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Fossilfrei in die Zukunft

Eine Zukunft ohne fossile Brennstoffe, Investitionen in Berlin und Hamburg, deutschlandweites Wachstum - das sind die Kernaussagen des schwedischen Vattenfall-Vorstands Magnus Hall im "Boss-Interview" des Wirtschafts-Ressorts der SUPERillu, des größten Publikumsmagazins Ostdeutschlands.

Schwedens Staatskonzern Vattenfall will mit CEO Magnus Hall, 58, an der Spitze innerhalb einer Generation eine CO2-freie Energieversorgung leisten. Thilo Boss von der SUPERillu sprach mit dem Manager, der auch Vizepräsident von Eurelectric ist – der Interessenorganisation der europäischen Energiewirtschaft – über seine ambitionierten Ziele, die deutsche Energiewende, was die neue Bundesregierung machen muss, damit die Transformation der Energieversorgung gelingt und welche Rolle dabei Ostdeutschland spielt.  

Magnus Hall, CEO Vattenfall, Interview

Magnus Hall, die Lausitzer Vattenfall Europe Mining & Generation war vor dem Verkauf voll in den Konzern integriert, die Entflechtung soll in diesem Jahr abgeschlossen sein. Wird die Braunkohle 2018 noch einmal das Ergebnis belasten? 

Der Verkauf ist bereits vor rund 1,5 Jahren, im Herbst 2016 erfolgreich abgeschlossen worden, die Entflechtung jetzt auch. Bis zur endgültigen Entflechtung wurden wir durch die neuen Eigentümer für ein paar Dienstleitungen im administrativen Bereich beauftragt. In der Bilanz 2018 wird die Lausitzer Braunkohle keine Rolle mehr spielen.   

Mit dem Rückzug aus Brandenburg hat Vattenfall einen Großteil seines bundesweiten Geschäftes aufgegeben. Ist Deutschland nun aus dem Fokus Ihrer Strategie gerückt?

Deutschland ist die führende Industrienation Europas und bleibt deshalb für Vattenfall, das sich als ein europäisch agierendes Unternehmen versteht, ein enorm wichtiger Markt. In Deutschland wachsen wir kontinuierlich in unserem Kundenstamm. Wir versorgen mittlerweile rund 3,5 Millionen Kunden mit Strom und Gas und über 1,5 Millionen Wohneinheiten mit Wärme und haben in der Nordsee Milliarden in den Bau von Windkraftanlagen investiert. Wir leisten in den zwei größten deutschen Städten Berlin und Hamburg die Strom- und Wärmeversorgung, betreiben dort Kraftwerke und bieten Energiedienstleistungen an. In diesen Ballungsräumen leben weit über fünf Millionen Menschen, mehr als in den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Saarland zusammen. In Ostdeutschland betreiben wir zudem Pumpspeicherkraftwerke und leisten so einen erheblichen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zum Gelingen der Energiewende. Ohne unser Pumpspeicherkraftwerk Goldisthal wäre schon etliche Male das Licht ausgegangen. Und derzeit planen wir großflächige Solaranlagen auf den Flächen unserer Wasserkraftsparte. Kurzum: Deutschland, wo wir immer noch 7.000 Beschäftigte haben, bleibt zusammen mit Schweden europaweit unser wichtigster Markt. 

Wie viel Geld investieren Sie in den kommenden Jahren in Deutschland?

Allein in Berlin werden wir innerhalb von fünf Jahren zwei Milliarden Euro investieren. Die Hauptstadt muss fit für die Herausforderungen der Energiewende gemacht werden. Wir wollen eine sichere, bezahlbare und klimafreundliche Strom- und Wärmeversorgung in einer schnell wachsenden Stadt garantieren. Das ist unser Anspruch. Aber auch Hamburg steht weiter in unserem Fokus. Und sollte es sich ergeben, dass wir bei Ausschreibungen in anderen deutschen Städten Fuß fassen können, dann werden wir diese Chancen auch nutzen. Vattenfall will in Deutschland bundesweit wachsen. 

Fragt sich trotzdem wie? In der Stromerzeugung mit Gas, Wind und Solar? Oder vor allem mit Energiedienstleistungen?

Unsere Strategie ist klar: Wir setzen auf eine fossilfreie Zukunft. Das machen wir gemeinsam mit unseren Partnern. Solaranlagen spielen dabei etwa für Eigenheimbesitzer und beim Eigenverbrauch eine immer größere Rolle. Parallel haben wir die Stromerzeugung mit Windkraftanlagen ausgebaut. In Berlin werden wir spätestens bis 2030 kohlefrei Strom und Wärme produzieren. Das haben wir mit dem Senat vereinbart, und das ist für uns ein wesentlicher Schritt zu einer vollkommenen Dekarbonisierung der Stromerzeugung und Wärmeversorgung. Vattenfall hat sich zum Ziel gesetzt, dies innerhalb einer Generation für unser Unternehmen zu erreichen. Bis dahin wird Gas, das wegen seiner geringeren Emissionen besser als die Kohle zu den Erneuerbaren Energien passt, allerdings an Bedeutung gewinnen.   

