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Heizkraftwerk Klingenberg: Ende und Beginn einer Ära

Der heutige Mittwoch ist ein historischer Tag für das Heizkraftwerk Klingenberg. Nach über 30 Jahren endet die Braunkohlenutzung am Standort. Drei Jahre früher als ursprünglich geplant. Damit ist die Braunkohle für Berlin Geschichte, und es beginnt eine neue, leisere und vor allem umweltschonendere Ära: die Ära Erdgas. Ein Grund, danke zu sagen und ein Grund zum Feiern für Vattenfall, für die Politik und natürlich für die Hauptstadt-Bewohner. Aber auch ein Tag der Emotionen und der Erinnerungen für die Mitarbeiter des Heizkraftwerks Klingenberg.

Das Kraftwerk Klingenberg von der Spreeseite betrachtet

Kraftwerksleiter Harald Flügel, seit 1979 am Standort beschäftigt, kann dies nur bestätigen: „Natürlich durchleben wir alle heute eine Menge Gefühle. Ich habe 1980 das Ende der Steinkohle und den Wechsel zur Braunkohle hier am Standort Klingenberg erlebt. Jetzt hat der Brennstoff Braunkohle über 30 Jahre zuverlässig seinen Dienst versehen – für manch einen Kollegen seine gesamte bisherige Dienstzeit. Natürlich gibt es da neben all den lachenden Augen auch ein paar weinende. Nichtsdestotrotz war die Entscheidung des Ausstiegs genau richtig, aber ich bin auch stolz auf jeden, der in den letzten 32 Jahren hier im Team einen tollen Job gemacht hat."

Siegfried Ganz

Teil des Teams von Harald Flügel ist Siegfried Ganz. Der heutige Schicht-Koordinator blickt auf eine lange Kraftwerkslaufbahn zurück. Er startete 1979 im Kraftwerk Rudow und wechselte 2003 nach Klingenberg. Ein Ereignis, an das er sich bis heute lebhaft erinnert, ereignete sich gleich zu Beginn: „In einer kalten Novembernacht entgleiste das Seil eines Kohle-Entladekrans. Meinem Kollegen und mir blieb nichts anderes übrig, als im Dunkeln auf den Kran zu klettern und dort das Seil wieder einzuhängen; in 46 Metern Höhe, mit Brecheisen und steif gefrorenen Händen. Klar war uns mulmig zumute, aber es musste ja gemacht werden", erzählt er trocken, aber auch ein bisschen stolz. Die „Operation am offenen Herzen" des Krans glückte den beiden gleich beim ersten Versuch und sie konnten den Rest ihrer Schicht auf festem Boden verbringen.

Bernd Rinderhagen

Platzmeister Bernd Rinderhagen hat es das Kraftwerk Klingenberg zu verdanken, dass der Brecherturm, in dem die teilweise fußballgroßen Kohlestücke auf die benötigte Hühnereigröße zerkleinert werden, nicht den Flammen zum Opfer fiel. Hoch oben auf seinem früheren Arbeitsplatz, der Fahrerkabine des Kohlekrans, bemerkte er, dass ungewöhnlich viel dunkler Qualm aus dem Brecherturm quoll. Er alarmierte den damaligen Platzmeister, der umgehend die Berufsfeuerwehr anrief. „Uns war klar, hier müssen Experten ran – und zwar schnell. Kurze Zeit später rückten tatsächlich 24 Einsatzwagen an, ein Riesenspektakel! Zum Glück konnte der Brand schnell gelöscht und damit der Turm gerettet werden.", sagt Bernd Rinderhagen. Ursache des Brandes war übrigens ein überhitztes Magnetband, das Feuer fing.

