simulierter Wärmespeicher auf dem Gelände des Heizkraftwerks Reuter West - Luftbild

3 Fragen an Jornt Spijksma zum Wärmespeicher in Reuter West

Vattenfall will bis zum Jahr 2040 klimaneutral sein. Dieses ehrgeizige Ziel kann nicht ohne eine vollständige Transformation unseres Wärmeerzeugungsportfolios in Berlin erreicht werden. Für diesen Umbau ist die Integration vieler kleiner und großer Bausteine in das Wärmesystem notwendig. Einer davon ist ein Wärmespeicher auf dem Gelände des Heizkraftwerks Reuter West.

Portrait von Jornt Spijksma - junger Mann mit Brille ohne Haare

Jornt Spijksma, Projektleiter bei Vattenfall

Im Interview spricht Jornt Spijksma, Projektleiter bei Vattenfall, über die Anlage, die auf dem Kraftwerksgelände Reuter West entsteht, und ihre Bedeutung für die Wärmewende in Berlin.

1. Jornt Spijksma, auf dem Kraftwerksgelände Reuter West laufen Bauarbeiten. Was genau wird dort gebaut?

Jornt Spijksma: Wir bauen in Reuter West den größten Stadtwärmespeicher Deutschlands. Er wird 45 Meter hoch sein und einen Durchmesser von 43 Metern haben, ist also ein riesiger Tank. Nach seiner Fertigstellung und Befüllung wird der Speicher 56 Millionen Liter Heizungswasser fassen.

Bei diesem großen Projekt arbeiten wir mit drei Unternehmen zusammen: Eines erstellt das Fundament und die erforderlichen Gebäude, eines baut den Speicher und eines ist verantwortlich für die Verfahrenstechnik und die Integration der neuen Anlage in das Stadtwärmesystem Berlins.

Begonnen haben wir mit dem Bau im Januar dieses Jahres, der kommerzielle Betrieb soll im Frühjahr 2023 aufgenommen werden. Eines der Hauptmerkmale der Anlage ist die Optimierung der Strom- und Wärmeerzeugung sowie die Optimierung von Wärmeangebot und -nachfrage. Dies schafft mehr Flexibilität beim Einsatz unserer verschiedenen Erzeugungsanlagen und sichert gleichzeitig die Wärmeversorgung unserer Kunden.

simulierter Wärmespeicher auf dem Gelände des Heizkraftwerks Reuter West - Luftbild

Simulation des Wärmespeicher auf dem Gelände des Heizkraftwerks Reuter West in Berlin

2. Was hat der Speicher mit der Wärmewende in Berlin zu tun?

Der Speicher optimiert die Erzeugung und schafft Flexibilität im Wärmesystem; damit reduziert er die CO2-Emissionen. Zusammen mit der neuen Power-to-Heat-Anlage, die wir auf dem Reuter West-Gelände in Betrieb genommen haben, bilden beide Anlagen eine optimale fossilfreie und zukunftssichere Komponente, um unsere Berliner Kundinnen und Kunden mit Wärme zu versorgen. Wenn ein Überschuss an Windenergie vorhanden ist, kann dieser über die → Power-to-Heat-Anlage vor Ort in Wärme umgewandelt und zwischengespeichert werden. So müssen die Windkraftanlagen nicht abgeschaltet und die fossilfreie Wärmeproduktion und -versorgung kann erhöht werden.

Der Wärmespeicher unterstützt eine hochflexible Einbindung von Abwärmequellen Dritter, das heißt er kann Abwärme aus anderen industriellen Prozessen wie der der Berliner Stadtreinigung oder Abwärme aus Abwasser integrieren. Dies sind Beispiele für Abwärme, die sonst ungenutzt blieben.

Auch für die Sicherung der Wärmeversorgung ist der neue Speicher von wesentlicher Bedeutung. Selbst bei sehr kalter Witterung kann er aufgrund seiner großen Speicherkapazität die Wärmeversorgung sicherstellen (falls einmal andere Anlagen ausfallen sollten). Nachts bei geringem Wärmebedarf kann er immer wieder nachgefüllt werden.

Schon während des Baus versuchen wir, die Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern. So werden 25 Prozent aller Betonfundamente aus Recyclingbeton hergestellt. Das spart einen Teil der CO2-intensiven Produktion von Beton und hilft, diesen Markt für zukünftige Projekte zu erschließen.

3. Wie funktioniert der Speicher?

Man kann sich den Speicher als eine große Thermoskanne vorstellen, die allerdings nie leer wird. Das heiße Wasser mit einer Temperatur von 98 Grad Celsius befindet sich oben, kühlere Wasserschichten unten, wobei das kalte Wasser immer noch eine Temperatur von etwa 50 Grad hat.

Eine etwa 400 Meter lange Rohrleitung verbindet den Speicher mit dem Pumpenhaus, in dem vier Pumpen dafür sorgen, dass heißes Wasser in den Tank gelangt. Es wird oben in den Speicher hineingepumpt und bei Bedarf auch hier entnommen. Wird oben heißes Wasser hinzugefügt, wird die gleiche Menge an kaltem Wasser unten entnommen. Es verändert sich also nur das Mengenverhältnis zwischen heißem und kühlerem Wasser im Speicher, nicht aber die Wassermenge insgesamt. Bei maximaler Leistung von 200 Megawatt thermisch kann der Speicher 13 Stunden lang Wärme liefern.

Mehr zum Thema:

→ Vattenfall Wärmewende: klimaneutrales Berlin bis 2040
→ 3 Fragen an Tanja Wielgoß zum Weg zur Klimaneutralität
→ Speichertechnologien bei Vattenfall

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