Dekarbonisierung aller Sektoren

Der Energiemarkt ist stark reguliert.  Was erwarten Sie als einer der großen europäischen Energieversorger von der neuen Bundesregierung?

Wir reden immer nur von einer Energiewende und konzentrieren uns zu stark auf die Erzeugung von Strom. Das greift zu kurz. In einem zweiten Schritt müssen nun unbedingt weitere emissionsstarke Bereiche wie Verkehr und Wärme einen CO2-Preis bekommen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Außerdem müsste endlich ein Fahrplan für den Kohleausstieg kommen und die Pumpspeicherkraftwerke für ihre Speicherleistung von Erneuerbaren bezahlt werden. Das müsste die neue Bundesregierung leisten und würde so auch allen Beteiligten mehr Planungssicherheit geben.

CO2-Steuer im Wärmesektor senkt CO2-Emissionen

Kann Deutschland bei der Energiewende von Schweden lernen?

Sicher gibt es in beiden Ländern gute Ansätze. In Schweden wird alles dafür untergeordnet, dass der Strompreis sinkt. Deswegen setzt die Gesellschaft und die Politik in Schweden weiter auf Kernenergie. In Deutschland scheint der Strompreis bei Entscheidungen nicht ausschlaggebend zu sein. Er ist durch hohe Abgaben und Steuern getrieben. Heute beträgt der Strompreis in Schweden etwa ein Drittel des deutschen Preises und das, obwohl der Ausbau der erneuerbaren Energien auch bei uns zügig vorangeht. Mit einem Satz: der Strom sollte für Endverbraucher in Deutschland günstiger werden. Die neuen Ausschreibungsverfahren für Ökostromanlagen ist nur ein Schritt dahin. Mindestens genauso wichtig ist es, dass parallel innovative Wege eingeschlagen werden. Ein Beispiel aus Schweden: Vattenfall realisiert mit einem Stahl- und einem Bergbaukonzern in einem Pilotprojekt gerade die erste Anlage zur fossilfreien Stahlgewinnung mit Hilfe von Wasserstoff. Dies könnte wegweisend für die gesamte Stahlbranche werden, um Emissionen zu senken. 

Pressemitteilung vom 1.2.2018: Vattenfall, SSAB und LKAB bauen weltweit erste Pilotanlage zur fossilfreien Stahlproduktion

Dann Hand auf‘s Herz: Ist die Energiewende in Deutschland ein Erfolg? 

Sie ist jedenfalls nicht unerfolgreich. Der Ausbau der Ökostromerzeugung ist ein gutes Beispiel dafür. Die nächsten Schritte werden jetzt zeigen, ob sich die Klimabilanz nachhaltig verbessern wird, auch ohne Kernkraftwerke. Ein Schlüssel dafür wird die Elektrifizierung des Verkehrs sein. Ich hoffe, dass die Bundesregierung die richtigen Anreize setzt, damit dies gelingt.

Klimaschutz ist keine nationale Verantwortung. Warum kommen wir hier grenzüberschreitend in Europa nicht voran? 

Kommen wir doch. Der europäische Energiemarkt nimmt Fahrt auf. Aber was für Deutschland gilt, gilt auch für Europa: Wir brauchen einen gemeinsamen Masterplan, der den CO2-Zertifikatehandel neu ordnet und wieder stärkt.


Experte: Thilo Boss

Seit Juli 2012 leitet er das Wirtschafts-Ressort der "Superillu" (Hubert Burda Media), das größte Publikumsmagazin Ostdeutschlands, in dem wöchentlich das Format „Das Boss-Interview“ erscheint. Gesprächspartner waren u. a. Post-Chef Frank Appel, Ex-Deutsche Bank-Chef Jürgen Fitschen und Konzernchef Arend Oetker. Seit seiner Zeit als Korrespondent der Welt am Sonntag und Wirtschafts-Ressortleiter der Leipziger Volkszeitung beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Energie. So ist er auch Mitbegründer des Ostdeutschen Energieforums (OEF), das 2012 ins Leben gerufen wurde. Nach seinem Studium der Neueren Geschichte hat Thilo Boss bei den Tageszeitungen Westfalenpost, Donaukurier und „Die Glocke“ gearbeitet.

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Über den Umbruch am Energiemarkt
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23.10.2018

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