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Wie funktioniert der Rückbau eines Kernkraftwerkes?

Im Jahr 2012 wurde bei der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde der Antrag auf Stilllegung und Rückbau für das Kernkraftwerk Brunsbüttel gestellt. Was bis zur Wiederherstellung einer grünen Wiese passieren muss, erklärt Markus Willicks, der seit 2017 das Kraftwerk leitet.

Vor rund 40 Jahren wurde das Kernkraftwerk Brunsbüttel in Betrieb genommen. Seit 2007 wird dort kein Strom mehr produziert. 2012 wurde bei der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde der Antrag auf Stilllegung und Rückbau gestellt. Bis zur Wiederherstellung einer grünen Wiese wird insgesamt mit einem Zeitraum von circa 15 Jahren gerechnet. Markus Willicks erklärt, was beim Rückbau geschieht und was noch zu tun ist.

Das Kernkraftwerk Brunsbüttel, September 2017

Genehmigungsverfahren

Das Antragsverfahren auf Stilllegung und Rückbau läuft seit November 2012, seitdem wurden viele Dokumente, Berechnungen und Unterlagen bei der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde eingereicht. „Der Rückbau geschieht in mehreren Phasen, die sich zum Teil überlappen und für die wir verschiedene Genehmigungen brauchen. Die erste ist die sogenannte 1. Stilllegungs- und Abbaugenehmigung. Sie beschreibt die Arbeiten insgesamt und ist eine Art Fahrplan für den Rückbau", sagt Markus Willicks. „Wir erwarten sie Mitte 2018 – und dann kann es richtig losgehen."

BfE – Stand des Genehmigungsverfahrens am Standort-Zwischenlager Brunsbüttel

„Wichtig ist dabei auch der stetige Dialog mit allen Beteiligten: mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort, mit der Politik, mit den Umweltverbänden, letztendlich mit allen Interessierten", weiß Markus Willicks. 

Entfernen der abgebrannten Brennelemente

„Bevor das Kernkraftwerk zurückgebaut wird, haben wir die abgebrannten Brennelemente aus dem Inneren entfernt. Dann gestaltet sich auch der anschließende Rückbau einfacher und sicherer", erklärt Markus Willicks. Die letzten Brennelemente wurden am 13. Juni 2017 ausgeladen, seitdem ist das Kraftwerk Brunsbüttel brennelementfrei.

Die Brennelemente befinden sich nun im Standortzwischenlager in CASTOR®-Behältern. Die Zeit bis zur Genehmigung wird zur weiteren Vorbereitung und detaillierten Planung des Rückbaus genutzt. So werden nicht mehr benötigte Systeme, zum Beispiel die Kühlung für die Brennelemente, dauerhaft außer Betrieb genommen oder auch neue Systeme errichtet.

Der überdimensionierte Hilfs-Ölkessel, der früher zum Anfahren der Kraftwerksanlage notwendig war und als „Nebenprodukt" Wärme für das Kraftwerk geliefert hat, bekommt eine umweltfreundliche Gasheizung. Im Maschinenhaus werden bereits erste Anlagen aufgestellt, die später für die Bearbeitung der beim Rückbau anfallenden Reststoffe benötigt werden.  

Abbau aller Bereiche

Auch wenn die Genehmigung erteilt ist, wird vom Rückbau in den ersten Jahren von außen nicht viel zu sehen sein. Markus Willicks: „Vereinfacht dargestellt heißt das, wir bauen alle Systeme, Behälter, Armaturen, Pumpen, Stahlbühnen – einfach alles aus dem nuklearen Bereich, dem Kontrollbereich, ab. Alles wird zerlegt, gereinigt (dekontaminiert), und entweder „freigemessen und freigegeben" oder als radioaktiver Abfall entsorgt.

Die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle werden in Behälter gepackt, die später ins Endlager Schacht Konrad gebracht werden. „Da Schacht Konrad nicht rechtzeitig in Betrieb geht, bauen wir hier am Standort ein Lager für schwach und mittelaktive Abfälle, wo die Abfälle bis zum Transport ins Endlager zwischengelagert werden", erklärt Markus Willicks.

Abbau des Reaktordruckbehälters

Das erste große Projekt nach Erteilung der Genehmigung ist die Zerlegung und Verpackung der Einbauten des Reaktordruckbehälters. Die Arbeiten an den Komponenten, die sich beim Leistungsbetrieb in unmittelbarer Nähe zu den Brennelementen befanden, finden unter Wasser statt, um die Mitarbeiter vor der Strahlung zu schützen. Etwa zeitgleich beginnt der Abbau im Reaktorgebäude und im Maschinenhaus.

Für einen reibungslosen Rückbau ist es unbedingt notwendig, alle anfallenden Abfälle und Wertstoffe möglichst ohne Verzögerung abzutransportieren. Das schafft im Kraftwerk Platz für den weiteren Rückbau. Neben den radioaktiven Abfällen, die mit unter drei Prozent nur den geringsten Anteil der gesamten Abfallmenge ausmachen, müssen auch alle freigegebenen Stoffe, zum Beispiel Metalle oder Bauschutt, entsorgt werden. Diese werden entweder dem Wertstoffkreislauf zugeführt oder entsorgt.

Dialog mit der Öffentlichkeit

"Das Thema 'Deponierung' hat in der Öffentlichkeit sehr viel Interesse geweckt. Wir haben schon viele Besuchergruppen ins Kraftwerk eingeladen, darunter Vertreter aus Politik, Presse und Bürgerinitiativen. Dabei haben wir die Prozessabläufe gezeigt und Fragen beantwortet", betont Markus Willicks die Bemühungen um einen intensiven Dialog mit der Öffentlichkeit.

Beim Rückbau der Anlage werden, je nach Phase, mehrere Hundert Personen im Kraftwerk tätig sein. Bei der Planung und Durchführung der Arbeiten spielt neben dem Strahlenschutz auch die Arbeitssicherheit eine große Rolle. „Es ist viel Arbeit, die alle Beteiligten vor große Herausforderungen stellt. Trotzdem ist der Rückbau eines Kernkraftwerkes eine höchst interessante Aufgabe, bei der alle ihre Erfahrungen einbringen können, und die einfach Spaß machen kann", sagt Markus Willicks.

Rückbau im Dialog - Links

Treten Sie mit uns in den Dialog:
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Kernfragen.de 
Kernenergie.de 
Perspektive Brunsbüttel 
Perspektive Brunsbüttel Aktuelles

60 Sekunden Rückbau: ein Video

Kavernen werden in Brunsbüttel geräumt 
Erfahrungsaustausch in Puncto Rückbau


 

Experte Markus Willicks

Aufgewachsen bin ich in Kamp-Lintfort, einer Bergbaustadt am Niederrhein, mittendrin im Karneval. Ich studierte Maschinenbau/Verfahrenstechnik an der RWTH Aachen. 1993 begann ich bei der HEW/Vattenfall und war bis 2001 als Projektingenieur für Brunsbüttel und Krümmel tätig. Ab 2002 war ich 14 Jahre lang für die Reaktoranlagen im Kernkraftwerk Krümmel und später für den Fachbereich Maschinentechnik verantwortlich. Im Januar 2017 wechselte ich nach Brunsbüttel und übernahm die Leitung des Kernkraftwerks. Der Rückbau der Anlage und der damit einhergehende Veränderungsprozess des Betriebs stellen eine besondere Herausforderung dar, die ich gerne führend begleite. In meiner Freizeit habe ich mich der Musik verschrieben und leite einen Chor in Hamburg. 

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