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Mechatronikerin Hanna im Interview mit Abendblatt-Nachwuchsreporter

Der 15-jährige Nachwuchsreporter Moritz hat die angehende Mechatronikerin Hannah zum Interview getroffen. Sie macht im zweiten Lehrjahr eine Ausbildung bei Vattenfall in Hamburg und erzählt, warum der Job nicht nur für harte Kerle geeignet ist.

Hannah lässt sich bei Vattenfall, dem Partner von Schüler machen Zeitung, zur Mechatronikerin ausbilden. Sie ist im zweiten Lehrjahr und befand sich zur Zeit unseres Gesprächs in der heißen Phase der Prüfungsvorbereitung zur Abschlussprüfung Teil 1. Dennoch hat sie Zeit gefunden, sich mit uns über ihre Ausbildung und Girlspower in technischen Berufen zu unterhalten.

Was macht man als Mechatronikerin in der Ausbildung?

Das Besondere ist, dass der Beruf Mechatroniker eine Mischung aus mehreren Berufen ist. Es wurden verschiedene Inhalte aus den Berufen des Mechanikers und des Elektronikers zusammengelegt. Wir lernen von beiden Berufen erst einmal die Basics. Es fängt bei der Metallbearbeitung an, also beim mechanischen Teil, und da ganz unten beim Feilen, damit man erst einmal den Werkstoff kennenlernt, wie er reagiert und wie man damit umgehen muss. Dann lernen wir Fräsen und Drehen. Gerade hatten wir außerdem einen Schweißkurs. Das heißt, wir lernen alles dazu, wie wir die Baustoffe formen und miteinander verbinden können.

Und was lernst du für das Fach Elektronik?

Da haben wir mit dem Ohmschem Gesetz angefangen, dann gelernt, Leitungen zu biegen und Ösen zu formen, bis man dann irgendwann seinen ersten Schaltplan selber entwerfen und aufbauen kann. Jetzt gerade stehen unsere Abschlussprüfungen Teil 1 an, bei denen wir für uns große Projekte aufbauen müssen, mit denen wir dann auch mechanische Teile ansteuern. Wir belegen zudem momentan Pneumatikkurse, also Druckluft, bei denen das Ziel ist, elektronisch die pneumatischen Abläufe anzusteuern und Bewegungsabläufe zu steuern.

„Ich habe mir gesagt: Das versuchst du jetzt mal!“

In welchen Berufen kannst du nach deiner Ausbildung dann arbeiten?

Ich kann zum Beispiel im Kraftwerk, Fernwärme- oder Stromnetzarbeiten. Gerade habe ich meinen ersten Außeneinsatz in der Messtechnik gehabt, das heißt Fehlerortung bei Kabeln. Hier überprüfen wir, wo die Fehler sind, dann gibt es die Schaltertechnik und ganz viel mit Transformatoren. Das ist sehr breit gefächert.

Wann bist du konkret auf die Idee gekommen, Mechatronikerin zu werden?

Sehr spät. Das war immer mal wieder, auch bedingt durch meine Eltern und den Rest der Familie, die alle Ingenieure sind, im Gespräch. Ich war auch beim „Girls’ Day“ in einem technischen Unternehmen. Danach habe ich mir gesagt: Das versuchst du jetzt einfach mal, das ist das, was dich im Moment am meisten anspricht. Und es hat dann auch recht schnell geklappt mit dem Ausbildungsplatz.

Was hat dich daran gereizt?

Das ist etwas, wo ich später sehr viele Weiterbildungsmöglichkeiten habe, und es ist etwas, was heutzutage auch gebraucht wird. Technik ist überall unterbesetzt. Insofern sind da die Zukunftschancen auch ziemlich gut. Früher hatte ich mal überlegt, KFZ-Mechatronikerin zu werden, aber das war mir dann doch zu einseitig. Ich wollte das Ganze lieber etwas genereller lernen. Am Ende kann ich immer noch sagen, ich spezialisiere mich auf Autos, wenn ich das wirklich so toll finden sollte.

