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Nachhaltigkeit mit erneuerbaren Stromprodukten

Corporate Power Purchase Agreements (CPPAs) sind eine Form von Stromlieferverträgen, die das Preisrisiko für Betreiber von Wind- und Solarparks reduzieren, das sie ansonsten beim Stromverkauf über die Börse haben. Im Interview spricht Janina Fuchs von Vattenfall Energy Trading über die Perspektiven von CPPAs.

Großkunden aus allen Industriebranchen profitieren künftig vom direkten Strombezug aus erneuerbaren Projekten. Möglich wird das dank sinkender Stromgestehungskosten in Wind- und Photovoltaik-Projekten sowie zunehmend geringerer staatlicher Förderungen. Basis für die direkte Stromlieferung sind sogenannte Corporate Power Purchase Agreements (CPPAs), die Ökostrom direkt vom Erzeuger zu festen Preisen sicherstellen.

Im Interview mit Ralf Köpke vom Fachmagazin Energie & Management spricht Janina Fuchs über die Perspektiven von CPPAs für die deutsche Windbranche. Das Interview erschien zuerst bei Energie & Management:

Janina Fuchs, in der Windbranche wird zunehmend über Corporate Power Purchase Agreements als Vermarktungsoption für Windstrom gesprochen. Warum?
Janina Fuchs: Es ist schlicht eine Notwendigkeit.

Warum?
Wir erleben zurzeit, dass überall auf der Welt der Ausbau erneuerbarer Energien forciert wird. Gleichzeitig haben erste Länder begonnen, ihre finanzielle Förderung über Ausschreibungen runterzufahren oder – wie beispielsweise Großbritannien – für die Wind- und Solarkraft komplett auszusetzen. Die Investoren neuer Windparks sind deshalb gefordert, sich die Finanzierung ihrer Projekte beispielsweise über möglichst langfristige Absatzverträge zu sichern. Womit die PPAs ins Spiel kommen: Über solche Stromlieferverträge können sie das Preisrisiko reduzieren, das sie ansonsten beim Stromverkauf über die Börse haben. Vattenfall als Partner bringt die notwendigen Voraussetzungen mit, um langfristige PPAs stemmen zu können: Finanzstärke, Handels-Know-How und eine breite Kundenbasis.

Wann sehen wir die ersten CPPAs für Grünstrom auf dem deutschen Windmarkt?
Eine Glaskugel haben wir leider auch nicht. Fakt ist aber, dass wir in den zurückliegenden anderthalb Jahren eine rasante Preisreduktion bei der Wind- und Solarstromvergütung gesehen haben, zuletzt auf unter 5 Cent pro Kilowattstunde für Solar und auf sogar unter 4 Cent pro Kilowattstunde für Onshore-Wind hierzulande. Es gibt keine Indikatoren, dass diese Vergütungspreise langfristig wieder deutlich steigen. Deshalb gewinnt meiner Erfahrung nach für Windkraft-Investoren die Option an Bedeutung, sich die Finanzierung ihrer Projekte durch PPAs abzusichern. Das bedeutet einen weiteren Schritt für die erneuerbaren Energien Richtung Markt. Was niemand bedauern sollte: Seit dem Beginn des Stromeinspeisungsgesetzes Anfang der 1990er Jahre sind die erneuerbaren Energien und die Windenergie über 25 Jahre lang staatlich gefördert gewesen.

Muss für CPPAs in Deutschland nicht die größte regulatorische Hürde abgeschafft werden, nämlich das Doppelvermarktungsverbot von Ökostrom im Erneuerbare-Energien-Gesetz?
Ja, das ist richtig. Ansonsten lässt sich die grüne Eigenschaft des Stroms nicht verkaufen. Allerdings ist es so, dass sich das Doppelvermarktungsverbot mit PPAs selbst abschafft. Wind- und Solarprojekte, die keine EEG-Förderung in Anspruch nehmen, können selbstverständlich neben dem Strom auch Herkunftsnachweise ausweisen und so verkaufen. 

