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Zwischenlager: Ein Neubau am abgeschalteten Kernkraftwerk

Spatenstich: In Brunsbüttel entsteht ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle

Ein Neubau an einem Kernkraftwerk, das dauerhaft abgeschaltet ist und abgebaut werden soll? Die spontane Reaktion „Das passt nicht zusammen!“ wäre verständlich. Und doch ist er ein wichtiger Schritt Richtung Rückbau. Bei dem Neubau handelt es sich nämlich um ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, kurz „LasmA“. 2020 soll es zur Verfügung stehen.

Erster Spatenstich für das Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle am Kernkraftwerk Brunsbüttel am 6.9.2018, V. l.: Erster Spatenstich für das Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle am Kernkraftwerk Brunsbüttel am 6.9.2018. Dr. Dr. Jan Backmann, MELUND, Michael Kunkowski und Peter Hollmann, Stadt Brunsbüttel, Pieter Wasmuth, Vattenfall, Dr. Michael Hoffmann, BGZ, Martin Krabbe, Züblin (v.l.n.r.).

Zwischenlager - bis das Bundesendlager verfügbar ist

„Wir brauchen dieses Lager auf dem Kraftwerksgelände, weil das für diese Abfälle vorgesehene Bundesendlager Schacht Konrad noch nicht fertiggestellt ist“, erläutert der Kraftwerksleiter Markus Willicks. „Das Bundesendlager befindet sich noch im Bau und wird nach derzeitigem Stand erst ab 2027 zur Verfügung stehen. Bis dahin müssen wir unsere schwach- und mittelradioaktiven Abfälle sicher zwischenlagern können. Ohne eine solche Möglichkeit müsste der Rückbau des Kernkraftwerkes schon bald nach seinem Beginn wieder gestoppt werden.“

Geringe Abfallmengen aus Betrieb und Rückbau

Die Mengen, die in dieser neuen Halle zwischengelagert werden müssen, sind gering: Nur etwa drei Prozent der gesamten Abbaumasse sind schwach- oder mittelradioaktiv. Der Rest besteht zum weitaus größeren Teil aus unbelastetem Bauschutt und zu einem kleinen Teil aus Metallen.

Zu den schwach- und mittelradioaktiven Abfällen gehören zum Beispiel Filter- und Verdampferkonzentrate, Metallteile und Chemikalien, die bereits beim Betrieb des Kernkraftwerks angefallen sind. Diese Abfälle lagern heute in der sogenannten Transportbereitstellungshalle und werden nach Fertigstellung des neuen Gebäudes umgelagert.

Zu diesen schon vorhandenen Betriebsabfällen kommen Abfälle, die beim Rückbau anfallen, beispielsweise Metallteile, Bauschutt, Isolierungen und Schutzbekleidung. Zudem sollen Anlagen und Bauteile aus dem Reaktorgebäude und große Komponenten dort gelagert werden.

Zwischenlager – und bereits endlagergerecht verpackt

„Stellt man sich das Lager wie eine eingehauste Müllhalde vor, liegt man völlig falsch“, erläutert Markus Willicks das Konzept. „Selbstverständlich werden die Abfälle nicht wie in einer Müllverwertungsstation in Haufen abgelegt, sondern in Behälter gepackt, die für die Endlagerung vorgesehen und ausgelegt sind. Vor der Einlagerung ins LasmA wird nachgewiesen, dass die äußeren Oberflächen der Behälter frei von radioaktiven Verschmutzungen – sogenannten Kontaminationen - sind. Im Fall der Großkomponenten werden die zugänglichen Oberflächen vor der Einlagerung gereinigt beziehungsweise versiegelt und alle Öffnungen verschlossen. Dadurch ist auch bei den Großkomponenten eine Übertragung radioaktiver Kontaminationen ins LasmA ausgeschlossen. Am Ende werden sich rund 2600 Abfallbehälter im LasmA befinden – bereit für den letzten Weg ins Endlager“, erklärt der Kraftwerksleiter. „Zudem gibt es eine exakte Dokumentation aller Abfälle.“

Auch das Gebäude muss besonders sicher sein. Daher sind die Wandstärken mit denen normaler Bauwerke nicht zu vergleichen: Rund 85 Zentimeter dicke Stahlbetonmauern und etwa 90 Zentimeter starke Stahlbetondecke zur Abschirmung der Gamma-Strahlung aus den Abfällen als auch zum Schutz vor Einwirkungen von außen machen das Lager quasi zur Festung. „Der sichere Einschluss der radioaktiven Stoffe hat oberste Priorität“, so Markus Willicks.

Grundriss des Lagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle (LasmA)

Der Neubau besteht aus zwei Gebäudeteilen: dem Lagergebäude und dem Funktionsgebäude. Das 116 Meter lange, 48 Meter breite und 16 Meter hohe Lagergebäude wird in zwei Bereiche aufgeteilt, in dem jeweils eine Krananlage vorhanden sein wird. An den beiden Enden des Lagergebäudes befindet sich jeweils ein Handhabungsbereich, in dem die Abfallgebinde und die großen Teile angenommen werden.

Das Funktionsgebäude schließt direkt an das Lagergebäude an. Es wird 36 Meter lang, 14 Meter breit und zehn Meter hoch. Markus Willicks erläutert die Funktion: „In diesem Gebäude befinden sich die Räume für das Betriebspersonal, Lager- und Archivräume und für den Betrieb des Lagers erforderliche Einrichtungen.“ Das LasmA wird so lange betrieben, bis das letzte Abfallgebinde aus diesem Zwischenlager ins Bundesendlager Schacht Konrad transportiert worden ist.

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Experte Markus Willicks

Aufgewachsen bin ich in Kamp-Lintfort, einer Bergbaustadt am Niederrhein, mittendrin im Karneval. Ich studierte Maschinenbau/Verfahrenstechnik an der RWTH Aachen. 1993 begann ich bei der HEW/Vattenfall und war bis 2001 als Projektingenieur für Brunsbüttel und Krümmel tätig. Ab 2002 war ich 14 Jahre lang für die Reaktoranlagen im Kernkraftwerk Krümmel und später für den Fachbereich Maschinentechnik verantwortlich. Im Juli 2017 übernahm ich die Leitung des Kernkraftwerks Brunsbüttel. Der Rückbau der Anlage und der damit einhergehende Veränderungsprozess des Betriebs stellen für mein Team und mich eine besondere Herausforderung dar. Ich liebe Musik und leite einen Chor in Hamburg.

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