Zusammensetzung des Strompreises und Unterschiede in Europa

Im Vergleich zu anderen EU-Länder liegen die Strompreise in Deutschland rund 42 Prozent über dem Durchschnitt. Dies liegt an überdurchschnittlich hohen Belastungen mit Steuern, Umlagen und Abgaben, welche inzwischen über die Hälfte des Strompreises ausmachen.

Deutschland hat ehrgeizige Ziele: Bis 2050 soll möglichst nur noch grüner Strom aus der Steckdose fließen. Mit der Kraft aus regenerativen Quellen, wie Sonne, Wind und Wasser, will die Bundesregierung die Energieversorgung revolutionieren. Das ist gut für Mensch und Umwelt, da weniger CO2 ausgestoßen wird.

Die dadurch entstehenden Kosten werden über gesetzliche Umlagen an die Verbraucher weitergegeben. Allein diese aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) resultierende Umlage liegt mittlerweile bei 6,756 Cent/kWh netto. Damit beträgt der Anteil der EEG-Umlage  am Verbrauchspreis inklusive Umsatzsteuer rund 25 Prozent.

Stromversorger als Vermittler

Für die Differenz zwischen dem Wert des Ökostroms an der Börse und der Einspeisevergütung kommen die Stromverbraucher auf – und zwar unabhängig davon, ob sie von ihrem Versorger Ökostrom beziehen oder nicht: Sie zahlen auf jede Kilowattstunde Strom, die sie verbrauchen, eine Abgabe. Das ist die so genannte EEG-Umlage. Wie hoch die Abgabe ausfällt, wird jährlich von den Übertragungsnetzbetreibern berechnet und von der Bundesnetzagentur überprüft.

Die Stromversorger nehmen in diesem System die Rolle eines Vermittlers ein. Sie erheben die Umlage über die Stromrechnung und leiten sie dann an die Übertragungsnetzbetreiber weiter. Die wiederum zahlen die Umlage – zusammen mit dem Geld, das sie für den grünen Strom an der Börse erlöst haben – als gesetzlich garantierte EEG-Vergütung an die Betreiber der Wind- und Solaranlagen aus. Somit dient die Umlage zu hundert Prozent der Förderung der erneuerbaren Energien.

Große Strompreisunterschiede in Europa

Die EEG-Umlage ist 2020 mit 6,756 Cent pro Kilowattstunde rund 36-mal so hoch wie zu ihrer Einführung im Jahr 2000. Im europäischen Durchschnitt sei der Strompreis hierzulande ganze 42 Prozent höher. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox, welches die Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat von 2018 für die 28 EU-Mitgliedsstaaten ausgewertet hat: Wer in Deutschland Strom verbraucht, bezahle deutlich mehr als fast überall sonst in der Europäischen Union.

 

Quelle: Bundesnetzagentur: EEG Umlage

Stelle man die Strompreise in Europa gegenüber, fallen die großen Preisunterschiede besonders auf. Am teuersten sei es in Deutschland. Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden bezahlte hier letztes Jahr durchschnittlich 1.219 Euro. Danach folgt Dänemark mit rund 7 Euro weniger. Am günstigsten war es im gleichen Zeitraum in Bulgarien. Ein Haushalt mit dem gleichen Verbrauch bezahlte hier nur 387 Euro, also fast 70 Prozent weniger.

Überdurchschnittlich hohe Belastungen in Deutschland

Laut Auswertung liegen im Durchschnitt aller EU-Länder die Stromkosten bei einem Verbrauch von 4.000 kWh bei 845 Euro pro Jahr. In Deutschland liegen die Stromkosten bei 1200 Euro pro Jahr. Ein Grund ist die überdurchschnittlich hohe Belastung mit Steuern, Umlagen und Abgaben. Diese machen inzwischen über die Hälfte des Strompreises aus.

Nach Angaben von Verivox sei in Deutschland die staatliche Last an Steuern und Abgaben mit 54 Prozent fast am höchsten. Noch höher sei die Staatsquote nur in Dänemark. Dort gehen ganze 70 Prozent für Steuern und Abgaben drauf. Die Steuerparadiese im Bereich Strom lägen in England und Malta. Dort kassiert der Staat jeweils nur knapp 5 Prozent. Im EU-Durchschnitt machen Steuern, Umlagen und Abgaben rund ein Drittel der europäischen Stromrechnung aus.

Zusammensetzung des Strompreises

Der Strompreis setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. Mehr als 53 Prozent bestehen aus Steuern, Abgaben und Umlagen. Rund ein Fünftel der Kosten bestimmt der Wettbewerb im Strommarkt. Diese Kosten entstehen für den Stromeinkauf, für die Verwaltung und für den Vertrieb. Aber auch für die Nutzung der Stromnetze, also den Transport und die Verteilung von Energie, erheben die Netzbetreiber die für alle Stromvertriebe geltenden Netzentgelte. Diese haben am Strompreis einen Anteil von fast 24 Prozent.

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