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WerkBundStadt Berlin: Ein urbanes Muster-Quartier

Berlin wächst unermüdlich. Allein in den letzten drei Jahren kamen rund 120.000 Einwohner hinzu. Sie alle brauchen ein Zuhause. Nun soll ein Quartier der Zukunft entstehen und das direkt neben dem Heizkraftwerk Charlottenburg. Der Deutsche Werkbund plant mit 33 Architekturbüros die WerkBundStadt Berlin.

Dass Wohnraumnot erfinderisch macht, zeigt der Deutsche Werkbund in Berlin Charlottenburg sehr eindrucksvoll. Der traditionsreiche Zusammenschluss von Gestaltern aus Architektur, Design und Handwerk will ein Quartier der Zukunft für rund 2.000 Bewohner auf dem Gelände eines ehemaligen Tanköllagers schaffen: Leben und Arbeiten auf 28.000 Quadratmetern direkt an der Spree und direkt neben dem Heizkraftwerk Charlottenburg. 33 Architekturbüros sowie Landschaftsplaner und Designer haben ein Muster-Quartier geplant, in enger Kooperation mit dem Bezirk, dem Land, dem Grundstückseigentümer und dem direkten Nachbarn Vattenfall Wärme Berlin.

Dr. Claudia Kromrei ist die Vorsitzende des Deutschen Werkbundes Berlin. Bei ihr und dem Architekten Prof. Dr. Paul Kahlfeldt liegt die Gesamtverantwortung für die WerkBundStadt. In einem Interview beschreibt sie ihre Sicht auf das Projekt.

Viele neue Quartiere werden in den nächsten Jahren in Berlin entstehen. Was ist das Einzigartige an der WerkBundStadt?

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Spreeblick, (C): WerkBundStadt Berlin

Schon die Lage der WerkBundStadt direkt an der Spree, so nah am Schlosspark Charlottenburg und neben den extrem schönen Backsteinbauten des Vattenfall Geländes aus 100 Jahren Berliner Industriearchitektur machen das Projekt einzigartig. An einer solchen Stelle kann man städtebaulich und architektonisch über ein wirklich urbanes Quartier nachdenken, ein sozial, demografisch, kulturell und funktional gemischtes Quartier zum Wohnen, Leben und Arbeiten mit hoher baulicher Dichte.

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Skizze städtebauliches Konzept WerkBundStadt, (C): WerkBundStadt Berlin

An dem Projekt ist aber auch einzigartig, wie es zustande gekommen ist: Seit einem guten Jahr arbeiten wir mit allen am Prozess Beteiligten, den Architekten, den Grundstückseigentümern, dem Bezirk mit seinem Stadtplanungsamt, den Nachbarn zusammen und diskutieren über die ökonomischen Bedingungen, den politischen Willen, über Anforderungen an den öffentlichen Raum und den Verkehr, über energetische Aspekte und technische Möglichkeiten und über eine zeitgemäße Form und Gestaltung. Was wir jetzt auf dem Werkbundtag der Öffentlichkeit vorstellen, ist ein erstes vorzeigbares Ergebnis dieses Prozesses, ein Vorschlag, den es zu diskutieren und weiter zu bearbeiten gilt.

Wird das Wohnen für Wohlhabende?

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Tanköllager, (C): WerkBundStadt Berlin

Berlin ist und war schon immer eine Mieterstadt – das hat auch mit ihrer Geschichte der Industrialisierung zu tun, die ja an diesem Standort besonders präsent ist. Die WerkBundStadt ist ein Teil von Berlin und seiner sozialen Mischung. Es gibt eine Vereinbarung – Regularien haben wir das genannt, dass jedes einzelne von den 39 Häusern sehr unterschiedlicher Größe, die hier entstehen sollen, 30 Prozent Wohnungen enthält, die später zu sogenannten bezahlbaren Mieten vermietet werden. Dies soll bereits im Entwurf angelegt werden, damit das auch wirtschaftlich ist. Gleichzeitig sollten die Häuser so konzipiert werden, dass ihre robuste Struktur und Anlage Nutzungsänderungen ohne große Eingriffe jederzeit möglich macht, damit hier Wohnen und Arbeiten, Gewerbe, Büros, Praxen etc., große Wohnungen, gemeinschaftliche, kleine kommen und gehen können. Darum kooperieren wir mit Wohnungsbau-Genossenschaften und sprechen mit möglichen Bauherren, die daran interessiert sind, die Häuser auf Jahrzehnte zu behalten. 

Wenn Sie in fünf Jahren am Spreeufer stehen und auf die neue WerkBundStadt blicken, was werden Sie denken?

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Am Spreebord, (C): WerkBundStadt Berlin

Dass es eine gute Idee war, es einfach versucht zu haben, das Ganze auf diese außerordentlich kooperierende und ja durchaus mühsame Art und Weise zu entwickeln und zu entwerfen. An dieser Stelle wird eine dicht und schön bebaute verlängerte Spreefront – in der architektonischen Qualität der großartigen Backsteinbauten nebenan – für die Stadt und ihre Bewohner eine Bereicherung sein.

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Modell Tanköllager, (C): WerkBundStadt Berlin

Experte Dr. Claudia Kromrei

Für mich ist Architektur keine theoretische Disziplin, sondern eine sehr konkrete. Denn gebauter Raum entsteht körperlich-fassbar in einer konkreten Zeit an einem konkreten Ort. Ich bin Professorin für Architekturtheorie und Baugeschichte an der Hochschule Bremen und seit 2015 Vorsitzende des Deutschen Werkbundes Berlin e.V.

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