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Techniktausch – Revision im Heizkraftwerk Mitte

Der Sommer ist in Kraftwerken traditionell die Zeit der Revisionen. Dann verwandeln sich die Erzeugungsanlagen zuweilen in Großbaustellen mit bis zu 1.000 rund um die Uhr tätigen Arbeitern. In diesem Jahr stellt die große Revision der „Gasturbine 1“ im Berliner Heizkraftwerk Mitte ein besonderes Highlight dar und bedarf einiger technischer Anstrengungen. 

Bei der Revision im Berliner Heizkraftwerk Mitte steht in diesem Sommer Großes an: Eine der zwei Gasturbinen, die gemeinsam mit einer Dampfturbine im sogenannten Gas- und Dampfturbinen-Prozess normalerweise Strom und Fernwärme liefert, wird in den Sommermonaten auseinandergenommen und überholt.

Die Überholung, bzw. Revision, ist notwendig, da die stark beanspruchten Heißgaskomponenten der Gasturbine während der Betriebszeit einem Alterungsprozess unterliegen, dem nur durch Austausch der Komponenten alle fünf Jahre begegnet werden kann. Zeitgleich werden auch alle anderen Bauteile des Blockes von der Luftansaugung, dem Abhitzekessel bis zum Schornstein, dem Transformator und Generator inspiziert, gewartet oder ausgewechselt.

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Der angelieferte neue Trafo, Foto:Reiner Freese

Zudem stehen in diesem Jahre einige teilweise spektakuläre Arbeiten an: ein riesiger Transformator muss getauscht, ein Gasturbinen-Rotor ausgehoben und Abgasgehäuse und Abgasdiffusor müssen aus- und neu einge­baut werden. Darüber hinaus werden auch bestehende Betriebskonzepte in der Leittechnik optimiert, um zukünftig einen effizienteren Betrieb der Gesamtanlage zu ermöglichen.

Wenn ein Schwerlastkran solche Dimensionen hat, dass er in Einzelteilen angeliefert und erst vor Ort zusammen­gebaut wird, lässt sich erahnen, dass hier Großes bewegt wird. Der neue Transfor­mator wurde aufgrund seiner Größe im Juli über den Wasserweg zum Heizkraftwerk Mitte transportiert und hing dann in 15 Metern Höhe am Haken, wo er mit seinen 140 Tonnen aus dem Schubschiff am Ölhafen in Mitte über die Mauer der Kraftwerksgrenze gehoben wurde.

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Das Ausheben des Trafos vom Lastkahn mittels Kran; Foto: Reiner Freese

Riesige Röhre 

Anfang August wiederholte sich die spektakuläre Schiffsentladung ein weiteres Mal, als eine andere Revisionskomponente angeliefert wurde, die für den innerstädtischen Straßenverkehr in Berlin zu groß gewesen wäre. Dieses Mal wurde der Abgasdiffusor der Gasturbine an Land gehoben und wurde dort mit Hilfe eines zweiten Kranes 90 ° umgelegt.

Der neue Abgasdiffusor für die Gasturbine, Foto: Reiner Freese

Der Abgasdiffusor hat die Maße von 4,7 x 6,3 Meter. Diese riesige Röhre ist das Bauteil, welches sich hinter der Gasturbine und vor dem Abhitzekessel befindet. Sie hat die Aufgabe, den bereits in der Gasturbine von 1.100 Grad auf 545 Grad abgekühlten, aber immer noch hoch energetischen Rauchgasstrom, dem Kessel zuzuführen, der dann feuerungslos mit Hilfe der heißen Rauchgase den Dampf für die Dampfturbine erzeugt.

Der auszutauschende Diffusor hat seit 20 Jahren zuverlässigen seinen Dienst getan und ist jetzt am Ende seiner Lebensdauer angekommen. Temperaturwechsel wie sie beim An- und Abfahren der Gasturbine auftreten, haben ihn im Laufe der Zeit verbeulen lassen und es sind vereinzelt auch Risse an innenliegenden Stützkomponenten entstanden.

Schäden kommen nie zum richtigen Zeitpunkt

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Ein Blick über die Baustelle und den künftigen Platz des Trafos, Foto: Reiner Freese

Das HKW Mitte ist mit seinen zwei Gasturbinen und einer Dampfturbine gut gerüstet, auch solch aufwendige und lang andauernde Revisionszeiträume der Gasturbinen von rund zwölf Wochen ohne Beeinträchtigungen für die Versorgung ausführen zu können. Normalerweise ist eine Gasturbine in Revision und die andere Gasturbine steht für den Betrieb zur Verfügung. So war es auch in diesem Jahr geplant.

Die kleine Inspektion der Gasturbine 2 sollte bereits vor Beginn der Hauptrevision der Gasturbine 1 abgeschlossen sein. Jedoch kam es anders: ein Befund im Abhitzekessel zeigte mehrere Rohre im Überhitzer mit Löchern. Die Reparatur der Rohrschäden hat zur Folge, dass trotz Verfügbarkeit der Gasturbine 2 und der Dampfturbine, nicht auf die Kraft-Wärme-Kopplung der Gas- und- Dampfanlage zurückgegriffen werden kann und die Wärmeversorgung ausschließlich über Heißwassererzeuger realisiert werden muss.

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Volle Kraft voraus! 

Wenn die Revision Anfang Oktober abgeschlossen ist, hat das Heizkraftwerk Mitte seine volle Leistungs­fähigkeit wieder: Neben den 444 Megawatt Strom wird es dann auch 460 Megawatt Wärme in umweltschonender Wärmekraftkopplung erzeugen können und damit 60.000 Wohnungen und 500 weitere Großabnehmer, wie das Rote Rathaus und den Potsdamer Platz versorgen. Zusätzlich stehen im Heizkraftwerk Mitte zwei erdgasgefeuerte Heißwassererzeuger (2 x 120 MWth) zur Spitzenlastabdeckung zur Verfügung.

Die Trafoanlieferung am HKW Mitte im Video:

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Experte Dietmar Kodim

Seit Beginn meines Berufslebens bin ich der Wärme und auch dem Unternehmen Vattenfall verbunden. 1977 begann ich meine Lehre als „Maschinist für Wärmekraftwerksanlagen (WKA)“ bei dem Vorgängerunternehmen BEWAG (Ost). Zwei Jahre später, mit dem Facharbeiterabschluss in der Tasche, führte mich mein Weg ins Heizkraftwerk Lichtenberg. Dorthin kehrte ich nach Ableistung meines Grundwehrdienstes für weitere zwei Jahre zurück, bevor ich mein Studium an der Technischen Hochschule Zittau begann und 1986 abschloss. Fast 39 Jahre sind seit dem Beginn meiner Facharbeiterausbildung verstrichen. Heute verantworte ich als Leiter des Anlagenmanagements der Kraftwerksgruppe Gasturbinen einen interessanten Kraftwerksbereich in unserer Stadt.

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