Neues Unterwasserleben beim Offshore-Windkraftwerk HKZ

Bei der Errichtung des Windparks Hollandse Kust Zuid (HKZ) wurden neun künstliche Riffe angelegt. Nach zwei Jahren ist es Zeit für eine erste Bilanz. Wie steht es um das Unterwasserleben?

Die Meeresbiologin Sytske van den Akker befasst sich in Vattenfalls Abteilung Environment and Sustainability mit den ökologischen Aspekten von Offshore-Windparks. „Beim Bau eines Offshore-Windparks gelten viele Genehmigungsanforderungen, unter anderem im Bereich der Ökologie. Die Umwelt ist auch für uns einer der Schwerpunkte beim Bau eines Windparks. Aus diesem Grund haben wir für das Projekt HKZ unterschiedliche naturverträgliche Maßnahmen ergriffen, die die Biodiversität weiterhin fördern. Wir wollten die Entwicklung der Biodiversität zu drei Zeitpunkten untersuchen: 2024, 2028 und 2033, um so die langfristige Entwicklung zu erfassen.“

KOBINE – naturverträgliche Maßnahmen: Kosten vs. Nutzen

KOBINE steht für „Kosten en Biodiversiteit Natuurinclusieve Energie“ (zu dt. etwa Kosten und Biodiversität naturverträglicher Energie). Im Rahmen des KOBINE-Projekts werden die Kosten der Maßnahmen zur Verbesserung der Biodiversität und ihr Nutzen für die Natur untersucht. Das Ziel besteht darin, funktionierende Maßnahmen zu angemessenen Kosten zu ermitteln.

Das Projekt ist eine Zusammenarbeit von De Rijke Noordzee, Wageningen Marine Research, Witteveen+Bos, Waardenburg Ecology und Vattenfall, bei dem Vattenfall den Zugang zu den Felsriffen ermöglicht.

Vattenfall ist vor Kurzem dem KOBINE-Projekt beigetreten, das die Kosten naturverträglicher Maßnahmen dem Nutzen für die Natur gegenüberstellt. „So haben wir nicht nur die Möglichkeit, unser Wissen zu teilen und von anderen Projekt-Teilnehmern zu lernen, wir können auch eher als erwartet im Rahmen einer Expedition die Riffe im HKZ betrachten. Das ist das erste Mal, dass wir die Riffe kontrollieren, und es stellt eine Ergänzung unserer eigenen Untersuchungszeitpunkte dar.” Es kann sechs bis zehn Jahre dauern, bis sich eine erwachsene Population einer bestimmten marinen Art in und auf den Riffen etabliert hat. „Die nun gesammelten Daten geben also erste Hinweise auf die Biodiversität, die sich entwickeln könnte.”

eDNA - Leben hinterlässt Spuren

Im Rahmen des KOBINE-Projekts wird mithilfe von zwei Methoden untersucht, welche Fische, Schalentiere, Seesterne, Anemonen und sonstige Tiere dort leben. „Zunächst nutzen wir Wasserproben“, erklärt Van den Akker. Diese Proben werden zur Untersuchung sogenannter eDNA (environmental DNA, also Umwelt-DNA) verwendet. „Alles, was im Meer lebt, hinterlässt DNA-Spuren – Schuppenpartikel von Fischen oder Schalensplitter einer Krabbe beispielsweise.

Diese Wasserproben werden gefiltert und im Labor untersucht. Fische lassen sich mit dieser Technik gut ermitteln. Da sie aber noch nicht für alle Artgruppen gleich gut funktioniert, können wir noch nicht alle Arten bestimmen. Mit der Weiterentwicklung der Technik können weitere Arten nachgewiesen werden. Zudem gibt es Entwicklungen, mit deren Hilfe wir bald etwas über die vorhandene Menge einer Art sagen können.

Aber bereits jetzt bietet die Technik einen guten Einblick in die Biodiversität. Es werden Tiere sichtbar, die man beispielsweise mit Video-Untersuchungen nicht sieht. Es ist außerdem eine schnelle Methode, die das marine Leben nicht beeinträchtigt.”

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Tauchboot

Eine weitere Methode, um mehr über die Biodiversität auf Felsenriffen zu erfahren, ist der Einsatz von Video-Aufnahmen. „Dafür verwenden wir ein kleines Tauchboot“, berichtet Van den Akker. „Hierbei handelt es sich meistens um ein ROV (ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug), das remote gesteuert wird. Im KOBINE-Projekt haben wir allerdings die Möglichkeit ein autonomes Unterwasserfahrzeug (AUV) zu verwenden, das im Voraus programmiert werden kann und sich dann im Wasser seinen eigenen Weg sucht. Da wir dies zum ersten Mal ausprobierten, hatten wir eine Verbindungsleitung. So konnten wir an Bord auf einem großen Bildschirm verfolgen, was das AUV sah. Es war etwas ganz Besonderes, das Unterwasserleben live betrachten zu können.”

Aufgrund der starken Strömung in der Nordsee spielen die Gezeiten bei der Planung eine große Rolle. „Während des Gezeitenwechsels – also der Übergang von Ebbe zu Flut und umgekehrt – ist die Strömung geringer als sonst. Das AUV kann dann ohne Weiteres gegen die Strömung fahren oder an Ort und Stelle verbleiben und wir erhalten eine gute Bildqualität.”

Der Vorteil der Wasserprobenentnahme in Kombination mit dem Videomaterial liegt darin, dass die Methoden sich gegenseitig ergänzen. Einige Arten sind auf dem Videomaterial schlechter zu erkennen, weil die Tiere sehr klein sind, sich unter einem Felsen aufhalten oder aus dem Kamerabild schwimmen. Außerdem kann das Wasser in der Nordsee trübe sein, was wiederum zu schlechterer Bildqualität führt. Die Wasserproben liefern wichtige ergänzende Informationen. „Am besten ist es natürlich, wenn man mittels der eDNA etwas misst und man die gleiche Art dann auch im Video sieht“, so Van den Akker.

Tauchboot

Fakten für die Zukunft

„Ich wusste nicht genau, was ich nach etwas mehr als einem Jahr nach Errichtung des künstlichen Riffs erwarten konnte, aber ich war positiv überrascht. Auf den Monopiles fanden wir zum Beispiel bereits große Muschelschichten. Auf den darunter liegenden Felsriffen lebten große Anemonen und Seesterne und wir sahen auch viele Fische.” Das Leben auf dem Meeresboden mit eigenen Augen zu sehen, ist zwar schön, aber letztlich geht es Van den Akker darum, die Fakten auf den Tisch zu legen. „Alle Daten dieses Projekts werden veröffentlicht. Mithilfe des hier gewonnenen Wissens erhalten wir auch Erkenntnisse für den Bau künftiger Windparks.”

Fotos: Oscar Bos | Video: De Rijke Noordzee

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