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Ein „weiter so“ ist keine Option: Fossilfrei innerhalb einer Generation

Magnus Hall, Präsident und CEO von Vattenfall, spricht auf dem Handelsblatt Energie Gipfel 2019 zu der Frage: „Innerhalb einer Generation fossilfrei in Europa – Wie geht das?“. Dieser Frage widmet er sich auch vorab im Rahmen eines Namensbeitrags, das im Handelsblatt erschienen ist:  

Magnus Hall, CEO & President Vattenfall AB
Magnus Hall, CEO & President Vattenfall AB


Die Wochen rund um den Jahreswechsel sind traditionell die Zeit für Prognosen und Ausblicke. Daher sei an dieser Stelle ein kurzer Blick zurück auf die letzten Wochen des vergangenen Jahres erlaubt, in denen rund um die UN-Weltklimakonferenz in Katowice nahezu täglich neue Prognosen und Daten über den Klimawandel veröffentlicht wurden.

Nachfolgend einige Beispiele: Ende November 2018 vermeldeten die UNEP-Experten, dass die weltweiten Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2017 mit 53,3 Milliarden Tonnen ein neues Rekordhoch erreichten. Dem Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) vom 30. November 2018 zufolge waren die vier vergangenen Jahre bis zurück in das Jahr 2015 die heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Und aus dem jüngsten Weltklima-Index ging hervor, dass Deutschland in Sachen Klimaschutz einige Plätze verloren hat und aktuell auf Platz 27 rangiert. Diese Liste ließe sich beliebig verlängern. Wer die Statistiken und Prognosen zum Klimawandel ernst nimmt, dem wird klar: Ein Business as usual ist nun keine Option mehr für den weiteren Umgang mit dieser globalen Herausforderung.

Ambitionen zum Klimaschutz steigern

Um ihre (selbstgesteckten) Klimaziele zu erreichen, müssen zahlreiche Staaten ihre Ambitionen in punkto CO2-Reduktionen nun deutlich erhöhen. Betrachtet man zum Beispiel Deutschland und Schweden, so konnten diese Staaten ihre CO2-Emissionen seit 1990 bisher im Mittel jeweils um rund ein Prozent jährlich senken. Wollen beide Länder jedoch ihre Klimaziele bis 2045 (Schweden) beziehungsweise 2050 (Deutschland) erfüllen, muss das Tempo der Reduktion nun deutlich an Fahrt gewinnen. Schweden muss künftig auf durchschnittlich fünf Prozent CO2-Minderung jährlich kommen. Deutschland muss bis zum 65-Prozent-Zwischenziel des Jahres 2030 ebenfalls eine jährliche Minderungsrate von etwa fünf Prozent erreichen, um dann im Zeitraum 2030 bis 2050 nochmal deutlich zuzulegen, auf bis zu zehn Prozent weniger CO2-Emissionen Jahr für Jahr.

Pessimistischere Prognosen postulieren für Deutschland gar Minderungsraten von bis zu 18 Prozent jährlich – und das ab sofort. Darüber hinaus wird deutlich, dass der stetige Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland auf nunmehr zuletzt 38 Prozent im Stromsektor zwar der richtige Weg ist und sich insbesondere auf der Kostenseite mittlerweile positiv entwickelt, dieser aber unter den gegebenen Rahmenbedingungen nur einen begrenzten Beitrag zu den weiteren CO2-Reduktionen liefern kann.

Die Energiewende in Deutschland war bislang eine Stromwende. Doch spricht vieles dafür, dass Deutschland bei der weiteren Entwicklung hin zu einer „echten“ Energiewende weiterhin eine beispielgebende Rolle einnehmen wird. Es geht mittel- und langfristig um den Verzicht auf fossile Energieträger und die schrittweise Dekarbonisierung aller Lebensbereiche. Hier sollten die europäischen und westlichen Gesellschaften nunmehr beherzt vorangehen, um einen entscheidenden Beitrag zu den UN-Klimazielen zu liefern.

Innerhalb einer Generation fossilfrei

Ein wesentlicher Faktor auf diesem Weg ist die Sektorenkopplung, mithin der weitgehende oder möglichst komplette Ersatz fossiler Energieträger durch erneuerbare Elektrizität beziehungsweise Energieträger und fossilfreie Quellen. Handlungsbedarf besteht vor allem für die Sektoren Industrie, Wärme und Verkehr, die bislang bei den Klimazielen deutlich hinterherhinken.

Wer solche Vorschläge formuliert, der sollte mit gutem Beispiel vorangehen. Nach dem Verkauf unseres deutschen Braunkohlegeschäfts haben wir einen Fahrplan zur CO2-Minderung für Vattenfall entwickelt und neue Unternehmensziele formuliert. Das wesentliche Ziel darin lautet, innerhalb einer Generation fossilfrei zu sein. Das bedeutet: Wenn Kinder, die heute geboren werden, später selbst Kinder haben, sollen diese ein Leben ohne fossile Energieträger führen können. Wir nennen das ein „klimasmartes“ Leben.

