynamisierung unterliegen, was derzeit vom Gesetzgeber diskutiert wird.

 
Darüber hinaus können über die Bereitstellung von Systemdienstleistungen zusätzliche Erlöse erzielt werden. Was im Einzelnen möglich ist, hängt stark von der länderspezifischen Regulatorik ab, zum anderen aber auch von einem guten Kosten-Nutzenverhältnis, also von den zusätzlichen Kosten, um Systemdienstleistungen zur Verfügung zu stellen, und den Mehrerlösen, die sich daraus ergeben.

Bei einer Bereitstellung von Systemdienstleistungen profitieren alle Beteiligten: Dem Netzbetreiber erleichtert sie den Erhalt der Netzstabilität, Vattenfall wird für die Systemdienstleistung bezahlt, die größtenteils an den Kunden weitergereicht wird.

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