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Herr der Steine – Energie und Kunst vereint

Im Heizkraftwerk Berlin Buch arbeiten auch Künstler. Bildhauer Rudolf J. Kaltenbach und die Künstlerin Silvia Fohrer sind hier mit ihren Skulpturen zu Hause und setzen künstlerisch-soziale Aktionen und interaktive Projekte um.

 

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Bildhauer Rudolf J. Kaltenbach hat sein Atelier im ehemaligen Umspannwerk auf dem Kraftwerksgelände. Wer das Gelände des Heizkraftwerks Buch betritt, wo seit 1905 Energie erzeugt wird und wo sich heute eine von Berlins modernsten Gas- und Dampfturbinenanlagen befindet, rechnet nicht damit, ausgerechnet hier auf eine Oase der Kunst zu treffen. Doch kaum hat man das etwas versteckt liegende Atelier von Rudolf J. Kaltenbach gefunden, steht man mitten in einer anderen Welt.

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Das alte E-Werk , in dem Kaltenbach und seine Partnerin ihr Atelier haben, ist denkmalgeschützt. In der Halle verbinden sich Relikte aus der Anfangszeit der Elektrizität mit modernen Objekten und Skulpturen. Foto: Vattenfall

 

Auf mehreren Hundert Quadratmetern haben sich der Bildhauer und seine Partnerin, die Künstlerin Silvia Fohrer, hier einen Kosmos aus Steinen, Skulpturen und Objekten geschaffen, der sich ständig verändert und im Prozess ist. Hier wird gezeichnet, gehämmert, gemeißelt, gesägt und geschliffen, und neue Skulpturen erblicken das Licht der Welt.

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Umweltkritische Kunst – mit dem Skalpell schneidet Kaltenbach große Schmetterlingsformen aus Pappe aus. Darüber streut er Steinstaub und schafft so Abbilder auf dem Boden. Die Aktion zusammen mit Silvia Fohrer macht auf das Insektensterben aufmerksam. Nach ein, zwei Tagen im Freien sind die Insektenbilder verschwunden – so wie die Insekten in der Natur. Foto: Vattenfall

Ich fange da an, wo andere auhören

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Seine Philosophie ist es, Raum und Nichtraum, Materie und Nichtmaterie in Kontrast zu setzen. Seine Skulpturen sind immer transparent. Wenn sie irgendwo stehen, sind sie kein Fremdkörper im Raum sondern nehmen den Umraum in die Skulptur mit auf. Foto: Vattenfall

 

Rudolf J. Kaltenbach, Jahrgang 1956, sieht nicht nur aus, wie man sich einen typischen Künstler vorstellt – schwarz gekleidet, großer schwarzer Hut, Bart, lange Künstlermähne – er ist auch Künstler durch und durch und liebt seinen Beruf. Das merkt man daran, wie er über seine Projekte erzählt, wie liebevoll er mit der Hand über seine Skulpturen streicht und mit welchem Fachwissen und welcher Leidenschaft er über Gesteine und ihre Bearbeitung spricht. „Meine Skulpturen sind innen genauso sorgfältig bearbeitet wie außen“, erklärt er, „auch da, wo das Auge vielleicht gar nicht hinkommt. Das ist meine Arbeitseinstellung: Ich fange da an, wo die anderen aufhören“.

Auf die Frage, wie lange er denn so im Schnitt an einer Skulptur arbeitet, lacht er nur: „Ich arbeite so lange wie es der Stein benötigt“. Während er früher, so erzählt er, für jede Skulptur zunächst Entwurfszeichnungen und dann ein Modell aus Ton anfertigte, setzt er heute den Meißel direkt an. „Ich weiß mittlerweile genau, wie der Stein auf mich reagiert und wie ich auf den Stein reagieren muss“, erläutert der Bildhauer.

