„Wir können mit PULS einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten“

Das Projekt PULS wurde von der EU als Project of Common Interest (PCI) eingestuft. Diese Anerkennung erreichen Projekte, die auf die Verwirklichung der energie- und klimapolitischen Vorgaben der EU einzahlen. 

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Für Stefanie Dierks vom energate-Messenger war das Grund genug, Dr. René Kühne von der Vattenfall Wasserkraft GmbH ein paar Fragen zu stellen:

Project of Common Interest (PCI)

Die Vorhaben von gemeinsamem Interesse (projects of common interest, kurz PCI) sind wichtige grenzüberschreitende Infrastrukturprojekte, die die Energiesysteme der europäischen Länder miteinander verbinden.

Sie sollen zu einem funktionierenden Energiebinnenmarkt und zur Versorgungssicherheit in der Europäischen Union beitragen.

Die PCI spielen zudem eine wichtige Rolle beim Erreichen der gemeinsamen energie- und klima­politischen Ziele: erschwingliche, sichere und nachhaltige Energie sowie die langfristige Dekarbonisierung der Wirtschaft im Einklang mit dem Pariser Abkommen.

PCI genießen die Vorzüge eines beschleunigten Genehmigungs- und Regulierungsverfahrens und können unter bestimmten Voraussetzungen Zugang zu europäischen Fördermitteln (Connecting Europe Facilities, kurz CEF) erhalten.

1.    Das Projekt PULS wurde von der EU als Project of Common Interest (PCI) eingestuft. Was bedeutet das für Sie?

Natürlich freuen wir uns sehr über das Erreichen des PCI-Status. Diese Anerkennung bestärkt uns in unserem Handeln. Die Einstufung als Project of Common Interest zeigt, dass wir mit unserem Vorhaben einen wichtigen Beitrag für einen funktionierenden Energiebinnenmarkt und zur Versorgungssicherheit in der EU leisten können. Auf die PCI-Liste schaffen es nur Projekte, die auf die Verwirklichung der energie- und klimapolitischen Vorgaben der EU einzahlen. Vattenfall will bis 2040 entlang der gesamten Wertschöpfungskette emissionsfrei sein. Darin spielen der Ausbau der erneuerbaren Energien ebenso wie der der Speichertechnologien eine wesentliche Rolle. Als größter Betreiber von Pumpspeichern in Deutschland verfügen wir hier über die nötige Expertise. Insofern deckt sich unser Anspruch sehr gut mit den Zielvorstellungen der PCI-Liste. Und ganz konkret bedeutet die Aufnahme für das Projekt PSW Puls eine Beschleunigung der Verfahren auf Grund der so genannten Vorrangstatus-Wirkung. Das begrüßen wir sehr.

2.    Wie groß wird das Pumpspeicherkraftwerk voraussichtlich sein? Können Sie bereits weitere Details zum Bau nennen?

Das PSW PULS liegt im Süden Thüringens in den Schiefergebirgsgemeinden Probstzella und Leutenberg mit einem Unterbecken nahe Unterloquitz und dem Oberbecken oberhalb des Ortes Schweinbach, unweit unseres Unternehmenssitzes und PSW Standorts in Hohenwarte. Nach derzeitigem Stand planen wir das PSW mit einer installierten elektrischen Leistung von bis zu 500 Megawatt und mit einer Arbeitswassermenge von über 4 Millionen Kubikmeter in den Becken. Alles in allem verfügt der Projektstandort mit seiner Topographie über verschiedene Parameter, die den Betrieb eines PSW begünstigen. So beträgt die Fallhöhe zwischen Ober- und Unterbecken beispielsweise über 260 Meter.

3.    Wie ist der aktuelle Stand bei dem Projekt?

Vattenfall hat das Projekt nach Abschluss des Raumordnungsverfahrens übernommen. Dabei wurden seinerzeit auch Untersuchungen zur Hydrologie, sprich zum Wasserangebot,  vorgenommen. Diese Untersuchungen erfolgten auf Grundlage der vorliegenden Datenbasis – also rückwirkend. Mit Blick auf die lange Lebensdauer eines PSW haben wir uns deshalb entschieden, eine erneute Machbarkeitsstudie für die Hydrologie durchzuführen. Denn auch hierzulande befinden sich die hydrologischen Voraussetzungen aufgrund des sich ändernden Klimas in einem dynamischen Prozess.  Dieser Ansatz ist neu und wir rechnen gegen Ende 2024 mit den Ergebnissen. Das Planfeststellungsverfahren schließt sich dann daran an. Die PCI-Einstufung könnte die Abwägungsprozesse der öffentlichen Belange beschleunigen, gleichwohl sind diese selbstverständlich sorgfältig durchzuführen. Die Investitionsentscheidung wird jedoch erst nach Abschluss der Verfahren und unter Berücksichtigung der regulatorischen- und marktlichen Rahmenbedingungen getroffen werden.

4.    Wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit aus?

Das Thema Nachhaltigkeit ist der Treiber unserer Strategie und hat direkten Einfluss auf unser Wachstum. Und natürlich muss jedes Projekt bei Vattenfall die Anforderungen an die Profitabilität erfüllen. Ein Pumpspeicher ist ein Generationenbauwerk, das eine Lebensdauer von deutlich mehr als 50 Jahren haben kann. Aufgrund des hohen Investitionsvolumens bedarf es deshalb stabiler regulatorischer Rahmenbedingungen, die Planungssicherheit muss langfristig gegeben sein. Die Speicherung von fossilfreier Energie ist ein zentrales Element für die zukünftige klimaneutrale Versorgungssicherheit der Menschen in Europa, weshalb der Ausbau weiter gefördert werden sollte. Deshalb muss aus unserer Sicht auch die Erhebung von Netzentgelten für die Stabilisierung der Netze grundsätzlich entfallen. Derzeit werden Neubauprojekte für PSW lediglich 20 Jahre von den Netznutzungsentgelten befreit, soweit sie vor 2029 in Betrieb gehen.

Das Interview erschien zuerst im energate-Messenger 

Weitere Informationen zum Projekt PULS:
Vattenfall erwirbt Projektgesellschaft für Pumpspeicherkraftwerk in Thüringen

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