Aufbau von Energieresilienz angesichts des Klimawandels

Der Klimawandel macht sich immer deutlicher bemerkbar und wird sich in Zukunft wahrscheinlich noch weiter verstärken. Wie wirkt sich dies auf den Energiesektor aus? 

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Mitte März veröffentlichte die Europäische Umweltagentur (EUA) ihren Bericht über die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken. Laut ihrer „Europäischen Bewertung des Klimarisikos“ ist Europa derzeit auf viele der zu erwartenden extremen Wetterphänomene nicht ausreichend vorbereitet, darunter gefährlich hohe Temperaturen, heftigere Stürme, anhaltende Dürren und eine allgemeine Verschlechterung der Witterungseinflüsse. Der Klimawandel bedeutet eine neue Realität und wird Auswirkungen darauf haben, wie wir leben und wie unsere Gesellschaften funktionieren. 
 
Die neuen Klimarisiken werden sich auf alles und alle auswirken, auch auf die Art und Weise, wie wir Energie erzeugen und verteilen. 
 
„Der Klimawandel wird sich auf alle Energiequellen negativ auswirken. Bei der Kernkraft wird es aufgrund der höheren Wassertemperaturen schwieriger, Kühlwasser zu erhalten. Für die Wasserkraft werden anhaltende Trockenheit und Hitzewellen eine Herausforderung darstellen, deren Auswirkungen vor allem in Südeuropa äußerst spürbar sind. Auch die Solar- und Windenergie wird von extremen Wetterbedingungen betroffen sein, da der Verschleiß der Anlagen durch Regen und Stürme zunehmen wird“, sagt Julie Berckmans, EUA-Expertin für die europäische Klimarisikobewertung. 
 
Die Herausforderungen werden beträchtlich sein und in gewisser Weise auf eine Zwickmühle hinauslaufen. Einerseits benötigen wir viel fossilfreie Energie, um den steigenden Energiebedarf zu decken, andererseits werden die Risiken des Klimawandels unweigerlich zu einem neuen Druck auf die Energieversorgung führen. 
 
Berckmans sagt, dass auch die Stromverteilung betroffen sein wird.  
„Kabel und Netze werden bereits durch Waldbrände und Unwetter in Mitleidenschaft gezogen, und dies wird sich noch verschlimmern, vielleicht bis hin zu katastrophalen Ausmaßen. Es ist daher wichtig, die Sicherheitsmaßnahmen jetzt an diese Risiken anzupassen.“ 
 
Eine der größten Herausforderungen besteht darin, dass sich der Klimawandel im Laufe der Zeit weiterentwickeln wird und die Maßnahmen zu seiner Bewältigung dies ebenfalls tun müssen. Wir alle müssen ständig wachsam sein. Deilang Chen ist Klimatologe an der Universität Göteborg und hat eine Reihe von Berichten über Klimarisiken und das Energiesystem verfasst, unter anderem über Solarenergie auf Wasser, die die Verdunstung aus Stauseen verringern kann, sowie über die Rolle der Urbanisierung bei der Bewältigung von Klimarisiken. 
 
„Es ist von entscheidender Bedeutung, unsere Systeme in Bezug auf Produktion und Versorgung resilienter zu machen. Diese Systeme sollten stabil sein und Störungen widerstehen können, während sie sich gleichzeitig schnell von negativen Auswirkungen erholen können“, erklärt Chen. 
 
Um diese Resilienz zu erreichen, müssen wir wachsam und bereit sein, neue Schutzsysteme zu entwickeln und Veränderungen zu antizipieren. 
   
„Wir können nicht einfach davon ausgehen, dass wir fertig sind, wenn wir eine bestimmte Art von Kapazität entwickelt oder aufgebaut haben. Wir können uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, nur weil wir die Anforderungen erfüllt haben, die zu diesem Zeitpunkt bestehen. Wir müssen ständig nach vorne schauen, neue Risiken entdecken und uns darauf vorbereiten, denn die Auswirkungen des Klimawandels werden weitreichend und unvorhersehbar sein. 
 
Außerdem ist es wichtig, einen mehrgleisigen Ansatz zu verfolgen. Chen nennt ein Beispiel aus dem Südwesten Chinas. 
 
„In China wurde die Wasserkraft massiv ausgebaut, aber dabei nicht berücksichtigt, dass gleichzeitig auch die Zahl der Elektroautos in der Region enorm gestiegen ist. Als das Gebiet von einer lang anhaltenden Dürre heimgesucht wurde, reichten die Kapazitäten nicht mehr aus. Das wurde zu einem Beispiel für richtiges Denken: Wasserkraft und die verstärkte Nutzung von Elektroautos sind gut – aber es gab keine ganzheitliche Perspektive.“ 
 
Auch wenn viele Zukunftsaussichten pessimistisch, ja geradezu dystopisch erscheinen mögen, so betonen Chen und Berckmans, dass sie auch viele positive Zeichen sehen. 
 
„Ich denke, das Bewusstsein für diese Risiken wächst. Viele Länder nehmen Risikobewertungen vor und haben damit begonnen, Maßnahmen zu ergreifen. Auf allen Ebenen wird derzeit umfassende Arbeit geleistet, und die Fortschritte sind beträchtlich und schnell, aber die tatsächliche Umsetzung der Änderungen ist etwas ins Hintertreffen geraten“, sagt Berckmans.  
 
Mehr darüber, wie Vattenfall Klimarisiken berücksichtigt und daran arbeitet, diese abzumildern ist im Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2023 
 

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