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Kavernen des Kernkraftwerks Brunsbüttel geräumt

Eine wichtige Voraussetzung für den Rückbau des Kernkraftwerks Brunsbüttel ist geschaffen: Insgesamt 626 Fässer mit Filter- und Verdampferkonzentraten wurden seit Februar 2016 aus den sechs, nur von oben zugänglichen Stauräumen der Anlage gehoben. Damit wurde das Kavernenprojekt erfolgreich abgeschlossen.

Die Fässer waren seit Ende der 70er Jahre nach und nach in die rund sechs Meter tiefen, mit tonnenschweren Betonriegeln verschlossenen Stauräume im Kontrollbereich gebracht worden. In den eingelagerten Fässern befanden sich Filterharze und Verdampferkonzentrate, also Abfälle aus der Abwasseraufbereitung bzw. aus den Prozesskreisläufen des Kernkraftwerks. Filterharze dienen dazu, das Wasser in den Prozesskreisläufen so rein wie möglich zu halten. Verdampferkonzentrate sind getrocknete Rückstände aus der Abwasseraufbereitung.

Beschädigung bei Umsaugarbeiten entdeckt

„Als wir Ende 2011 den Inhalt eines Fasses in einen endlagergerechten Gusscontainer umgesaugt haben, zeigte sich bei dem leeren Fass ein Korrosionsschaden“, berichtet Manuel Münster, Maschinenbautechniker im Kernkraftwerk Brunsbüttel. Anschließende Untersuchungen zeigten bei weiteren Fässern zum Teil erhebliche Korrosionserscheinungen. „Wir haben eine spezielle Kamerakonstruktion entwickelt, um den Zustand der 632 Fässer in den Kavernen inspizieren zu können. Nach dem äußerlich erkennbaren Ausmaß ihrer Beschädigung haben wir sie in fünf Kategorien eingeteilt“, erläutert Manuel Münster.

336 Fässer, also mehr als die Hälfte, wurden mit keinen oder nur geringfügigen äußerlich erkennbaren Auffälligkeiten in die Kategorien 1 und 2 eingeordnet. 78 Fässer wiesen äußerlich erkennbar mittelschwere Auffälligkeiten auf. Die Zahl der Fässer mit starken Schädigungen (z.B. großflächigen Korrosionen) in Kategorie 4 und besonderen Auffälligkeiten (z.B. Stauchungen) in Kategorie 5 belief sich auf insgesamt 212. Weitere sechs Fässer mit Metallschrotten befinden sich noch in Kaverne 5.

Handhabungskonzept für Fässer mit der Behörde entwickelt

„Es stand außer Frage, dass die Kavernen geräumt und gesäubert werden sollten“, erinnert sich Manuel Münster. Daher wurden für jede Schadenskategorie in Abstimmung mit der Aufsichtsbehörde verschiedene Konzepte zur Handhabung entwickelt. Je nach Zustand eines Fasses kamen unterschiedliche, speziell entwickelte Greifvorrichtungen zum Einsatz. Fässer ohne oder mit geringfügigen Auffälligkeiten wurden am Deckel angeschlagen. Bei Fässern mit mittelschweren oder starken Auffälligkeiten kam einer der Deckel-Boden-Greifer zum Einsatz. Die Handhabung aller Fässer erfolgte grundsätzlich ferngesteuert in einer Einhausung, die als zusätzliche Absicherung diente.

Kernkraftwerk Brunsbüttel erstes Fass Kaverne 2 und 4
Kernkraftwerk Brunsbüttel, die Hebung des ersten Fasses aus dem Regalsystem, Foto: Vattenfall


Nach mehrjähriger Vorbereitungszeit wurde Ende Februar 2016 das erste Fass aus der Kaverne 4 gehoben. Trotz der intensiven Vorbereitung verliefen die Arbeiten nicht ohne Überraschungen. „Während der Handhabungen mussten wir feststellen, dass der Zustand einiger Fässer schlechter war, als wir nach der Kamerainspektion erwartet hatten. 23 Fässer wiesen stärkere Beschädigungen auf, als bei der Kamerainspektion zunächst erkennbar war; bei einem Fass waren die Schädigungen geringer“, stellt Manuel Münster fest.

Die aus den Kavernen entnommenen Fässer wurden für die Endlagerung vorbereitet. Dazu wurden sie entweder getrocknet und direkt in für die Endlagerung zugelassene Container gestellt oder ihr Inhalt wurde in die Container umgesaugt.

Handhabungskonzept hat sich bewährt

Spezielle Werkzeuge und sehr sorgfältiges Vorgehen konnten nicht verhindern, dass sich bei zehn Fässern bei der Handhabung der Fassmantel löste. Manuel Münster erinnert sich: „Ein Fass hat sich beim Einstellen ins Überfass verkantet und beim wiederholten Heben und Senken riss der Fassmantel ein. Das geschah aber komplett innerhalb der Einhausung in einem Abschirmfass, das damit als zuverlässiger Schutz funktionierte - wie wir es beabsichtigt hatten. Bei einem anderen Fass war der Deckel lose und wir konnten das Fass mit den Bodenklinken des Deckel-Boden-Greifers anheben und sicher handhaben – das war Millimeterarbeit, hat aber gut funktioniert. Gerade hier haben sich die von uns entwickelten Greifer bewährt. Alle Arbeiten fanden außerdem ferngesteuert in einer lüftungstechnischen Einhausung statt. Dabei haben wir kontinuierlich radiologische Messungen durchgeführt. Ergebnis: Es gab keine Freisetzung von Radioaktivität. Selbstverständlich haben wir während der gesamten Arbeiten auch durch organisatorische und technische Vorkehrungen für den Strahlenschutz dafür gesorgt, dass eine Gesundheitsgefährdung für das Personal und die Bevölkerung ausgeschlossen war.“

Spezialgreifer für Fässer im Kernkraftwerk Brunsbüttel

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Kavernenprojekts warten die endlagergerechten Container nun in der Transportbereitstellungshalle auf dem Kraftwerksgelände darauf, dass sie ins Bundesendlager „Schacht Konrad“ gebracht werden können. Das dürfte allerdings noch eine Weile dauern: „Schacht Konrad“, das Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, wird nach derzeitiger Planung erst 2027 zur Verfügung stehen.

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Experte Manuel Münster

Mit einer Ausbildung zum Industriemechaniker bin ich vor fast 25 Jahren im Unternehmen gestartet. Ursprünglich in den konventionellen Kraftwerken, bin ich 2002 ins Kernkraftwerk Brunsbüttel gewechselt. In Abendschulform habe ich die Weiterbildung zum Maschinenbautechniker absolviert und bin seit 2012 in dem Teilbereich der M-Instandhaltung des KKB tätig. Zu meinen Aufgaben gehören hier die Betreuung diverser Systeme und die Mitarbeit in verschiedenen Projekten für den Rückbau. Auf die Zukunft hier im KKB bin ich schon gespannt und freue mich auf die technische Herausforderung im Rückbau.

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