Wie groß ist das Interesse an CPPAs auf der Abnehmerseite?
Es wächst deutlich in Industriekreisen. Denn die Politik will Antworten beispielsweise von der Chemie-Industrie sehen, wie sie ihre Klima-Verpflichtungen erfüllt. Auch Investoren und Kunden fragen nach der Einhaltung von Ökostandards. PPAs sind nach meinen Erfahrungen kein Thema allein für die Energie-Einkaufsabteilung, es geht vielmehr um die Strategie des Unternehmens und es ist daher in der Regel auf Top-Management-Ebene aufgehängt.

Bedeutet ein verstärktes Werben für CPPAs im Windsektor nicht gleichzeitig den Anfang vom Ende für das Erneuerbare-Energien-Gesetz? Für die Politik können solche Verträge zum besten Argument werden, die Windkraftförderung demnächst einzustellen.
PPAs können vielleicht zum Ende der Förderung führen, nicht aber zum Ende des EEG. Es gibt unabhängig von der finanziellen Förderung einige Festlegungen im EEG, wie beispielsweise den Anschluss- und Einspeisevorrang für erneuerbare Energien. Ich sehe auch keinen Grund, warum der Einspeisevorrang mit der Etablierung neuer Vermarktungsformen abgeschafft werden soll. Der Ausbau erneuerbarer Energien ist gesellschaftlicher Konsens, deshalb macht der Einspeisevorrang weiterhin Sinn.

Hat Vattenfall nicht selbst auch ein Interesse an CPPAs? Schließlich investiert Ihre Konzernleitung bis Mitte der nächsten Dekade mehrere Milliarden Euro vor allem in Windkraft, die sich auch rechnen sollen.
Da Vattenfall europäisch engagiert ist, haben wir auch bereits erste PPAs vereinbart. Diese Entwicklung, die wir in unseren Märkten Skandinavien, Großbritannien und den Niederlanden sehen, wird auch vor Deutschland nicht Halt machen. Mit unserer Erfahrung im Gepäck, wollen wir den Weg für PPAs auch in Deutschland ebnen.

Wie hoch müssen die Strommengen sein, damit sich für Vattenfall ein CPPA lohnt? Sind nur Terawattstunden interessant oder tun es auch einige Gigawattstunden?
Es gibt keine Größenbeschränkungen. Für einen PPA-Kontrakt kann beispielsweise ein Windpark mit 20 oder 30 Megawatt reichen, bei einem Offshore-Windpark mit mehreren hundert MW Leistung ist es keine Frage. Letztlich hängt es von jedem einzelnen Projekt ab. Wir werden durchaus von Betreibern kleinerer Windparks angesprochen, ob Vattenfall nicht für sie ein PPA arrangieren könnte. Dass wir die Expertise haben, mit fluktuierenden Strommengen umzugehen, zeigen wir mit unserem Engagement bei der Direktvermarktung von Strom aus EEG-Anlagen und unserer Erfahrung bei der Belieferung von Stromkunden.

Vattenfall hat in den vergangenen Jahren ihr Direktvermarktungs-Portfolio fast ständig ausgebaut. Sind diese Kontakte über die Direktvermarktung der Türöffner für das künftige CPPA-Geschäft?
Definitiv. Es ist aber auch wichtig, die andere Seite zu kennen und zu verstehen – die der Stromkunden. Schließlich bedeutet ein CPPA, Strom aus einer Wind- oder Solaranlage direkt an einen Stromabnehmer zu liefern. 


 

Experte Janina Fuchs

Ich bin seit 2014 bei Vattenfall Energy Trading GmbH als Senior Product Manager verantwortlich für die Entwicklung und Betreuung von Produkten rund um erneuerbare Energien für Grünstromerzeuger und industrielle Stromverbraucher. Mich motiviert es, eine saubere Energiezukunft für unsere Gesellschaft mitzugestalten. Das Geschäft mit erneuerbaren Energien ist von zahlreichen Dynamiken geprägt – meine Arbeit daher herausfordernd und abwechslungsreich. Dafür hilft mir mein Masterstudium Energiewirtschaft an der RWTH Aachen und Universität Münster als auch meine Berufserfahrung, die ich zuvor bei der Verbundnetz AG gesammelt habe.

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