Karin Müller

Während Bernd Rinderhagen großes Gerät bedient, jongliert Karin Müller mit Zahlen. Seit über 20 Jahren setzt sie ihre Ingenieurskenntnisse im Bereich der technischen Kraftwerksabrechnung ein. „Vielen Kollegen wäre das vermutlich zu trocken, aber ich finde es einfach nur spannend", erklärt sie. Aber nicht nur mathematische Formeln und Logik faszinieren die Ingenieurin, sie möchte das Kraftwerk auch fachfremden Besuchern zugänglich machen. „Ganz ohne Taschenrechner und vor allem ohne Test", verspricht Karin Müller und lacht. Jedes Jahr durchschreiten unterschiedlichste Besuchergruppen die Pforte des historischen Bauwerks, darunter Architekten, die sich für die denkmalgeschützte Baukunst der 1920-er Jahre interessieren. Mit dabei sind wissbegierige Grundschulkinder, die am liebsten alles selbst ausprobieren möchten, kritische Landfrauen und natürlich jede Menge Technik-Liebhaber. „Der Austausch mit den Besuchern ist jedes Mal aufs Neue bereichernd. Mein Highlight des Jahres ist aber definitiv der 'Tag des Denkmals', an dem zahlreiche Besucher bei uns sind. Ich freue mich sehr, dass die Führungen auch künftig Teil meiner Arbeit sein werden. Sie sind ja Brennstoff-unabhängig“, erklärt Karin Müller gut gelaunt.

Volker Penndorf

Ähnlich wie die meisten seiner Kollegen kann auch der gelernte Wärmenetz-Monteur, Volker Penndorf, mehrere Jahrzehnte im Kraftwerk vorweisen. Bei jedem Um-, An- oder Abbau in den vergangenen 37 Jahren war er involviert. „Ich kenne das Kraftwerk von der Pieke auf, quasi jede Ecke und fast jedes Ventil. Silvester 2003 war ich mit dabei, als ein Waggon mit 56 Tonnen ätzendem Schwefeldioxid, (SO2) einem Abfallprodukt bei der Braunkohleverbrennung, beladen wurde und nicht mehr von der Rohrleitung getrennt werden konnte. Die Ventile des Kesselwagens wollten einfach nicht dicht schließen. Zusammen mit ein paar speziell für einen solchen Fall ausgebildete Kollegen haben wir den Wagen, ausgerüstet mit Druckluft-Atemgerät und Ganzkörper-Schutzanzug, über mehrere Stunden repariert und wieder auf die Schiene geschickt. Zum Glück ohne Schaden für Mensch oder Umwelt", sagt Volker Penndorf. Seitdem kamen am Standort übrigens weder Gasmasken noch „Raumfahrtanzüge" durch irgendwelche Störungen bei der Verladung von SO2 zum Einsatz. „Und sie werden auch in Zukunft nicht mehr gebraucht, da mit der Umstellung auf Erdgas kein SO2 mehr anfällt. Ein weiterer Vorteil des Brennstoffwechsels", fügt Volker Penndorf hinzu.

Harald Flügel

Kraftwerksleiter, Harald Flügel, sieht der Zukunft des Standortes gespannt entgegen: „Wir haben uns in unserer Geschichte schon oft verändert. Das war nicht immer leicht, aber wir haben die Herausforderungen gemeistert. Vieles wird sich noch verändern. Wir befinden uns in einer spannenden Zeit, das ist Energiewende live! Ich bin mir sicher, dass wir im Fernwärmeverbund mit dem Standort Marzahn und der dort entstehenden neuen Gas-und-Dampf-Anlage auch in Zukunft vor weiteren interessanten Bewährungsproben stehen werden, die es zu meistern gilt und die wir auch schaffen werden. Klingenberg ist Teil der Wärmewende und wir schauen nach vorn, machen aktiv mit und bewegen etwas. Es bleibt also spannend!"


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Experte Harald Flügel

Als gelernter Maschinist für Wärmekraftwerke habe ich 1980 das Ende der Steinkohle in Klingenberg erlebt - heute begleite ich als Kraftwerksleiter das Ende der Braunkohlefeuerung. Zu meinen Hauptaufgaben zählt die Konzentration auf die Neubauvorhaben bei uns in Lichterfelde und Marzahn sowie die CO2-arme Energieumwandlung in unseren derzeitigen Kraftwerksanlagen. Wir werden hier einen wichtigen Beitrag für die Wärmewende und die Einhaltung der Klimaschutzvereinbarung mit der Stadt Berlin leisten.

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