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Kohleausstieg – Ist das machbar?

Nach dem Ausstieg aus der Braunkohle im vergangenen Jahr steht Vattenfall in Berlin vor der nächsten großen Herausforderung. Im Einklang mit dem Berliner Energiewendegesetz wollen wir bis spätestens 2030 auch aus der Steinkohle aussteigen. Wie geht das? Eine Machbarkeitsstudie soll diese Frage beantworten.

Alternative Lösungen für 400.000 Haushalte

Die Machbarkeitsstudie wurde im November 2017 gemeinsam durch die Vattenfall Wärme Berlin und die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in Auftrag gegeben. Sie soll Wege und konkrete Maßnahmen aufzeigen, um den Steinkohleausstieg in Berlin innerhalb der geplanten Zeit zu realisieren. Die technische Umsetzbarkeit wird dabei ebenso betrachtet wie die Wirtschaftlichkeit und die Sozialverträglichkeit.

Den Lenkungskreis für die Machbarkeitsstudie bilden die Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Regine Günther, Staatssekretär Stefan Tidow sowie von Vattenfall Chef der Berliner Wärme Gunther Müller und Markus Witt, Leiter Energiewirtschaft bei Vattenfall.

HKW Moabit, HKW Reuter West
Berliner Heizkraftwerke Moabit (links) und Reuter West mit Uferkran zur Kohleentladung

 

Vom Kohleausstieg betroffen sind bei Wärme Berlin die Heizkraftwerke Reuter West und Moabit. Für den ebenfalls mit Kohle befeuerten Block Reuter C ist der Ausstieg für 2020 bereits beschlossene Sache. Nach wie vor sind diese beiden Heizkraftwerke für die Fernwärmeversorgung Berlins von großer Bedeutung. Etwa 400.000 Haushalte im Norden erhalten ihre Wärme von dort. Über einen innovativen Technologiemix soll hier in Zukunft eine weitgehend CO2-freie Fernwärmeversorgung realisiert werden, die dennoch verlässlich und bezahlbar bleibt.

Kohleausstieg – Herausforderung für ganz Berlin

Eine derart komplexe Aufgabe wie der Kohleausstieg lässt sich in Berlin nur gemeinschaftlich bewältigen. Deshalb wurde ein Begleitkreis aus Vertreter der Stadtgesellschaft, der Politik und der Wissenschaft einberufen. Er hat die Aufgabe, die Erstellung der Studie kritisch zu begleiten. Die Mitglieder werden regelmäßig über alle wichtigen Fortschritte und Entwicklungen unterrichtet und geben auf dieser Grundlage Empfehlungen. Interessante Fußnote: In ihrer bisherigen Funktion als Chefin der BSR gehört auch die künftige Vorstandsvorsitzende der Vattenfall Wärme Berlin Tanja Wielgoß zum Begleitkreis.

Mit der Machbarkeitsstudie verfügen Vattenfall Wärme Berlin und Senat über ein wichtiges Instrument, um ein gemeinsames Verständnis für den Weg aus der Kohle und die damit verbundenen wechselseitigen Abhängigkeiten zu fördern. Das ist vor allem in Hinblick auf Rahmenbedingungen wichtig, die sich nicht durch unser Unternehmen beeinflussen lassen. Als Beispiel sei hier die Gebäudesanierungsrate genannt, die entscheidenden Einfluss auf den Wärmebedarf hat.

Simulation bis ins Jahr 2050

Die Machbarkeitsstudie berücksichtigt den Zeitraum von heute bis zum Jahr 2050. Daher bedarf es geeigneter Prognosen der deutschen und europäischen Energiemärkte und des Berliner Wärmemarkts. Betrachtet werden dabei jeweils drei unterschiedliche Szenarien. Eines geht davon aus, dass sich an der aktuellen Umweltpolitik in Deutschland nichts ändert und die übergeordneten Klimaziele weiterhin verfehlt werden. Die zwei anderen Szenarien gehen davon aus, dass Deutschland 80 Prozent beziehungsweise 95 Prozent seiner Treibhausgas-Emissionen über alle Sektoren gegenüber 1990 reduziert. Dazu passend werden für Berlin drei Wärmebedarfsszenarios entwickelt, die maßgeblich von der realisierten Sanierungsrate abhängen. Dabei kann das Studienteam auf die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie „Klimaneutrales Berlin“ zurückgreifen, die interdisziplinär unter Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) entstand. Anschließend werden die drei Energiemarktszenarien mit den Wärmemarktszenarien gekoppelt. Die Basis für die Machbarkeitsstudie bildet ein Systemmodell der Berliner Fernwärmesystems, das eine stundengenaue Simulation des Einsatzes der Wärmeportfolios für den Zeitraum bis 2050 ermöglicht.

Aha-Effekte für Experten

Des Weiteren prüft die Machbarkeitsstudie, welche technischen Lösungen für eine verlässliche und klimafreundliche Fernwärmeversorgung zur Verfügung stehen. Das breite Spektrum der potenziellen Varianten reicht dabei von Biomasse über Solarthermie, Großwärmepumpen, Geothermie, Industrielle Abwärme bis hin zu modularen Konzepten von Gas-KWK in Verbindung mit Power-to-Heat.

Die Auswertung der machbaren Optionen führte im Projektteam bereits zu einigen Aha-Effekten und Überraschungen. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Umweltwärme wie zum Beispiel aus der Spree ein so großes Wärmepotenzial in sich birgt, das – unter Berücksichtigung des umwelt- und genehmigungsrechtlichen Rahmens – mit Großwärmepumpen genutzt werden könnte. Auch wenn die Systemeinbindung und Wirtschaftlichkeit noch Herausforderungen birgt“, sagt Alexander Noack, Asset Manager bei System Development. Christoph Koch, Leiter der Portfolioplanung bei Vattenfall Wärme Berlin, zeigt sich vor allem vom Gesamtpotenzial von Reuter West angetan. „Wir haben dort verhältnismäßig günstige Platzverhältnisse und könnten diesen Standort zu einem Knotenpunkt für Sektorenkopplung ausbauen. Von der benachbarten BSR beziehen wir bereits Dampf. Auch die Wasserbetriebe sind dort und bieten unter anderem die Möglichkeit der Nutzung von Restwärme aus Abwasser.“

Im Laufe des Jahres sollen die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorliegen. Dann werden sie dem Begleitkreis vorgestellt und im Anschluss der interessierten Öffentlichkeit präsentiert.

Eine ausführliche Beschreibung der Machbarkeitsstudie hat die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz zum Download bereitgestellt: 
Machbarkeitsstudie „Kohleausstieg und nachhaltige Fernwärmeversorgung Berlin 2030“ von Dr. Michael Ritzau

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Experte Andreas Vetter

Seit über neun Jahren arbeite ich bei Vattenfall. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen für die politische Kommunikation, die ich beim Unternehmen verantworte. Meine Leidenschaft für Politik und mein Interesse für wirtschaftliche Zusammenhänge haben mich her geführt. Als persönlicher Ansprechpartner für die politischen Stakeholder, z.B. im Deutschen Bundestag oder Berliner Abgeordnetenhaus, ist es meine Aufgabe, einerseits unsere Interessen zu vertreten, andererseits die öffentliche Erwartungshaltung an einen Energieversorger zu verstehen. Markt und regulatorisches Umfeld haben sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Energiewende und Klimaschutz sind für uns Anspruch und Chance zugleich - egal ob auf Bundesebene oder Berlin, einem unserer Kernmärkte.

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