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Zauneidechsen am Kernkraftwerk Krümmel ziehen um

Eine neue Wohnung für kleine Reptilien: Kernkraftwerk und Zauneidechse – das scheint auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben. Das Vorkommen von Zauneidechsen auf dem Gelände des Kernkraftwerks Krümmel (KKK) ist aber Anlass für einen ungewöhnlichen Umzug. 

Jürgen Brenner, zuständig für die Umweltverträglichkeitsuntersuchung im Genehmigungsverfahren des geplanten Lagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle im Rahmen des Rückbaus von Kernkraftwerken bei Vattenfall erzählt im Interview davon.

Herr Brenner, was hat das KKK mit Zauneidechsen zu tun?

Jürgen Brenner: Für den Rückbau des Kernkraftwerks benötigen wir ein Lager für die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle. Als wir den Standort untersucht haben, auf dem das Gebäude errichtet werden soll, stellten wir fest, dass dort Zauneidechsen leben. Über 1.000 Quadratmeter ihres Lebensraums werden durch die Baumaßnahme dauerhaft verschwinden, fast 2.000 Quadratmeter vorübergehend während der Bauarbeiten. Wir mussten uns also um die Eidechsen kümmern, bevor wir mit dem Bau beginnen können.

Eine der vorhandenen Zauneidechsen vom KKK; Bildquelle: ELBBERG Stadtplanung mbB

Kann man nicht darauf vertrauen, dass die Tiere flüchten, wenn Bauarbeiten beginnen?

Auf keinen Fall. Zauneidechsen sind streng geschützt. Ihr Lebensraum wird ohnehin immer kleiner, zum Beispiel durch landwirtschaftliche Nutzung von Randstreifen, Rekultivierung von Ödland und durch Baumaßnahmen. Daher war es völlig klar, dass wir vor Baubeginn einen Ausgleich für den entstehenden Verlust des Lebensraumes der Zauneidechsen, durch die Baumaßnahme, schaffen mussten.

Bildquelle: ELBBERG Stadtplanung mbB

Wie haben Sie den Umzug bewerkstelligt?

Wir haben Fachleuten zu Rate gezogen. Mit deren Hilfe haben wir einen neuen Lebensraum geschaffen und den Umzug organisiert. Die neue Fläche wurde bereits im vergangenen Jahr hergerichtet, damit die neu angepflanzten Sträucher einwachsen konnten. Der Umzug erfolgt nun seit diesem Frühjahr, nach der Überwinterung. Die Tiere wurden einzeln eingefangen und in ihr neues Zuhause gebracht. Insgesamt 28 Exemplare sind auf diese Weise bereits umgezogen.

Die kleine muntere Zauneidechse ist eine von 28 hier lebenden. Bildquelle: ELBBERG Stadtplanung mbB

Wie sieht das neue Zuhause aus?

Die kleinen Reptilien leben jetzt auf einem anderen Teil des Kraftwerkgeländes. Um sie langfristig dort anzusiedeln, benötigen sie ausreichend Rückzugsmöglichkeiten. Ebenso lieben die kleinen Eidechsen sonnige Orte mit hoher, aber spärlicher Vegetation und kahle Stellen. Bei schönem Wetter nehmen Zauneidechsen gern ein morgendliches Sonnenbad, um ihren Körper auf „Betriebstemperatur“ zu bringen.

Ein rekultivierter Sandhügel als Sonnenplatz für die Zauneidechsen; Bildquelle: ELBBERG Stadtplanung mbB

Sie brauchen sandige Plätze in der Sonne für die Eiablage und ausreichende Unterschlupfmöglichkeiten bei schlechtem Wetter und zur Überwinterung. In ihrem Lebensraum schätzen sie sowohl offene, lockere Böden und dichte bewachsene Bereiche, aber auch Totholz und Altgras. Also haben wir diese Elemente für sie zur Verfügung gestellt. Wir haben Steine unterschiedlicher Größe aufgeschüttet, einen Sandplatz geschaffen, Totholzhaufen errichtet und Besenginster und andere Straucharten mit geringer Wuchshöhe angepflanzt.

Neu angelegte Steinhügel für die kleinen Reptilien. Bildquelle: ELBBERG Stadtplanung mbB

Was tun Sie, wenn die Eidechsen trotzdem versuchen, an ihren alten Standort zurückzuwandern?

Das dürfte ihnen nicht gelingen. Wir verhindern das durch den errichteten Reptilienzaun über die Dauer der Baumaßnahme. Außerdem ist das neue Wohnungsangebot ideal. Es gibt keinen Grund zur Rückkehr an den alten Standort.

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Experte Jürgen Brenner

Ich arbeite bei der Vattenfall Nuclear Energy GmbH im Bereich Genehmigungsverfahren. Dort bin ich für die Umweltverträglichkeitsuntersuchung bei den Genehmigungsverfahren zur Stilllegung und zum Abbau der Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel und den Bau von Zwischenlagern für die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle an den Kraftwerkstandorten verantwortlich. Die Umweltverträglichkeit bildet einen wesentlichen Aspekt bei der Prüfung der Genehmigungsanforderungen. Hierzu zählen alle Aspekte mit Umweltrelevanz, wie zum Beispiel Lärm, Luftschadstoffe, Flora und Fauna.

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