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Vattenfall will der erste klimaneutrale Energiekonzern werden

Alle Aktivitäten im Konzern sind auf dieses eine Ziel ausgerichtet: Vattenfall möchte innerhalb einer Generation klimaneutral Energie erzeugen. Wie das gehen kann, beschreibt der schwedische Konzernchef Magnus Hall im Interview für die WELT am SONNTAG vom 24. Dezember 2017.

Der schwedische Staatskonzern Vattenfall hat einen besonderen ökologischen Anspruch. Das sehen Besucher gleich beim Betreten der Deutschland-Zentrale in der Berliner Chausseestraße: „Vattenfall – CO2-neutral bis 2050″ prangt als Schriftzug auf Deutsch und Englisch über dem Empfangsschalter. Das blau-gelbe Schild mit dem Klimaschutzversprechen wird demnächst allerdings ausgetauscht. „Wir glauben, 2050 ist nicht gut genug – wir können das früher“, sagt Magnus Hall, Vorstandsvorsitzender des größten schwedischen Energiekonzerns, zu Besuch aus Stockholm. „Wir wollen innerhalb einer Generation CO2-neutral werden, das ist unser neues Ziel.“

Magnus Hall, CEO Vattenfall im Interview

Hall, früher Chef des schwedischen Holzverarbeiters Holmen, leitet seit vier Jahren die Geschicke des Vattenfall-Konzerns. Seither hat sich das Gesicht des Unternehmens, das in Deutschland seine wichtigste Auslandsbeteiligung unterhält, deutlich verändert: Mit dem Verkauf der gesamten ostdeutschen Braunkohle-Industrie an tschechische Investoren befreite Hall das Unternehmen im vergangenen Jahr von den politischen Risiken deutscher Energie- und Klimapolitik.

Aber CO2-frei innerhalb einer Generation, also schon in zwanzig Jahren? Mit dem neuen Konzernziel zieht Vattenfall das Tempo deutlich an. Auf ein genaues Datum will sich Hall gleichwohl nicht festlegen: „Ob das jetzt 2040 oder 2045 sein wird, wollen und können wir nicht genau definieren“, schränkt er ein: „Um eine vollständige Dekarbonisierung zu erreichen, müssen wir einige technische Lösungen erst noch entwickeln, zum Beispiel im Bereich der Stromspeicher.“ Doch Marschroute und Tempo stehen fest: „Wenn die Kinder, die heute geboren werden, ihrerseits Kinder bekommen, wollen wir eine CO2-freie Vattenfall-Welt haben“, sagt Hall: „Das wollen wir liefern.“

Spa­ten­stich für Eu­ro­pas grö­ß­te Power-to-Heat-An­la­ge

Im Heimatland Schweden ist das Ziel vergleichsweise leicht zu erreichen: Das Land versorgt sich heute bereits größtenteils klimaschonend aus Atom- und Wasserkraftwerken. Die Kernkraftwerke sollen das „Rückgrat“ der Stromversorgung sein, wenn immer mehr Windkraftanlagen hinzukommen. „Wir haben dafür massiv in ein Upgrade unserer Kernkraftwerke Ringhals und Forsmark investiert“, sagt Hall: „Die Anlagen sind jetzt für eine Betriebsdauer von 60 Jahren qualifiziert.“

In den wichtigsten ausländischen Standorten Deutschland und den Niederlanden betreibt Vattenfall auch noch einige Kohlekraftwerke. Das soll sich nun schnell ändern. Im Zeitraum 2016 bis 2020 investiert Vattenfall fünf Milliarden Euro in den Bau neuer Windparks. Zudem sollen bis 2030 die letzten drei kohlebefeuerten Heizkraftwerke in der deutschen Hauptstadt vom Netz gehen. Wie das zu erreichen ist, ermittelt Vattenfall gerade gemeinsam mit dem Berliner Senat in einer Machbarkeitsstudie.

Ber­li­ner Wär­me­wen­de: Aus­stieg aus der Stein­koh­le bis 2030

Dass ein so schneller Klimaschutzerfolg mit Risiken verbunden ist, zeigt das jüngste Offshore-Windkraftprojekt von Vattenfall: Der Konzern beteiligte sich vergangene Woche an einer Ausschreibung für den niederländischen Windpark „Hollandse Kust Zuid“. Bedingung: Die Windfarm muss ohne Förderung auskommen. Zwar hatten die Wettbewerber EnBW aus Deutschland und Ørsted aus Dänemark unlängst ebenfalls in einem aufsehenerregenden Bieterverfahren versprochen, subventionsfreie Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee zu bauen. Doch mit der Fertigstellung können die sich Zeit bis zum Jahr 2025 lassen – und so lange auf die Entwicklung neuer effizienterer Windturbinen warten.

Vattenfall will die Konkurrenten nun mit der Fertigstellung bis 2021 übertrumpfen und damit das erste große Ökostromprojekt Europas realisieren, das keine Subventionen mehr benötigt. Scheitert das Bauprojekt, wären empfindliche Strafzahlungen an den niederländischen Staat fällig. „Wir sind überzeugt, dass wir das schaffen können“, ist Hall allerdings überzeugt: „Das wird für uns ein wichtiger Meilenstein.“

Der Artikel erschien zuerst in der Weihnachtsausgabe 2017 der WELT am SONNTAG.

Links

Über den Umbruch am Energiemarkt
Fossilfrei in die Zukunft
"Die erneuerbaren Energien müssen weg von Subventionen“
Vattenfall will geregelten Kohleausstieg und mehr Windkraft 

 


 

Experte Daniel G. Wetzel

Ich berichte als Redakteur der WELT und der WELT AM SONNTAG über die Themen Energiewirtschaft, Energie- und Klimapolitik sowie Tourismus-Wirtschaft. Für meine Berichte, Kommentare und Reportagen wurde ich 2007 vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit dem Robert-Mayer-Preis ausgezeichnet. 2009 erhielt ich für meine energiewirtschaftliche Berichterstattung den Theodor-Wessels-Preis des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln. Für einen kritischen Bericht über die Förderung der Solarindustrie in Deutschland in der „Welt am Sonntag“ wurde ich 2011 für den Deutschen Journalistenpreis und den Georg von Holtzbrinck Preis für Wirtschaftspublizistik nominiert.

Ich bin gebürtiger Oldenburger. Meine Ausbildung absolvierte ich an der Universität Köln, der London School of Economics, der University of Kent und der Kölner Journalistenschule. Vor meinem Eintritt beim Verlag Axel Springer im Jahr 1999 arbeitete ich als Wirtschaftsredakteur beim Berliner „Tagesspiegel“. Ich bin mit einer Unternehmerin verheiratet und habe zwei Kinder.

Forderung: neutrale CO2-Bilanz der europäischen Wirtschaft vor dem Jahr 2050

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