Steine ohne Grenzen

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In der Berliner Sellerstraße steht im Eingangsbereich eine Skulptur aus blauem namibischen Sodalit. Die Skulptur verkörpert das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Aus dem Hauptkörper kommen an allen Seiten vier Zylinder heraus, sie stellen die Wärme dar. Im unteren Bereich ist die Skulptur mit einem Labradorgestein aus Norwegen abgesetzt der obere Stein ist ein Balmoral aus Finnland. Foto: Vattenfall

 

Oft arbeitet Rudolf J. Kaltenbach an mehreren Objekten oder Projekten gleichzeitig. Die Kunst ist dabei kein Selbstzweck, sondern hat meist einen sozialen oder politischen Aspekt. So wie beim Bildhauersymposion ´Steine ohne Grenzen´. Rudolf J. Kaltenbach und Silvia Fohrer haben es 2001 in Erinnerung an den jüdischen Bildhauer Otto Freundlich ins Leben gerufen, der 1943 in einem Konzentrationslager umkam. Otto Freundlich hatte die Vision, zwei völkerverbindende Skulpturenlinie zwischen Moskau und Paris zu errichten, die sich in der Mitte am Grab des Malers Vincent van Gogh kreuzen sollten.

Diese Vision haben sie aufgegriffen und arbeiten seitdem an ihrer Umsetzung. Jedes Jahr kommen Künstler aus Deutschland und dem Ausland in Bildhauersymposien zusammen, um gemeinsam mit Jugendlichen, Flüchtlingsgruppen, Vereinen, sozialen Projekte und Einzelpersonen an Skulpturen zu arbeiten. Die entstandenen Werke werden zu Bauteilen für die Skulpturenstraße durch Europa.

Vattenfall unterstützt diese Initiative. „Mittlerweile sind schon 500 Skulpturen auf 5.000 Kilometern entstanden“, erzählt Rudolf J. Kaltenbach stolz, „davon hat ´Steine ohne Grenzen´ fast 200 eingebracht“.

So wie die Teilnehmer an seinen Workshops und Symposien, kommen auch die Gesteine für seine Skulpturen aus aller Welt. Von überall her bezieht der Bildhauer sein Rohmaterial – Basalt aus Schweden, Granit aus Indien, Marmor aus Italien und der Türkei, Halbedelstein aus Brasilien, Muschelkalk und Sandstein aus Deutschland und viele mehr. „Stein ist nicht gleich Stein“, sagt Rudolf J. Kaltenbach, „Steine sind so verschieden wie wir Menschen und haben ebenso unterschiedliche Eigenschaften und Charaktere“.

Vielleicht haben seine Arbeiten und Projekte auch deshalb stets einen unmittelbaren Bezug zu Menschen, ihren Lebensbedingungen und Schicksalen.

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Kaltenbachs künstlerisch-soziales Engagement ist überall in seinem Atelier zu spüren – sogar im Keller. Hier sind Boote und Objekte aus Papier drapiert, die Kinder aus Syrien in einem Workshop gebastelt haben. Foto: Vattenfall

 

Wer Rudolf J. Kaltenbach und Silvia Fohrer in Buch einen Besuch abstatten will, ist nach Absprache herzlich willkommen.

Kontakt:  steineohnegrenze@aol.com
Schwanebecker Chaussee 5-9, 13125 Berlin Buch

Homepage: Rudolf J. Kaltenbach
BB-EWERKultur


 

Experte Rudolf J. Kaltenbach steineohnegrenze@aol.com

Ich wusste schon immer, dass ich Künstler werden wollte. Aber weil meine Eltern dagegen waren, musste ich mich langsam in Etappen an den Künstlerberuf heranarbeiten. Zunächst habe ich eine Ausbildung als Schaufenstergestalter und Plakatmaler absolviert. Danach habe ich in Wiesbaden Diplomdesign studiert. 1980 zog ich nach Berlin und arbeitete als Theatermaler und Theaterplastiker an der Schaubühne. Und dann endlich war es soweit: Ich begann ein Studium bei einem japanischen Meister an der Berliner Hochschule der Künste. 1992 kam ich nach Buch und hatte ein Atelier im Künstlerhof der Akadamie der Künste. 2001 haben wir das Künstlersymposium „Steine ohne Grenzen“ ins Leben gerufen, das seit 2012 von Vattenfall immer wieder unterstützt wird. 2013 bezog ich mein jetziges Atelier auf dem Gelände des Heizkraftwerks Buch.

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