„Im Jahr 2025 sollen mehr als 50 Prozent der Stromerzeugung unseres Unternehmens aus den erneuerbaren Quellen Wind, Solar und Wasserkraft stammen.“

Das Ziel, innerhalb einer Generation fossilfrei zu sein, basiert dabei auf mehreren Komponenten. Ein wesentlicher Aspekt ist die Frage, was Vattenfall als Unternehmen selbst tun kann, um die eigenen CO2-Emissionen im laufenden Geschäft zu reduzieren, beziehungsweise möglichst ganz zu minimieren. Das zweite wesentliche Handlungsfeld sind die Neuinvestitionen in die erneuerbaren Energien, die wir deutlich erhöhen. Und der dritte Aspekt dieser Strategie sind schließlich gemeinsame Projekte mit Industriepartnern aus den anderen Sektoren, um diese bei ihren CO2-Reduktionszielen zu unterstützen.

Kohleausstieg bis 2030

Für das Wärmegeschäft von Vattenfall liegt ein konkreter Minderungsfahrplan vor. Bis 2030 wollen wir aus der Kohle als Energieträger zur Wärmerzeugung aussteigen und Wärme künftig auf Basis nicht-fossiler Lösungen und mit Hilfe von erneuerbaren Energien produzieren. Für Deutschland sind dabei wichtige Schritte mit den Power-to-Heat-Projekten in Berlin (Standort Reuter West) und Hamburg (Standort Karoline) sowie der Stilllegung des braunkohlenbefeuerten Kraftwerks Klingenberg in Berlin bereits gemacht. Erfreulich hieran war, dass wir so bereits Ende 2017 eines unserer Etappenziele bei den CO2-Minderungen im Wärmegeschäft in Berlin drei Jahre früher als geplant erreicht und unsere CO2-Emissionen in der Hauptstadt dadurch um 50 Prozent reduziert haben. In Skandinavien geht Vattenfall noch einen Schritt weiter. Dort soll bis 2030 bereits die gesamte Erzeugungsflotte fossilfrei betrieben werden.

In einem Punkt ist die Hauptstadt Vorreiter

Ausbau der erneuerbaren Energien

Im Jahr 2025 sollen mehr als 50 Prozent der Stromerzeugung unseres Unternehmens aus den erneuerbaren Quellen Wind, Solar und Wasserkraft stammen. Hierfür gehen wir den Ausbau unseres Wind- und Solarportfolios nochmals ambitionierter an und wollen bis dahin elf Gigawatt an installierter Leistung in Betrieb nehmen. Mit dieser installierten fossilfreien Leistung sollen 2025 dann rund 30 Millionen Haushalte in Europa versorgt werden können.

Entscheidungen für Offshore-Windparks in Dänemark

Dekarbonisierung Transport, Wärme und Industrie

Die Dekarbonisierung der Sektoren eröffnet schließlich aus unserer Sicht zahlreiche neue Geschäftsfelder. Dies sehen wir als Chance für unser Unternehmen, auch wenn sich hier regulatorische Rahmenbedingungen zum Teil sicherlich noch entsprechend entwickeln müssen. Dennoch, wir glauben, dass die Elektrifizierung mit erneuerbarem Strom ein Schlüssel für reduzierte CO2-Emissionen in den Bereichen Transport, Wärme und Industrie sein wird. Im Industriesektor sind wir bereits Partnerschaften mit Unternehmen aus der Stahl- und Zementindustrie sowie mit Raffinerien eingegangen. Beispielhaft sei hier die Kooperation mit dem schwedischen Stahlkonzern SSAB und dem Bergbaukonzern LKAB zur fossilfreien Stahlherstellung mit Hilfe von Wasserstoff genannt, für die im Sommer 2018 der Spatenstich eine Pilotanlage im nordschwedischen Luleå erfolgt ist.

HYBRIT: Auf dem Weg zu fossilfreiem Stahl

Wir glauben, dass der Markt für erneuerbaren Strom aufgrund der weiter steigenden Nachfrage nach fossilfreier Erzeugung bis 2025 im Vergleich zu 2018 europaweit um 50 Prozent auf dann rund 550 TWh wachsen wird, mit weiter steigender Tendenz. Aus unserer Sicht lassen sich auf europäischer Ebene ambitionierte CO2-Reduktionen und Wirtschaftswachstum gut miteinander in Einklang bringen. Eine unlängst veröffentlichte Studie des europäischen Branchenverbandes Eurelectric zur Dekarbonisierung des Energiesektors kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass diese bereits bis 2045 und zu deutlich geringeren Kosten erfolgen kann als bisher angenommen. Packen wir es also an.

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