Wie haben deine Freunde reagiert, als sie gehört haben, welche Ausbildung du anfängst?

Also, sie waren auf jeden Fall mal sehr überrascht. Es ist ja schon sehr untypisch für Frauen, in dem Beruf zu arbeiten. Und gerade Mechatronik sagt auch vielen noch nichts. Wenn man Elektroniker sagen würde, dann könnten sie mehr damit anfangen. Also kamen Fragen wie: Was machst du da genau? Wieso machst du das? Und findest du das toll? Dann antworte ich: So schlecht kann ich es doch nicht finden.

Gab es schon Momente, in denen du dir vielleicht einen anderen Beruf gewünscht hast?

Eigentlich nicht. Vielleicht beim Feilen, weil das wirklich gar keinen Spaß macht, aber da muss man durch und am Ende weiß man auch, dass es notwendig ist. Man braucht es, wenn man zum Beispiel im Kraftwerk ist, wo man nicht alle Maschinen wie hier zur Verfügung hat. Ansonsten bin ich weiterhin optimistisch, dass alles gut läuft.

„Der Beruf ist körperlich anstrengend. Aber ich glaube, es ist für alle eine Umgewöhnung.“

Gibt es noch weitere weibliche Auszubildende bei Vattenfall?

In meinem Jahrgang bin ich bei allen technischen Ausbildungsberufen das einzige Mädchen. Von 40-45 Auszubildenden insgesamt – also eine sehr geringe Frauenquote (lacht). Aber das sieht in den neueren Jahrgängen schon viel besser aus, mit bis zu fünf Frauen.

Ist es für dich ein Problem, dass es ein typisch männlicher Job ist?

Eigentlich nicht. Ich glaube nicht, dass es für jeden etwas ist, weil es schon rauer ist im Umgang als das, was man sonst so gewöhnt ist, gerade in den technischen Berufen. Das sind dann so robuste Kerle. Das muss man schon wollen und ein dickes Fell haben. Gerade weil es noch so wenige Frauen in diesem Beruf gibt.

Hast du denn das Gefühl, es wird künftig mehr Frauen in diesen Berufsbildern geben?

Unterschiedlich. Es gab in meinem Lehrjahr auch noch zwei andere Frauen, aber die haben sich frühzeitig verabschiedet. Aber insgesamt steigt die Quote wohl. Ich habe das Gefühl, es wird auch langsam reizvoller. Ich war das letzte Jahr über viel mit auf Messen, und man findet dort schon auch interessierte Mädchen. Ich glaube wirklich, dieser Beruf ist nicht nur etwas für Männer, sondern es liegt mir genauso gut wie allen anderen.

Im Grunde ist es doch auch kein Job, für den man viel Kraft braucht, oder?

Das stimmt. Das einzige, was mir Probleme bereitet, ist das Schmieden. Weil dieser Schmiedehammer wirklich schwer ist. 800 Gramm, das hört sich erst einmal nach nicht viel an, aber auf Dauer ist das in der Hand so schwer zu halten. Gott sei Dank mussten wir nur einen Tag schmieden. Aber natürlich ist der Beruf trotzdem körperlich anstrengend. Man steht viel und auch beim Feilen war es in den ersten Wochen schon sehr anstrengend. Aber ich glaube, es ist für alle eine Umgewöhnung und es nicht so, dass man ein richtiges Muskelpaket sein muss, um hier anfangen zu können.


Schüler machen Zeitung

Zusammen mit dem Hamburger Abendblatt fördert Vattenfall das medienpädagogische Projekt „Schüler machen Zeitung“. Hier soll der jungen Generation der Umgang und Spaß an der Sprache vermittelt werden und das ganz praxisnah.

Die besten Artikel werden im Hamburger Abendblatt gedruckt, wie dieser folgende Artikel:
Mechatronikerin im Interview: „Ich werde später gebraucht"

Dieser Artikel ist am 5. Juni 2018 im Hamburger Abendblatt und auf funky.de erschienen.

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