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Hocheffiziente Wärme für die wachsende Stadt

Berlin will bis 2050 zu einer klimaneutralen Stadt werden. Potenzial für die Umsetzung liegt auch bei der Wärmeversorgung. Wie dies gehoben werden kann, zeigt sich in Pankow. Der Bezirk im Nordosten der Stadt wächst. Viele neue Wohnungen bieten die Chance, Wärme neu zu denken. Deshalb ist Pankow das ideale Labor für die lokale Wärmewende.

„Die Wärmeenergie macht den größten Teil der in Deutschland verbrauchten Energie aus, so auch in Berlin“, sagt Gunther Müller. Er kennt sich aus, denn er ist Chef des größten Berliner Fernwärmenetzes und vieler kleiner Wärmenetze. Den größten Wärmeverbrauch haben die privaten Haushalte mit fast zwei Dritteln (63 Prozent) „Deshalb ist hier auch viel Potenzial vorhanden. Die Energiewende, die noch vor uns liegt, ist vor allem eine Wärmewende.“ Kraft-Wärme-Kopplung, also die gleichzeitige Produktion von Strom und Wärme, spiele dabei für die wachsende Stadt eine wichtige Rolle. Sie ist effizient, da sie die eingesetzten Brennstoffe gleich doppelt ausnutzt und so den Ausstoß von Kohlendioxid reduziert. Nicht nur bei den großen Heizkraftwerken, sondern auch bei kleineren, lokalen Quartierversorgungen; und die haben in Berlin eine lange Tradition.

Denkmalreif: 110 Jahre lokale Wärmeversorgung

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  Das historische Heizwerk in der Görschstraße,
  Foto: Vattenfall

 
Bereits seit 110 Jahren sorgt das frühere Heizhaus in der Görschstraße in Pankow, das jetzt Blockheizkraftwerke beherbergt, für lokale Energie. Früher waren in dem inzwischen denkmalgeschützten Gebäude Dampfkessel untergebracht, die zunächst mit Braunkohle, dann mit Gas befeuert wurden. Die Anlage ist mittlerweile durch zwei Blockheizkraftwerke ersetzt worden. Sie erzeugt die Strom und Wärme in Kraft-Wärme-Kopplung.

Neuanschlüsse sind möglich

Das lokale Netz führt von der Görschstraße zur Gaillardstraße auf der einen, und zur Florastraße auf der anderen Seite. „Derzeit werden 30 Gebäude von hier beheizt, darunter das Pankower Rathaus“, so Müller. Gerade erst konnte sein Vertrieb das Neubau-Areal in den Flora-Gärten als Kunden gewinnen. Rund 240 Wohnungen sind hier neu entstanden und nun über eine sogenannte Übergabestation an das lokale Wärmenetz angeschlossen. Von dort wird das warme Wasser in die einzelnen Heizungen verteilt. Das nimmt wenig Platz in Anspruch. „Zudem benötigen die Häuser keinen Schornstein, da dort keine Verbrennung stattfindet. Die Station ist fernüberwacht. Bei einer Störung können wir sofort eingreifen.“

Versorgungsvarianten je nach Bedarf möglich

Rund 50 Prozent der Pankower erhalten ihre Wärme durch KWK-Lösungen unterschiedlichster Art. „Hier in Pankow bieten wir drei verschiedene Varianten lokaler Produktion in Kraft-Wärme-Kopplung“, erläutert Müller. Das größte lokale Netz befindet sich in Buch. Hier versorgt ein Heizkraftwerk die Kunden. Größere Blockheizkraftwerke wie in der Görschstraße liefern ebenfalls lokale Fernwärme. Nahwärme erzeugen kleine Blockheizkraftwerke wie zum Beispiel das in der Stubnitzstraße.

Optimale Konzepte auch für den kleinen Bedarf

Das Mehrfamilienhaus hier hat ein eigenes hocheffizientes Blockheizkraftwerk. Es ist genau auf die Anforderungen des Hauses angepasst. So sorgt beispielsweise ein Pufferspeicher für eine ausreichende Nutzung im Sommer, ohne den die Anlage sich ausschalten würde. Zwei Warmwasserspeicher mit je 400 Liter Volumen ergänzen das Setup.

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In der Stubnitzstraße setzt man auf lokal produzierte Energie, Foto: Vattenfall

Auch hier wird das Zusammenspiel der Komponenten von der Wärmewarte fernüberwacht. „Laut der Deutschen Energie Agentur entfallen rund 75 Prozent des Energieverbrauches der Privathaushalte auf die Heizung“, erläutert Müller. „Setzen die Menschen ihre Heizung intelligent ein, ist hier viel Energie einzusparen.“

Dezentral ist gefragt und Konkurrenz ist groß

Egal ob aus großer oder kleiner lokaler Anlage, die in Pankow erzeugte Wärme aus den genannten Anlagen erfüllt das Hocheffizienzkriterium. Denn durch die Kraft-Wärme-Kopplung wird eingesetzte Energie gegenüber der getrennten Erzeugung von Wärme und Strom eingespart. „Nicht nur in Pankow bauen wir unser Nah- und Fernwärmenetz kontinuierlich aus. Die Lösungen orientieren sich an den Bedürfnissen der Menschen in der Umgebung. Dezentrale Lösungen boomen.“ In ganz Berlin sei die Nachfrage gestiegen. Allerdings gebe es rund 20 Anbieter am Markt, die Konkurrenz sei groß. In Pankow kann das Unternehmen auf engstem Raum die verschiedensten Lösungen zeigen, der Bezirk ist sozusagen das ideale Labor für die lokale Wärmewende.


Experte Gunther Müller

Seit rund 30 Jahren dreht sich in meinem Berufsleben alles um Energie. Als Chef der Vattenfall Wärme Berlin möchte ich die lokale Wärmewende als wichtigen Teil der Energiewende voranbringen. Eine große Herausforderung, die wir gemeinsam mit der Stadtgesellschaft, anderen Unternehmen und Akteuren in den Quartieren stemmen werden. Als ausgebildeter Betriebswirt habe ich dabei ein besonderes Auge auf die Balance von Ökologie und Ökonomie als Basis für eine nachhaltige Energieversorgung.

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