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Energieholz: Brandenburger Holzhackschnitzel heizen ein

Es riecht nach Marzipan, aber Weihnachten ist längst vorbei. In der Nähe rattern Erntemaschinen über die Plantage, jedoch ist der Sommer noch lange nicht in Sicht. Auch wenn die Außentemperaturen gerade etwas frühlingshaft anmuten, zeigt der Kalender deutlich: Es ist Winter, und nördlich von Berlin hat die Erntezeit für Energieholz begonnen. Wie passt das zusammen? Und woher kommt der Marzipangeruch?

Drei Jahre sind vergangen und tausende Pappeln auf einer Fläche von fünf Hektar hatten ausreichend Zeit zu wachsen. Energy Crops hat jetzt das Energieholz auf einer Kurzumtriebsplantage nördlich von Berlin geerntet; und das mitten im Winter. Tobias Ehm, Projektleiter bei der der Vattenfall-Tochter Energy Crops, kennt die Hintergründe:

Herr Ehm, wieso ernten Sie das Energieholz ausgerechnet im Winter?

„Durch den Rückschnitt während der Vegetationsruhe im Winter bleibt die Vitalität des Baumes erhalten: Somit kann der Baum im Frühling aus dem Wurzelstock neu austreiben. Außerdem lassen wir das Laub auf dem Acker. Dadurch werden die darin enthaltenen Nährstoffe in den Boden zurückgeführt und wir können auf künstliche Düngemittel verzichten.

Hinzu kommt, dass die Erntemaschinen auf einigermaßen festen Boden angewiesen sind. Sie sind bereits seit November wieder auf den Kurzumtriebsplantagen der Energy Crops unterwegs. Wenn die Flächen nach dem ersten Frost gut befahrbar sind, geht’s am besten.“

Die Pappeln werden in einem Arbeitsschritt abgeschnitten und gehäckselt.

Wo und wieviel Energieholz ernten Sie?

„Neben den Pappeln auf dem Acker nördlich von Berlin geht es um weitere 36 Standorte mit Pappel- und Weidenflächen in Brandenburg. In dieser Saison werden insgesamt rund 550 Hektar Energieholz abgeerntet, was in etwa einem Viertel unserer Gesamtanbaufläche entspricht. Bis Ende März wollen wir fertig sein.“

Was genau passiert auf dem Acker?

„Die Pappeln werden mit einem Häcksler abgeschnitten, zu sogenannten Holzhackschnitzeln zerkleinert und auf einem mitfahrenden landwirtschaftlichen Anhänger gesammelt. Der Anhänger wird nur auf dem Acker genutzt. Für den Transport zum Zwischenlager wird das Energieholz auf einen LKW verladen. Die verbliebenen Baumstümpfe treiben im Frühjahr wieder aus. Nach drei bis vier Jahren ist dann die nächste Ernte möglich.“

Hier erfolgt das Verladen der Holzhackschnitzel auf den Transport-LKW.

Kann man die Biomasse so nutzen, wie sie vom Acker kommt?

„Erntefrisch haben die Hackschnitzel naturgemäß noch einen relativ hohen Wassergehalt. Durch die sich anschließende Zwischenlagerung in großen Haufen verliert das Holz – auch durch die Selbsterwärmung – einen großen Teil des enthaltenen Wassers. So kann der Brennstoff bereits nach einigen Wochen der Lagerung im Heizkraftwerk eingesetzt werden.

Und wie kommt das Energieholz dann ins Heizkraftwerk?

Die Holzhackschnitzel werden dem Bedarf im Heizkraftwerk entsprechend in den Lagern abgerufen und zum Verwendungsort transportiert, konkret ins Berliner Biomasse-Heizkraftwerk Märkisches Viertel. Hier werden sie als Brennstoff zur Erzeugung von Strom und Wärme eingesetzt.“

Zurück bleiben Baumstümpfe, die im Frühjahr wieder austreiben. Foto: Energy Crops

Was macht diesen Brennstoff so nachhaltig?

 „Energieholz ist ein nachwachsender Rohstoff, der eine Reihe ökologischer Vorteile mit sich bringt. So werden gegenüber einer konventionellen Bewirtschaftung der Böden nicht nur CO2-Emissionen vermieden; durch die lange Bodenruhe und den Laubeintrag kommt es zu vermehrtem Humusaufbau, der zusätzlich CO2 bindet. Wir gehen davon aus, dass so ca. 5 bis 10 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr zusätzlich im Boden gebunden werden. Das wären in unserem Fall bis zu 20.000 Tonnen CO2 im Jahr.“

Und was hat es jetzt mit dem Marzipanduft auf sich?

„Pappeln, die zur Familie der Weidengewächse gehören, haben einen sehr speziellen, sehr intensiven Geruch, der an Mandeln erinnert – oder eben an Marzipan.“

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Experte Tobias Ehm

Holz ist als Bioenergieträger unglaublich vielseitig und effizient. Als Agrar-Ingenieur haben mich Kurzumtriebsplantagen als nachhaltiger Baustein zur Energiewende von Anfang an begeistert. Seit 2010 bin ich als Projektleiter verantwortlich für den Betrieb und das Wachstum der Energy Crops. Bevor ich zu Vattenfall kam, habe ich mehrere Jahre Bioenergieprojekte in Zentral- und Osteuropa entwickelt und betreut.

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